
Gregor Meyle in Wetzlar: Nahbar, warm und voller Spielfreude
Beitrag teilen
Gregor Meyle in Wetzlar sorgte am 22. August 2021 für einen dieser Konzertabende, die damals alles andere als selbstverständlich waren. Gemeinsam mit seiner Band stand der Singer-Songwriter beim Strandkorb Open Air auf dem Festplatz Finsterloh auf der Bühne und traf dort auf ein Publikum, das nach vielen Monaten voller Einschränkungen hörbar Lust auf Live-Musik hatte. Gregor Meyle war der dritte Act der mehrwöchigen Konzertreihe, die vom 20. August bis 19. September zahlreiche bekannte Künstler nach Wetzlar brachte.
Die Stimmung passte von Beginn an. Kein großes Spektakel, keine überladene Inszenierung. Meyle setzte auf das, was seine Konzerte seit Jahren auszeichnet: starke Musiker, Geschichten zwischen den Songs und viel Nähe zum Publikum.
Gregor Meyle macht aus dem Strandkorb einen Konzertplatz
Bis zu 700 Strandkörbe standen im Sommer 2021 auf dem Festplatz Finsterloh. Was zunächst nach Abstand und strengen Regeln klang, entwickelte sich an diesem Abend schnell zu einem ziemlich lebendigen Konzertgelände. Die Besucher saßen keineswegs einfach nur brav in ihren Körben. Es wurde geklatscht, mitgesungen und immer wieder aufgestanden.
Meyle und seine Band nahmen diese Energie gerne auf. Gerade seine ruhige, direkte Art funktionierte in dem ungewöhnlichen Rahmen erstaunlich gut. Zwischen den Songs erzählte er Geschichten, suchte das Gespräch mit den Menschen vor der Bühne und ließ den Abend dadurch eher wie ein großes gemeinsames Treffen wirken als wie eine durchgetaktete Show.
Und genau das brauchte dieser Sonntagabend.
Nach einer langen Zeit, in der Konzerte verschoben oder komplett abgesagt worden waren, fühlten sich selbst kleine Dinge wieder groß an. Eine Band, die gemeinsam auf einer Bühne steht. Ein Publikum, das einen Refrain zurücksingt. Gitarren, die nicht aus dem Wohnzimmerlautsprecher kommen.
Geschichten und Songs statt großer Showeffekte
Gregor Meyle gehört zu den Künstlern, die keine zehn Meter hohe Videowand brauchen, um einen Abend zu tragen. Seine Stärke liegt woanders. In Songs, die nah am Alltag bleiben. In seiner Stimme. Und in dieser Fähigkeit, zwischen zwei Liedern eine Geschichte zu erzählen, ohne dass sie wie ein einstudierter Moderationstext klingt.
Der Musiker aus Baden-Württemberg wurde Ende 2007 durch Stefan Raabs Castingshow bei „TV total“ einem größeren Publikum bekannt. Dort belegte er hinter Stefanie Heinzmann den zweiten Platz. Sein Debütalbum „So soll es sein“ folgte 2008. Wirklich breit im deutschen Fernsehen angekommen war Meyle spätestens 2014 mit „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“. Im selben Jahr erreichte sein Album „New York – Stintino“ die Top Ten der deutschen Charts.
Bemerkenswert ist, dass Meyle früh einen unabhängigen Weg einschlug. Mit Meylemusic gründete er sein eigenes Label und veröffentlichte seine Musik damit weitgehend nach eigenen Vorstellungen. Diese Eigenständigkeit passt zu einem Künstler, der auf der Bühne selten den Eindruck vermittelt, jemandem etwas beweisen zu müssen.
Gregor Meyle und seine Band überzeugen im Finsterloh
Im Mittelpunkt stand in Wetzlar trotzdem nicht die Biografie, sondern die Musik. Meyle kam mit kompletter Band. Und das machte einen Unterschied.
Wo seine Songs auf Platte häufig intim und zurückgenommen wirken, bekommen sie live mehr Druck und Dynamik. Gitarren, Bass, Schlagzeug und die weiteren Musiker geben den Stücken Raum, ohne sie unnötig aufzublasen. Gerade die Wechsel zwischen ruhigen Momenten und kräftigeren Passagen hielten den Abend in Bewegung.
Meyle selbst blieb dabei ständig präsent. Mal konzentriert an der Gitarre, dann wieder mit einem lockeren Spruch Richtung Publikum. Diese Nähe ist kein Nebeneffekt seiner Shows. Sie gehört zum Konzept.
Dass er wenige Monate zuvor noch eine völlig andere Erfahrung gemacht hatte, gab dem Auftritt eine zusätzliche Ebene: 2020 war Meyle als „Drache“ bei „The Masked Singer“ dabei und hatte während der Produktion selbst eine Covid-19-Infektion durchgemacht. Die Sendung musste damals zeitweise unterbrochen werden. Ein Jahr später wieder mit Band vor einem echten Publikum zu stehen, bekam dadurch fast automatisch eine andere Bedeutung.
Ein Abend, der wieder nach Live-Musik klang
Das Strandkorb Open Air in Wetzlar war 2021 ein Kompromiss. Abstand, feste Plätze, besondere Einlass- und Gastronomieregeln gehörten zum Konzept. Trotzdem bot die Reihe mehr als 20 Künstlern und Bands wieder eine Bühne und brachte tausende Menschen zurück zu Live-Veranstaltungen.
Bei Gregor Meyle rückte dieser organisatorische Rahmen irgendwann in den Hintergrund. Die Strandkörbe waren noch da. Natürlich. Doch je länger das Konzert dauerte, desto mehr fühlte sich der Abend wieder nach dem an, was er eigentlich sein sollte: ein Konzert.
Eine gute Band auf der Bühne, ein bestens aufgelegter Gregor Meyle davor und Menschen, die endlich wieder gemeinsam Musik erleben konnten.
Manchmal reicht genau das.
Text & Foto © Jan Heesch














