Schiller lässt Mannheim im Licht schweben

Schiller in Mannheim: Lichtsommer zwischen Klang und Laser

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Am 24. Juli 2020 gehörte das Mannheimer Maimarktgelände für einen Abend den elektronischen Klangwelten von Schiller. Christopher von Deylen brachte sein Open-Air-Programm „Lichtsommer“ zum CARStival und setzte damit einen deutlichen Kontrast zu vielen anderen Veranstaltungen dieses ungewöhnlichen Konzertsommers. Statt großer Gesten oder lauter Ansagen standen Musik, Licht und Bilder im Mittelpunkt. Als besonderer Gast war Thorsten Quaeschning von Tangerine Dream dabei. 

Für Schiller in Mannheim passte das Autokino-Format überraschend gut. Die Besucher saßen zwar in ihren Fahrzeugen, doch gerade die Dunkelheit über dem weitläufigen Gelände gab der Show den nötigen Raum. Laser zogen über die Autos hinweg, Visuals füllten die große Leinwand und die elektronische Musik bekam eine fast cineastische Dimension.

„Lichtsommer“ beginnt mit bekannten Schiller-Welten

Der erste Teil des Abends gehörte Christopher von Deylen und seiner Liveband. Cédric Monnier spielte Synthesizer und Electronic Bass, Robin Tadic arbeitete mit Loops und Electronics, Oliver Keller ergänzte den Sound mit elektrischer und akustischer Gitarre. 

Schon bei „Sommernacht“ wurde klar, dass dieser Auftritt nicht wie ein klassisches Konzert aufgebaut war. Die Musik entwickelte sich langsam, Flächen schoben sich übereinander, der Bass setzte Akzente. Auf der Leinwand liefen dazu Bilder, die den Blick immer wieder weg vom Parkplatz und hinein in eine andere Welt lenkten.

Mit „Lightyears“, „Berlin – Moskau“, „Shangri La“ und „Ultramarin“ wurde der Sound anschließend kräftiger und rhythmischer. Die Übergänge blieben fließend. Statt eines ständigen Wechsels zwischen Song, Applaus und Ansage entstand ein zusammenhängender Bogen. 

Laser machen aus dem Maimarktgelände einen anderen Ort

Je dunkler es über Mannheim wurde, desto stärker wirkte die visuelle Seite.

Für die Licht- und Lasereffekte arbeitete Schiller mit der Laserfabrik zusammen. Strahlen zogen über das Gelände, schnitten durch den leichten Dunst und verschwanden weit hinter den ersten Fahrzeugreihen. Dass diese Produktion speziell auf die Dunkelheit angewiesen war, merkte man mit jeder Minute deutlicher. 

Dabei wirkte die Show nie wie eine bloße Demonstration technischer Möglichkeiten. Die Laser reagierten auf die Musik, Farben wechselten mit den Stimmungen und die Visuals schufen immer wieder neue Räume.

Gerade bei „Ruhe“ funktionierte das besonders gut. Der mehr als 20 Jahre alte Schiller-Klassiker bekam in Mannheim noch einmal eine andere Wirkung. Zwischen Grün- und Blautönen, elektronischen Flächen und dem tiefen Bass wurde es auf dem Gelände tatsächlich stiller. Erst danach meldeten sich die Hupen und Scheinwerfer wieder zurück. 

Thorsten Quaeschning verändert den zweiten Teil

Nach dem ersten Set änderte sich die musikalische Richtung.

Für den zweiten Teil blieb Christopher von Deylen gemeinsam mit Thorsten Quaeschning, dem musikalischen Leiter von Tangerine Dream, auf der Bühne. Statt eines weiteren Blocks mit bekannten Schiller-Stücken entstand eine freie elektronische Echtzeitkomposition. 

Der Unterschied war deutlich.

Die Musik wurde offener, weniger songorientiert. Sequenzen bauten sich langsam auf, lösten sich wieder auf und machten Platz für neue Flächen. Piano, elektronische Pulse und schwebende Synthesizerlinien standen stärker im Mittelpunkt.

Für ein Autokonzert war das fast ideal. Niemand musste auf den nächsten bekannten Refrain warten. Man konnte sich zurücklehnen, zuhören und beobachten, wie sich Musik und Bilder über das Gelände entwickelten.

Kein gewöhnlicher CARStival-Abend

Das CARStival lebte in diesem Sommer oft davon, ein möglichst normales Konzertgefühl unter ungewöhnlichen Bedingungen herzustellen. Bei Schiller war das anders.

Hier musste niemand vergessen, dass er im Auto saß.

Der begrenzte Raum im Fahrzeug, die Dunkelheit draußen und der Sound aus dem Radio passten sogar zu dieser Musik. Statt eines Kompromisses entstand dadurch eine eigene Atmosphäre.

Auch die Dimension des Abends blieb überschaubar. Zeitgenössische Berichte sprechen von rund 400 Fahrzeugen auf dem Gelände. Gerade deshalb wirkte die weitläufige Lichtproduktion stellenweise fast größer als das Publikum selbst. 

„Ruhe“ kommt noch einmal zurück

Nach rund zwei Stunden war der Abend eigentlich beendet. Der Applaus und die Reaktionen aus den Fahrzeugen sorgten jedoch dafür, dass Schiller noch einmal zurückkam.

Als Zugabe erklang erneut „Ruhe“

Kein lauter Abschluss, kein großes Finale mit Feuerwerk. Stattdessen noch einmal genau jene Mischung, die den gesamten Abend geprägt hatte: elektronische Musik, Licht, Bilder und viel Raum dazwischen.

Der Parkplatz blieb ein Parkplatz. Für ein paar Stunden sah er nur überhaupt nicht danach aus.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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