Stone Temple Pilots mit Sänger Jeff Gutt bei ihrem Konzert 2019 in der Batschkapp Frankfurt

Stone Temple Pilots bringen den Grunge-Sound in die Batschkapp Frankfurt

Beitrag teilen

Eine der prägenden Bands der Grunge-Ära, nur drei Deutschlandkonzerte und ein neuer Sänger mit einer verdammt schwierigen Aufgabe: Am 26. Juni 2019 machten die Stone Temple Pilots Station in der Batschkapp Frankfurt. Für viele Fans war das eine seltene Gelegenheit. Einige begleiteten die Band bereits seit den frühen 90ern, andere waren schlicht zu jung, um Stone Temple Pilots zuvor live erlebt zu haben.

Und eine Frage stand an diesem Abend zwangsläufig im Raum: Wie würde sich Jeff Gutt schlagen?

Walking Papers eröffnen den Abend

Bevor die Stone Temple Pilots diese Antwort geben konnten, gehörte die Bühne Walking Papers. Die Band aus Seattle brachte damit sogar geografisch ein Stück Grunge-Geschichte nach Frankfurt, auch wenn ihr eigener Sound deutlich stärker von Blues und klassischem Rock geprägt ist.

Große Showeffekte brauchten Walking Papers nicht. Die Musiker ließen ihre Instrumente sprechen und überzeugten mit einem angenehm direkten Auftritt.

Das passte.

Denn dieser Abend lebte ohnehin weniger von riesiger Inszenierung als von Gitarren, Stimmen und Songs. Walking Papers verstanden ihre Rolle als Support und bereiteten das Publikum ohne viel Schnickschnack auf den Headliner vor.

Große Fußstapfen für Jeff Gutt

Dann wurde es spannend.

Als die Stone Temple Pilots die Bühne betraten, richteten sich viele Augen besonders auf Jeff Gutt. Der Sänger war 2017 offiziell zur Band gestoßen und hatte eine Position übernommen, die wohl zu den undankbareren Jobs im Alternative Rock gehörte.

Der 2015 verstorbene Scott Weiland hatte den Sound und das Auftreten der Stone Temple Pilots über Jahrzehnte entscheidend geprägt. Zwischenzeitlich stand außerdem Chester Bennington von Linkin Park am Mikrofon. Zwei Stimmen mit enormem Wiedererkennungswert.

Wer danach übernimmt, wird automatisch verglichen.

Gutt versuchte jedoch nicht, einfach eine Kopie seiner Vorgänger abzuliefern. Das war die richtige Entscheidung. Er brachte genügend eigene Persönlichkeit mit, ohne die bekannten Songs ihrer ursprünglichen Wirkung zu berauben.

Die Klassiker funktionieren noch immer

Spätestens bei den großen Songs wurde deutlich, warum die Stone Temple Pilots auch Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch noch immer ein Publikum anziehen.

Die Gitarrenarbeit der DeLeo-Brüder Dean und Robert bildete weiterhin das Fundament. Dazu kam Eric Kretz am Schlagzeug. Dieser Kern sorgte dafür, dass der typische STP-Sound erhalten blieb: mal schwer und dreckig, dann melodisch, psychedelisch oder überraschend ruhig.

Die Musik der Band passte ohnehin nie vollständig in die klassische Grunge-Schublade. Dafür steckten zu viele andere Einflüsse darin.

Live wurde das besonders deutlich. Die Stone Temple Pilots mussten keine künstliche 90er-Nostalgie erzeugen. Die Songs erledigten das selbst.

Zwischen Erinnerung und Neustart

Natürlich war die Vergangenheit an diesem Abend ständig präsent. Für Fans der ersten Stunde sind viele Songs untrennbar mit Scott Weiland verbunden. Das lässt sich nicht wegdiskutieren und sollte es auch nicht.

Trotzdem wirkte die Show nicht wie eine Tribute-Veranstaltung für die eigene Geschichte.

Stone Temple Pilots wollten als aktive Band wahrgenommen werden. Genau darin lag die eigentliche Herausforderung dieses Konzerts. Klassiker spielen, die Erwartungen langjähriger Fans erfüllen und trotzdem zeigen, dass nach mehreren schweren Einschnitten noch etwas Neues entstehen kann.

Jeff Gutt machte dabei einen starken Job. Er hatte sichtbar Respekt vor dem Material, stand aber nicht wie ein Ersatzmann am Bühnenrand. Mit zunehmender Dauer des Konzerts wirkte die Besetzung immer geschlossener.

Grunge braucht keine Zeitmaschine

Für die älteren Fans war der Abend zwangsläufig mit Erinnerungen verbunden. Jüngere Besucher bekamen dagegen die Gelegenheit, eine Band live zu sehen, deren Songs eine ganze Phase des amerikanischen Alternative Rock mitgeprägt haben.

Genau diese Mischung machte das Gastspiel in der Batschkapp Frankfurt interessant.

Stone Temple Pilots klangen nicht wie eine Band, die verzweifelt versucht, das Jahr 1992 zurückzuholen. Dafür hatten sie bereits zu viel erlebt. Aber sobald die Gitarren einsetzten und diese charakteristischen Melodien durch den Club gingen, war die Verbindung zur großen Grunge-Ära sofort wieder da.

Text & Foto © by Jan Heesch

Beitrag teilen