
Sonja Philipp – Deutschlands älteste Schlagerdebütantin veröffentlicht Protest-Reggea
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Eigentlich könnte Sonja Philipp, mit 69 Jahren Deutschlands wohl älteste Schlager-Debütantin, fröhlich feiern: „Es gibt dich“, ein selbstgetextetes Erstlingswerk sorgte für viel Furore, brachte den Blätterwald zum Rauschen und sie zur besten Senderzeit in die SWR Abendschau und zu Regio TV. Doch ihr „eigener“ Haussender SWR4 spielte den Song nicht – nicht einmal vorgestellt wurde er. Während private Sender Sonja Phillips Schlager andernorts spielten, herrschte hier Sendepause. „Ich war Frustriert–als Künstlerin und auch GEZ-Zahlerin“.
Woran liegt es? SWR4 hat sein Programm-Portfolio umgestellt. Der einstige Schlager- und Deutschpop-Sender, der auch mal neuen und lokalen Acts eine Chance gab, wurde zum Oldiesender umfunktioniert, der die Hits von ABBA bis Zappa rauf und runter spielt. Neue deutschsprachige Musik findet dagegen kaum noch statt – sofern sie nicht von etablierten Größen wie Lindenberg, Maffay und Co. stammt.
Doch wo sollen aufstrebende deutschsprachige Schlagerkünstler Gehör finden, wenn nicht beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Deutschsprachige Musik scheint in Deutschland out zu sein.
Sonja Philipp zeigte sich ratlos, frustriert und fragt sich wie viele ihrer Fans, Freunde und Bekannten, warum es keine Plattform für deutschsprachigen Schlager mehr gibt, obwohl Zielgruppe und Nachfrage offensichtlich vorhanden sind.
Doch aufgeben ist für die resolute Schwäbin, einst erfolgreiche Unternehmerin, keine Option. Ursprünglich hatte sie einen Offenen Brief geplant („100 Freunde hätten sicher unterschrieben“), dann wollte sie eine Demo vor dem Funkhaus veranstalten („dafür hätte ich noch mehr Gleichgesinnte gefunden“). Dann aber dachte sie: Lass uns einen Song aufnehmen. Gesagt getan: Gemeinsam mit dem Waiblinger Produzenten RGT nahm sie einen Protestsong auf – im zurückgelehnten lockeren Reggae–Rhythmus. Aber bissig in der Sache. „Nichts bleibt für ewig“ heißt er – und ist ab sofort auf allen digitalen Plattformen erhältlich. Bei der Live-Präsentation, am vorigen Samstag bei „Talaue rockt“ im pickepackevollen Waiblinger Kulturbiergarten jedenfalls wurde er vom Publikum frenetisch gefeiert. Auch Label-Kollege Jörg Augenstein meinte anerkennend: „Sonja kann was – und sie hat wirklich Mut“.
Auf dass Reggae bei den Programmverantwortlichen von SWR4 vielleicht besser ankommt als Schlager – auch wenn der Text deutschsprachig und die Interpretin eine taffe Newcomerin ist. Sie heißt eben nicht Lindenberg oder Maffay, sondern „nur“ Sonja Philipp. Ein Name, den man sich trotz allem – oder gerade deshalb – merken sollte.
Bild: Sonja Philipp © Sabuas Lichtraum














