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Lange Haare, Kutten, hochgereckte Hörner und dieser Geruch nach einem richtigen Clubkonzert. Am 21. November 2014 brauchte die Alte Seilerei Mannheim keine aufwendige Inszenierung, um sich für einige Stunden wie das Zentrum des klassischen Heavy Metal anzufühlen. Saxon und Skid Row in Mannheim, dazu Halcyon Way als Opener: Das war ein Tourpaket, bei dem man besser früh genug vor der Bühne stand. Für mich bedeutete der Abend vor allem eines: ständig die Kamera bereit halten. Erst moderner Metal aus Atlanta, dann amerikanischer Hard Rock und schließlich Biff Byford mit einer Saxon-Setlist, die tief in mehr als drei Jahrzehnte Bandgeschichte griff.
Den Anfang machten Halcyon Way. Die Band aus Atlanta war mit ihrem wenige Wochen zuvor in Europa veröffentlichten Album „Conquer“ unterwegs und begleitete Saxon und Skid Row auf diesem Tourabschnitt. Zu diesem frühen Zeitpunkt war in der Alten Seilerei noch Platz, doch die Amerikaner ließen sich davon nicht irritieren. Ihr moderner, progressiv gefärbter Metal war härter und kantiger als das, was später folgen sollte und setzte bewusst einen anderen Akzent.
Die Halle füllte sich danach spürbar. Und als Skid Row übernahmen, war plötzlich dieses typische Hard-Rock-Gefühl da, das nur schwer künstlich herzustellen ist. Vorne standen Johnny Solinger, Dave „Snake“ Sabo, Scotti Hill und Rachel Bolan, hinten Rob Hammersmith am Schlagzeug. Solinger war zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als 15 Jahren Sänger der Band und längst kein kurzfristiger Ersatz mehr. Trotzdem schwebte natürlich die große Vergangenheit immer mit über der Bühne.
Skid Row wirkten an diesem Abend erfreulich wenig daran interessiert, ihre Vergangenheit ehrfürchtig zu verwalten. Die Band kam nach vorne, grinste, spielte und behandelte die Alte Seilerei eher wie eine große Rockparty als wie einen geschichtsträchtigen Pflichttermin. Genau das passte zu diesem Raum. Keine kilometerweite Absperrung, kein gigantischer Bühnenbau. Die Musiker standen direkt vor einem und man sah ihnen an, dass sie Spaß an diesem Abend hatten. Auch der zeitgenössische Mannheimer Konzertbericht beschreibt genau diese ausgelassene Stimmung.
Natürlich warteten viele auf die alten Skid-Row-Klassiker. Songs wie „18 and Life“, „I Remember You“ oder „Youth Gone Wild“ gehörten in dieser Phase weiterhin zum Kern des Liveprogramms, gleichzeitig hatte die Band mit „Rise of the Damnation Army – United World Rebellion: Chapter Two“ gerade neue Musik veröffentlicht. Für mich funktionierte gerade dieser Gegensatz: ein Sound, der sofort Erinnerungen an die späten Achtziger und frühen Neunziger weckte, gespielt von einer Band, die 2014 immer noch mit neuem Material unterwegs war.
Dann wurde es britisch. Und schwer.
Mit Motorengeräusch kündigte sich „Motorcycle Man“ an, bevor Saxon endgültig die Kontrolle über die Alte Seilerei übernahmen. Biff Byford stand vorne, daneben Paul Quinn und Doug Scarratt an den Gitarren, Nibbs Carter am Bass und Nigel Glockler am Schlagzeug. Die „Warriors of the Road World Tour“ feierte 35 Jahre Saxon und konzentrierte sich besonders auf jene Alben, mit denen die Band Anfang der Achtziger ihren Status innerhalb der New Wave of British Heavy Metal zementiert hatte: „Wheels of Steel“, „Strong Arm of the Law“ und „Denim and Leather“.
Was dann kam, war eine Setlist für Leute, die ihren Heavy Metal klassisch mögen. „Sacrifice“, „Power and the Glory“, „Solid Ball of Rock“, „Lionheart“ und „Strong Arm of the Law“ standen bereits früh im Programm. Danach folgten unter anderem „And the Bands Played On“, „Frozen Rainbow“, „Heavy Metal Thunder“ und „Suzie Hold On“. Byford brauchte dabei keine großen Umwege. Ein kurzer Kontakt mit dem Publikum, die nächste Ansage, das nächste Riff. Die Alte Seilerei war jetzt voll im Saxon-Modus.
Einen dieser Momente, die eine Setlist eben doch ein bisschen besonders machen, gab es mit „Dallas 1 PM“. Der Song wurde in Mannheim auf Wunsch aus dem Publikum gespielt und schob sich damit zusätzlich ins ohnehin lange Programm. Danach ging es mit „The Eagle Has Landed“, „To Hell and Back Again“, „747 (Strangers in the Night)“, „Forever Free“ und „Crusader“ weiter. „Princess of the Night“ setzte schließlich den Schlusspunkt des regulären Sets.
Beim Fotografieren hatte dieser Auftritt eine ganz andere Energie als viele moderne Metalproduktionen. Biff Byford musste nicht ständig über die Bühne sprinten. Er stand da, hob den Arm, ging ans Mikrofon und hatte diese Präsenz, die nach Jahrzehnten auf Tour kaum noch erklärt werden muss. Links und rechts die Gitarren, dahinter Glockler, vorne ein Publikum, das bei den alten Songs jede Einladung zum Mitsingen annahm. Manchmal ist Heavy Metal erstaunlich unkompliziert.
Für die Zugabe blieben zwei Songs übrig, bei denen eigentlich schon die Titel reichen. „Wheels of Steel“ zuerst, danach „Denim and Leather“. Zwei Stücke aus jener Phase, wegen der Saxon 35 Jahre später überhaupt noch eine Alte Seilerei voller Metal-Fans zum gemeinsamen Luftgitarrespielen bringen konnten. Insgesamt kamen an diesem Abend 21 Saxon-Songs zusammen.
Das war kein Konzert, bei dem man hinterher über spektakuläre Videowände oder eine gigantische Bühnentechnik sprach. Halcyon Way hatten den Abend eröffnet, Skid Row eine ordentliche Portion amerikanischen Hard Rock hineingeschoben und Saxon anschließend gezeigt, wie viele Klassiker in 35 Jahren zusammenkommen können.
Als „Denim and Leather“ durch die Alte Seilerei ging, war sowieso alles gesagt.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopicturesSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
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