
Wincent Weiss in Wiesbaden: Gefühlsfeuerwerk im Strandkorb
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Am 25. Juli 2021 gehörte die BRITA-Arena Wiesbaden noch einmal dem Deutschpop. Wincent Weiss stand beim Strandkorb Open Air auf der Bühne und traf auf ein Publikum, das nach Monaten mit stark eingeschränktem Konzertbetrieb sichtbar Lust auf einen gemeinsamen Sommerabend mit Livemusik hatte. Der Auftritt war Teil der Wiesbadener Strandkorb-Reihe, die im Juli zahlreiche Künstler ins Stadion brachte.
Strandkörbe auf dem Rasen statt dicht gedrängter Innenraum. Abstand statt klassischem Front-of-Stage-Gedränge. Musikalisch dauerte es trotzdem nicht lange, bis die besondere Konstruktion des Abends in den Hintergrund rückte.
Wincent Weiss bringt neue Songs nach Wiesbaden
Für Wincent Weiss war 2021 musikalisch ein wichtiges Jahr. Erst am 7. Mai hatte er sein drittes Studioalbum „Vielleicht Irgendwann“ veröffentlicht, das anschließend Platz eins der deutschen Albumcharts erreichte. Songs wie „Wer wenn nicht wir“, „Wie es mal war“, „Wo die Liebe hinfällt“ oder „Die guten Zeiten“ eröffneten ein neues Kapitel seiner Karriere.
Entsprechend bestand der Wiesbadener Abend nicht ausschließlich aus den großen bekannten Singles.
Weiss präsentierte mit seiner Band neues Material und stellte es selbstverständlich neben jene Songs, mit denen viele Besucher ihn seit Jahren verbinden. Gerade nach der langen Livepause wirkte das weniger wie eine gewöhnliche Tourstation und stärker wie ein Wiedersehen.
Und das genoss er sichtbar.
Feuerwerk und An Wunder werden gemeinsam gesungen
Natürlich durften die bekannten Songs nicht fehlen.
„Feuerwerk“, „Frische Luft“ und „An Wunder“ gehören zu jener Phase, in der Wincent Weiss endgültig zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Popsänger seiner Generation wurde. „Feuerwerk“ erreichte 2017 die deutschen Charts, „An Wunder“ folgte 2018 und kam bis auf Platz zwölf.
Live funktionieren diese Stücke vor allem über ihre Refrains.
In Wiesbaden kamen sie entsprechend laut zurück. Vor den Strandkörben wurde gestanden, geklatscht und mitgesungen. Die vorgeschriebenen Abstände änderten wenig daran, dass sich irgendwann wieder dieses vertraute Konzertgefühl einstellte.
Ein Song beginnt.
Die ersten Worte reichen.
Dann übernimmt das Publikum.
Zwischen großen Refrains und persönlichen Momenten
Wincent Weiss lebt auf der Bühne nicht von Distanz.
Er spricht mit seinen Fans, erzählt zwischen den Liedern und sucht immer wieder die Nähe zu den Menschen vor ihm. Genau dieser persönliche Umgang passt zu Songs, die häufig von Beziehungen, Veränderungen, Zweifeln und Erinnerungen handeln.
Das kann schnell ziemlich gefühlig werden.
Aber Weiss schafft es meist, die Grenze zum übertriebenen Pathos nicht dauerhaft zu überschreiten. Nach einem ruhigen Moment folgt wieder ein schnellerer Song, die Band zieht an und aus dem gemeinsamen Mitsingen wird Bewegung.
Gerade diese Wechsel hielten den Abend in der BRITA-Arena lebendig.
Vielleicht Irgendwann zeigt eine andere Seite
Das Album „Vielleicht Irgendwann“ entstand in einer Phase, in der auch für Wincent Weiss vieles stillstand. Mehr als 25 ursprünglich geplante Shows konnten aufgrund der Pandemie nicht wie vorgesehen stattfinden. Diese erzwungene Pause floss in die neuen Songs ein und sorgte für deutlich persönlichere Texte.
Das hört man.
Zwischen optimistischen Popnummern finden sich Titel über Unsicherheit, Beziehungen und die Frage, was nach einer Phase kommt, in der plötzlich nichts mehr nach Plan läuft.
Ausgerechnet bei einem der ersten größeren Konzertsommer nach den Lockdowns bekamen diese Lieder eine zusätzliche Ebene.
Vor der Bühne standen Menschen, die ebenfalls gerade erst wieder lernten, wie sich ein normaler Konzertabend anfühlt.
Wiesbaden tanzt zwischen den Strandkörben
Das Strandkorb-Konzept war ursprünglich eine pragmatische Antwort auf die Corona-Regeln. Rund 800 Strandkörbeermöglichten 2021 Veranstaltungen in der BRITA-Arena mit Abstand und festen Bereichen.
Bei Wincent Weiss wurde daraus für ein paar Stunden ein ziemlich eigenwilliger Konzertsaal unter freiem Himmel.
Die Besucher blieben längst nicht permanent sitzen. Vor den Körben wurde getanzt, Hände gingen nach oben und die bekannten Refrains wurden gemeinsam gesungen.
Ein richtiges Feuerwerk brauchte es dafür kaum. Das kam an diesem Abend ohnehin aus dem Publikum.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













