Lindsey Stirling spielt Violine und tanzt bei ihrem Konzert in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Lindsey Stirling: Der Tanz der Violine in Frankfurt

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Eine Violine, elektronische Beats und eine Musikerin, die während des Spielens über die Bühne tanzt. Lindsey Stirlingmachte in der Jahrhunderthalle Frankfurt schnell deutlich, dass klassische Vorstellungen davon, wie eine Geigerin aufzutreten hat, an diesem Abend draußen bleiben konnten. Die US-Amerikanerin verbindet Klassik, Elektronik, Dubstep und Pop zu einem Sound, der sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt.

Und genau darin liegt ihre Stärke.

Wenn die Violine plötzlich tanzen lernt

Wer an eine Violine denkt, landet gedanklich schnell bei Vivaldi, Paganini oder einem großen Sinfonieorchester. Lindsey Stirling hat mit dieser traditionellen Vorstellung wenig am Hut.

Sie spielt Geige. Aber eben auf ihre Weise.

Stirling bewegt sich während ihrer Stücke permanent über die Bühne, verbindet anspruchsvolles Violinspiel mit Choreografien und lässt klassische Melodieführung auf elektronische Beats treffen. Was zunächst wie eine ziemlich wilde Kombination klingt, funktioniert live erstaunlich gut.

In Frankfurt wurde daraus eine Show, bei der Musik und Bewegung kaum voneinander zu trennen waren.

Lindsey Stirling macht aus einem Konzert eine Show

Stillstehen gehört bei Lindsey Stirling nicht zum Programm. Während andere Musiker bereits damit beschäftigt wären, die teilweise rasanten Violinpassagen sauber zu spielen, tanzt sie dazu über die Bühne.

Das verlangt Kondition.

Gerade live wird deutlich, wie körperlich ihre Art Musik zu machen ist. Jede Bewegung gehört zur Inszenierung, trotzdem bleibt die Violine das Zentrum der Show. Licht, elektronische Sounds und Choreografien geben den Stücken ihren Rahmen, ohne das Instrument zur Nebensache zu machen.

Die Jahrhunderthalle Frankfurt bot dafür reichlich Platz.

Von „America’s Got Talent“ zum YouTube-Star

Dass Lindsey Stirling einmal weltweit Hallen füllen würde, war keineswegs selbstverständlich.

Schon als Kind interessierte sie sich für Musik und Tanz. Weil ihre Familie nicht beide Ausbildungen finanzieren konnte, entschied sie sich für die Violine und begann bereits im Alter von fünf Jahren mit Unterricht.

2010 trat sie schließlich bei „America’s Got Talent“ an.

Ihre Kombination aus Tanz und Violine sorgte dort zwar für Aufmerksamkeit, im Viertelfinale war jedoch Schluss. Die Kritik an ihrem Auftritt hielt Stirling nicht davon ab weiterzumachen. Im Gegenteil.

Sie setzte auf das Internet.

Millionen Menschen entdecken Lindsey Stirling auf YouTube

Über YouTube erreichte Stirling schließlich genau das Publikum, das ihre ungewöhnliche Mischung verstand. Aufwendig produzierte Videos, Coverversionen und eigene Stücke verbreiteten sich weltweit und erreichten Millionen Menschen.

Plötzlich war die vermeintlich schwer vermittelbare Mischung aus Violine und elektronischer Musik ziemlich erfolgreich.

2012 erschien ihr selbstbetiteltes Debütalbum „Lindsey Stirling“. Weitere Veröffentlichungen, internationale Tourneen sowie Gold- und Platinauszeichnungen folgten.

Aus dem Talent, dem einst Zweifel an einer Solokarriere entgegengebracht wurden, war längst eine international erfolgreiche Musikerin geworden.

„Crystallize“ und „Shatter Me“ zeigen ihre musikalische Handschrift

Songs wie „Crystallize“„Shatter Me“ und „Shadows“ stehen exemplarisch für Stirlings Stil.

Die Violine übernimmt dabei häufig die Funktion, die in einer klassischen Pop- oder Rockband der Gesang übernehmen würde. Sie trägt die Melodie, setzt Akzente und erzählt ohne Worte.

Darunter laufen elektronische Beats.

Mal klingt das fast nach Filmmusik, dann kommt ein kräftiger Dubstep-Part um die Ecke und macht mit der klassischen Erwartungshaltung kurzen Prozess. Gerade diese Wechsel sorgten auch in Frankfurt dafür, dass sich die Show ständig weiterbewegte.

Von „Game of Thrones“ bis „Mission: Impossible“

Neben ihren Eigenkompositionen wurde Lindsey Stirling auch durch ihre Interpretationen bekannter Melodien und Soundtracks populär.

Musik aus „Game of Thrones“„Mission: Impossible“ oder dem Spider-Man-Universum bekam durch ihre Violine einen eigenen Charakter. Stirling kopiert solche Vorlagen nicht einfach, sondern zieht sie konsequent in ihre musikalische Welt.

Das Publikum kennt die Melodie.

Dann setzt der Beat ein.

Und plötzlich klingt das vertraute Stück völlig anders.

Frankfurt erlebt mehr als ein Violinkonzert

Wer an diesem Abend ein klassisches Violinkonzert erwartet hatte, dürfte sich spätestens nach wenigen Minuten von dieser Vorstellung verabschiedet haben.

Lindsey Stirling machte aus der Jahrhunderthalle eine Mischung aus Konzertsaal, elektronischer Show und Tanzbühne. Dabei zeigte sie, dass technische Fähigkeiten und Entertainment ziemlich gut zusammenpassen können.

Die Geige blieb trotzdem immer Mittelpunkt.

Vielleicht ist genau das der Punkt. Stirling versucht nicht, klassische Musik moderner aussehen zu lassen. Sie nimmt ein jahrhundertealtes Instrument und macht damit schlicht ihre eigene Musik.

Und wenn sie dabei über die Bühne tanzt, muss die Violine eben mit.

Text & Foto © by Jan Heesch

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