Völkerball live beim Strandkorb Open Air 2021 in der BRITA-Arena Wiesbaden

Völkerball in Wiesbaden: Feuer beim Strandkorb Open Air

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„Reise, Reise, Seemann, reise“: Am 23. Juli 2021 wurde es in der BRITA-Arena Wiesbaden deutlich härter als an vielen anderen Abenden des Strandkorb Open Air. Völkerball – A Tribute to Rammstein brachte seine aufwendig inszenierte Tribute-Show ins Stadion. Einlass war um 18.30 Uhr, um 20 Uhr begann das Konzert.

Strandkörbe und Rammstein-Sound. Eine eher ungewöhnliche Kombination.

Spätestens als die Bühne in Dunkelheit verschwand, Nebel aufzog und die ersten harten Gitarren durch die Arena drückten, spielte das allerdings kaum noch eine Rolle.

Völkerball bringt die Rammstein-Welt nach Wiesbaden

Die aus Koblenz stammende Band Völkerball wurde 2008 gegründet. Von Beginn an verfolgten die Musiker ein klares Konzept: Songs und Atmosphäre von Rammstein möglichst authentisch auf die Bühne zu übertragen. Dazu gehören neben der Musik auch Kostüme, Bühnenbilder und Pyrotechnik.

In Wiesbaden wurde daraus eine Show, die visuell kaum etwas mit einem gewöhnlichen Tribute-Konzert zu tun hatte.

Die Bühne lag zunächst im Dunkeln. Dann der erste dumpfe Schlag.

Licht. Nebel. Feuer.

Hinter den Effekten tauchten nach und nach die Musiker auf. Völkerball setzte nicht darauf, die Songs einfach möglichst originalgetreu herunterzuspielen. Die gesamte Inszenierung orientierte sich bewusst an jener martialischen Ästhetik, die Rammstein-Konzerte seit Jahrzehnten prägt.

René Anlauff steht im Mittelpunkt der Show

Im Zentrum steht René Anlauff.

Tiefe Stimme, harte Betonung, kontrollierte Bewegungen. Er kopiert dabei nicht einfach jede Geste von Till Lindemann, sondern hat sich über die Jahre eine eigene Bühnenfigur innerhalb des Tribute-Konzepts aufgebaut. Anlauff gehört seit der Gründung 2008 zur Band und ist bis heute deren Frontmann.

Gerade aus der Entfernung entsteht trotzdem schnell dieses bekannte Bild: schwere Gitarren, mechanisch wirkende Bewegungen und eine Stimme, die über den Platz rollt.

Dahinter arbeitet die Band ausgesprochen präzise.

Gitarren und Bass drücken nach vorne, das Schlagzeug hält den Rhythmus unerbittlich zusammen. Dazwischen sorgen Keyboards und elektronische Elemente für jene kalte Atmosphäre, die bei diesem Sound fast genauso wichtig ist wie die Gitarren selbst.

Feuer und Nebel zwischen den Strandkörben

Natürlich durfte bei Völkerball eines nicht fehlen: Pyrotechnik.

Feuer gehört fest zum Konzept der Tribute-Show. Die Band orientiert sich bei ihren Produktionen bewusst an den visuellen Elementen von Rammstein und setzt dafür Flammen, Licht, Nebel und nachgebildete Requisiten ein.

In der BRITA-Arena entstand dadurch ein eigenartiger Kontrast.

Auf der Bühne Feuer und industrieller Metal-Sound. Davor saßen die Besucher in Strandkörben, die aufgrund der Corona-Regeln mit Abstand auf der Rasenfläche verteilt waren. Beim Wiesbadener Strandkorb Open Air standen 2021 mehr als 600 dieser Körbe im Innenraum.

Beschaulich war es trotzdem nicht lange.

Je weiter die Show voranschritt, desto stärker rückten die äußeren Bedingungen in den Hintergrund. Entscheidend waren irgendwann nur noch die Bühne und der nächste Einsatz.

Reise, Reise trifft auf brachialen Rammstein-Sound

Das Repertoire von Völkerball besteht im Kern aus Songs von Rammstein. Klassiker und härtere Nummern wechseln sich ab, wobei die Band großen Wert darauf legt, nicht nur musikalisch, sondern auch optisch möglichst nahe an das Erlebnis einer großen Rammstein-Produktion heranzukommen.

Gerade Titel wie „Reise, Reise“ stehen für diese Mischung aus schwerem Rhythmus und einem Refrain, der sich sofort im Kopf festsetzt.

Doch Völkerball funktioniert live nicht allein über bekannte Songs.

Es ist die Kombination.

Ein Gitarrenriff beginnt. Nebel zieht über die Bühne. Sekunden später schießen Flammen nach oben.

Dann wieder Dunkelheit.

Völkerball macht aus Tribute eine eigene Show

Tribute-Bands gibt es viele. Bei Völkerball ist der Aufwand allerdings deutlich größer als bei einer gewöhnlichen Coverproduktion.

Die Musiker haben sich seit 2008 über hunderte Auftritte hinweg genau darauf spezialisiert, die Wucht der Rammstein-Shows auf kleinere und mittlere Bühnen zu übertragen. Die eigene Bandbiografie nennt bereits nach den ersten zehn Jahren mehr als 500 Shows in Europa.

Das merkt man.

Die Übergänge sitzen, Licht und Pyrotechnik greifen ineinander und die Musiker wissen genau, wann ein Effekt kommen muss.

In Wiesbaden traf diese kompromisslose Show auf eine Konzertform, die eigentlich für Abstand, Sicherheit und einen etwas ruhigeren Open-Air-Sommer geschaffen worden war.

Strandkorb oder nicht.

Wenn die Flammen hochgehen, wird es warm.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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