Mundstuhl mit Lars Niedereichholz und Ande Werner am 25. Januar 2017 im Capitol Mannheim

Mundstuhl in Mannheim: Mütze, Glatze und viel Chaos

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Ein Blick, ein schiefer Satz, dann bricht das Capitol schon wieder in Gelächter aus. Viel brauchen Lars Niedereichholz und Ande Werner dafür nicht. Gestern Abend, am 25. Januar 2017, gastierten die beiden als Mundstuhl in Mannheimund brachten mit ihrem Jubiläumsprogramm „Mütze-Glatze! Simply the Pest“ jede Menge alten Bekannten, neue Pointen und reichlich kontrolliertes Chaos auf die Bühne.

Seit mittlerweile 20 Jahren stehen Niedereichholz und Werner gemeinsam als Mundstuhl vor ihrem Publikum. Im Capitol merkt man schnell, dass diese lange gemeinsame Bühnenerfahrung vor allem beim Timing hilft. Einer setzt an, der andere schaut nur. Und manchmal reicht genau das.

Dragan und Alder haben Mannheim sofort im Griff

Natürlich dauert es nicht lange, bis Dragan und Alder auftauchen.

Mütze, Glatze, Trainingsanzug, große Klappe. Schon bei den ersten Sätzen gehen die Lacher durch den Saal. Die beiden Kultfiguren gehören zu Mundstuhl wie schlechte Ausreden und vollkommen übertriebene Geschichten zu ihren Dialogen.

Lars und Ande wechseln blitzschnell in ihre Rollen. Stimme, Haltung und Gesichtsausdruck verändern sich, und wenige Sekunden später stehen gefühlt nicht mehr zwei Comedians, sondern tatsächlich Dragan und Alder auf der Bühne.

Die beiden überbieten sich gegenseitig mit Geschichten, Sprüchen und Halbwissen. Einer will grundsätzlich schlauer sein als der andere. Meistens sind am Ende beide ziemlich weit davon entfernt.

Das Capitol liebt es.

Gerade die kleinen Pausen sitzen. Ein Blick ins Publikum. Kurzes Schweigen. Dann die nächste Pointe.

Peggy und Sandy nehmen kein Blatt vor den Mund

Auch Peggy und Sandy dürfen bei einem solchen Abend nicht fehlen.

Die beiden Plattenbau-Mütter erzählen von Familie, Beziehungen und ihrem ganz eigenen Alltag. Dabei wird nichts besonders vorsichtig formuliert. Mundstuhl überzeichnet bewusst, schiebt Klischees bis an die Grenze und manchmal noch ein gutes Stück darüber hinaus.

Das Publikum weiß, worauf es sich eingelassen hat.

Und lacht entsprechend.

Gerade bei Peggy und Sandy zeigen Niedereichholz und Werner, wie stark ihre Figuren über Sprache funktionieren. Ein veränderter Tonfall, eine bestimmte Körperhaltung, ein genervter Blick zur Seite. Mehr braucht es oft nicht.

Politisch korrekt ist das selten.

Soll es offenbar auch nicht sein.

Zwei Männer, viele Figuren und verdammt gutes Timing

Zwischen den bekannten Charakteren stehen Lars und Ande immer wieder als sie selbst auf der Bühne. Auch dann bleibt das Prinzip ähnlich: Einer liefert die Vorlage, der andere macht sie kaputt.

Oder noch schlimmer.

Die Übergänge gehen schnell. Ein Sketch ist vorbei, das Licht ändert sich, kurz darauf stehen bereits die nächsten Figuren auf der Bühne. Aufwendige Kulissen braucht Mundstuhl dafür nicht. Die Show lebt von Stimmen, Gestik, Kostümen und davon, dass die beiden nach 20 gemeinsamen Jahren ziemlich genau wissen, wann sie dem anderen besser eine Sekunde mehr Zeit für die Pointe lassen.

Manches ist herrlich albern.

Manches ziemlich böse.

Und einiges liegt so weit unter der Gürtellinie, dass man erst lachen muss und sich danach kurz fragt, warum eigentlich.

„Mütze-Glatze!“ blickt auf 20 Jahre Mundstuhl zurück

Das Jubiläumsprogramm ist kein klassisches Best-of, bei dem einfach eine bekannte Nummer nach der anderen abgespult wird. Vielmehr greifen Niedereichholz und Werner Figuren und Ideen aus ihrer bisherigen gemeinsamen Zeit auf und mischen sie mit neueren Szenen.

Dadurch bekommen langjährige Fans genau die Charaktere, auf die sie warten. Wer Mundstuhl erst später entdeckt hat, versteht trotzdem sofort, warum Dragan, Alder, Peggy und Sandy über Jahre zu festen Bestandteilen der Shows geworden sind.

Die beiden Comedians stehen seit 1997 gemeinsam auf der Bühne. Schon wenige Jahre später waren ihre Figuren regelmäßig im Fernsehen zu sehen, im Jahr 2000 erhielten Mundstuhl einen Echo in der Kategorie Comedy.

Gestern Abend zählt davon aber vor allem eines: Die Nummern funktionieren noch immer.

Das Capitol lacht bis zum Schluss

Je länger der Abend dauert, desto lockerer wird die Stimmung im Capitol.

Zwischen den Sketchen hört man schon während der ersten Worte vereinzeltes Lachen, weil viele Besucher genau wissen, welche Figur gerade zurückkommt. Andere Pointen treffen völlig unerwartet.

Lars Niedereichholz und Ande Werner wirken dabei selbst bestens aufgelegt. Immer wieder spielen sie mit kleinen Reaktionen aus dem Saal, lassen eine Pause länger stehen oder treiben eine Szene noch ein Stück weiter.

Ein großes Bühnenbild braucht es nicht.

Zwei Comedians reichen.

Ein paar Kostüme dazu.

Und natürlich Mütze und Glatze.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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