Frankfurt, 27. Juni 2026. Ein Datum, das sich tief in die kollektive Erinnerung von rund 40.000 Punkrock-Fans einbrennen wird – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Thermometer im Frankfurter Waldstadion kletterte an diesem Samstagabend auf unbarmherzige 41 Grad Celsius. Ein historischer Rekord für die Mainmetropole und die extremste denkbare Kulisse für ein Großereignis dieser Tragweite: Die Toten Hosen spielten im Rahmen ihrer großen Abschiedstournee ihr allerletztes Konzert auf hessischem Boden. Es wurde eine beispiellose Hitzeschlacht, ein emotionaler Kraftakt und ein Abschied, der an Intensität kaum zu überbieten war.
Vollgas bis zur Erschöpfung: Das Vorprogramm
Noch bevor die Düsseldorfer Legenden die Bühne betraten, wurde dem Publikum bereits alles abverlangt. Mit Leftovers und Feine Sahne Fischfilet standen zwei Support-Acts auf dem Programm, die das Wort „Zurückhaltung“ aus ihrem Vokabular gestrichen haben. Die energiegeladenen Vorbands peitschten die Menge unerbittlich an. Der Schweiß floss im Stadionraum in Strömen, die physische Anstrengung stand vielen ins knallrote Gesicht geschrieben, doch die Massen gaben Vollgas bis zur völligen Erschöpfung. „Wasser marsch“ hieß es ununterbrochen im Innenraum, um drohende Kreislaufkollapse zu verhindern, während Monchi und seine Crew von Feine Sahne Fischfilet das Stadion auf absolute Betriebstemperatur brachten.
Ein furioser Auftakt in der Frankfurter Sauna
Um kurz vor neun Uhr erlosch schließlich das Licht. Das ohrenbetäubende Brüllen von 40.000 Kehlen übertönte jedes Rauschen, als Campino, Andi, Breiti, Kuddel und Vom die Bühne stürmten. Keine Gnade, keine Atempause: Mit „Opel-Gang“ eröffneten sie ein Set, das wie ein musikalischer Befreiungsschlag wirkte. Passend zum emotionalen Rahmen der Abschiedstour folgte direkt „Die Show muss weitergehen“ und das trotzige „Wir waren nie weg“. Es war ein klares Versprechen an die Fans: Wir geben heute alles, egal wie mörderisch die Hitze ist. Bei „Auswärtsspiel“ und „Du lebst nur einmal (vorher)“ bebte das Betonfundament des Stadions.
Gänsehaut, Moshpits und pure Nostalgie
Frontmann Campino, gewohnt rastlos, rannte über die Bühne, als gäbe es keine 41 Grad. Die gewaltige Setlist bot jedoch nicht nur Vollgas-Punk, sondern auch Raum für die großen, schweren Gefühle. „Laune der Natur“, das wehmütige „Altes Fieber“ und das unverwüstliche „Liebeslied“ sorgten für kollektive Gänsehaut unter den schwitzenden Körpern. Bei „Nur zu Besuch“ hielten Tausende inne, ein gewaltiges Lichtermeer aus Handys erhellte das Waldstadion – ein Moment der stillen Melancholie inmitten des dröhnenden Lärms. Danach wurde das Tempo wieder rücksichtslos angezogen: „Steh auf, wenn du am Boden bist“, „Bonnie & Clyde“ und das unsterbliche „Wort zum Sonntag“ ließen den Moshpit regelrecht explodieren. Mit „Hier kommt Alex“ endete der reguläre Teil des Abends in einer Detonation aus Gitarren und gewaltigen Chören.
Drei Zugaben für die Ewigkeit
Wer dachte, die Kraftreserven im Stadion seien aufgebraucht, wurde eines Besseren belehrt. Im ersten Zugabenblock gab es eine faustdicke Überraschung: Rapper Marteria stand plötzlich auf der Bühne, um gemeinsam mit der Band „Welt der Wunder“ zu performen. Ein sensationeller Crossover-Moment, der die letzten Reserven mobilisierte. Danach folgte mit „Eisgekühlter Bommerlunder“ eine ersehnte – wenn auch nur akustische – Abkühlung, bevor „Tage wie diese“ das weite Rund in einen einzigen riesigen Chor verwandelte.
In der zweiten Zugabe verneigten sich die Hosen mit einem furiosen Cover von „Schrei nach Liebe“ vor ihren alten Rivalen und Freunden, den Ärzten. Das lautstark mitgebrüllte „Schönen Gruß, auf Wiederseh’n“ klang an diesem Abend endgültiger und schmerzhafter als je zuvor.
Dann die allerletzte Zugabe. Die Luft war längst zum Schneiden dick. Mit „Freunde“ bedankten sich die Hosen für Jahrzehnte der Treue. Nach „Trink aus“ ertönten die ersten, ruhigen Akkorde von „You’ll never walk alone“. 40.000 Menschen lagen sich in den Armen, heiser, völlig erschöpft und mit Tränen in den Augen. Die Toten Hosen verlassen Hessen – für immer. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine gewaltige Hitzeschlacht und eine Band, die bis zum allerletzten Akkord brannte.
Die Setlist des Abends (27.06.2026)
- Opel-Gang
- Die Show muss weitergehen
- Wir waren nie weg
- Auswärtsspiel
- Du lebst nur einmal (vorher)
- Laune der Natur
- Madelaine (aus Lüdenscheid)
- Schicksal
- Altes Fieber
- Schlechte Nachbarn
- Wannsee
- Liebeslied
- Was ist mit uns los?
- Alle sagen das
- Nur zu Besuch
- Steh auf, wenn du am Boden bist
- Bonnie & Clyde
- Wort zum Sonntag
- Was früher einmal war
- Alles aus Liebe
- Pushed Again
- Wünsch dir was
- Hier kommt Alex
Zugabe 1:
- Welt der Wunder (mit Marteria)
- Eisgekühlter Bommerlunder
- Tage wie diese
Zugabe 2:
- Düsseldorf
- Schrei nach Liebe (Ärzte-Cover)
- Schönen Gruß, auf Wiederseh’n
Zugabe 3:
- Freunde
- Trink aus
- You’ll never walk alone (Rodgers & Hammerstein Cover)
Text & Fotos by Jan Heesch
The Leftovers
Feine Sahne Fischfilet
Die Toten Hosen



















































































