Andrew Stockdale von Wolfmother live beim Konzert im Schlachthof Wiesbaden am 20. Juni 2019

Gitarrenkunst vom Feinsten: Wolfmother rocken den Schlachthof Wiesbaden

Beitrag teilen

Schwere Gitarrenriffs, ausgedehnte Soli und dieser unverkennbare Retro-Sound: Am 20. Juni 2019 machten Wolfmother im Schlachthof Wiesbaden Station. Rund 2.000 Besucher wollten Andrew Stockdale und seine Band live erleben. Und wer an diesem Donnerstagabend auf handgemachte, laute Gitarrenmusik aus war, bekam reichlich davon. Als Support eröffneten die Berliner von D’Angerous den Abend.

D’Angerous legen ordentlich vor

Eine passende Vorband für Wolfmother zu finden, ist gar nicht so einfach. Schließlich sollte der Support genügend eigenen Charakter mitbringen und gleichzeitig musikalisch zu einem Abend passen, bei dem die Gitarre klar das Sagen hatte.

Mit D’Angerous lag man ziemlich richtig.

Schon mit den ersten Tönen aus den Boxen fanden die Berliner ihren Zugang zum Wiesbadener Publikum. Statt sich vorsichtig an die Menge heranzutasten, wurde direkt losgerockt. Die Reaktion folgte prompt: viel Applaus und ein Schlachthof, der sich zunehmend auf Betriebstemperatur brachte.

Damit war die Bühne bereitet.

Wolfmother starten mit „Victorious“

Nach einer kurzen Umbaupause war es dann so weit. Wolfmother betraten die Bühne und besonders Frontmann Andrew Stockdale wurde mit lautem Jubel begrüßt.

Große Vorrede? Nicht nötig.

Die Australier gingen direkt zur Sache und eröffneten ihr Set mit „Victorious“, dem Titelsong ihres vierten Studioalbums. Bereits hier zeigte sich, was diesen Abend bestimmen würde. Stockdales charakteristische Stimme, ein mächtiges Gitarrenfundament und ein Sound, der tief in den 60er- und 70er-Jahren verwurzelt ist, ohne wie eine bloße Kopie vergangener Rockzeiten zu klingen.

Wolfmother machten daraus ihr eigenes Ding.

Andrew Stockdale lässt die Gitarre sprechen

Vor allem Fans ausgedehnter Gitarrenarbeit kamen auf ihre Kosten. Stockdale ließ ein Solo nach dem nächsten raus, wechselte zwischen schweren Riffs und verspielteren Passagen und stand dabei klar im Mittelpunkt der Show.

Das wirkte aber nie wie eine technische Demonstration nach dem Motto: Schaut mal, was ich alles kann. Die Soli blieben Teil der Songs, und genau deshalb funktionierten sie.

Dann kam „Woman“.

Der wohl bekannteste Wolfmother-Song ließ nicht lange auf sich warten. Schon das markante Riff reichte, um vor der Bühne noch einmal deutlich mehr Bewegung auszulösen. Jetzt wurde mitgegrölt, die Köpfe gingen im Takt nach vorne und die Luft im Schlachthof dürfte endgültig ein paar Grad wärmer geworden sein.

2.000 Fans feiern den Retro-Rock der Australier

Rund 2.000 Besucher waren an diesem Donnerstagabend nach Wiesbaden gekommen. Stockdale registrierte die Reaktionen genau und zeigte immer wieder sichtbar Freude daran, wie gut seine Songs aufgenommen wurden.

Diese Nähe tat dem Konzert gut.

Denn Wolfmother brauchen keine riesige Stadionproduktion. Der Sound lebt von Gitarren, Bass, Schlagzeug und Stockdales Stimme. Im vergleichsweise direkten Umfeld des Schlachthofs Wiesbaden konnte genau das seine Wirkung entfalten.

Mal psychedelisch, mal bluesig, dann wieder mit einem Riff, das einem ziemlich unvermittelt um die Ohren flog. Wolfmother bewegten sich durch verschiedene Spielarten klassischer Rockmusik, ohne dabei den roten Faden zu verlieren.

Und vor der Bühne? Wurde einfach gefeiert.

90 Minuten voller Riffs und Rock’n’Roll

Die Zeit verging entsprechend schnell. Gefühlt hatte das Konzert gerade erst richtig Fahrt aufgenommen, als bereits rund 90 Minuten gespielt waren.

Doch ganz ohne Nachschlag wollten die Fans Wolfmother nicht ziehen lassen. Die Band kehrte für eine Zugabe zurück und gab dem Abend noch einen letzten Schub, bevor Stockdale und seine Mitstreiter endgültig von der Bühne verschwanden.

Was blieb, war ein Konzert, das erfreulich wenig Schnickschnack brauchte. Wolfmother ließen die Musik und vor allem die Gitarren sprechen. D’Angerous hatten vorher ordentlich vorgelegt, Stockdale übernahm und zeigte anschließend, warum seine Band seit Jahren eine feste Größe für Freunde von Hard Rock, Psychedelic Rock und mächtigen Retro-Riffs ist.

Laut genug war es jedenfalls.

Text & Foto © by Jan Heesch

Beitrag teilen