
Alvaro Soler in Mannheim: Sommerfeeling trotz Regen
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Alvaro Soler in Mannheim, spanische Rhythmen und ein Publikum, das unbedingt wieder tanzen wollte. Nur der Himmel über dem MVV-Reitstadion hatte am 27. August 2021 offenbar andere Pläne. Am dritten Abend des 5. Zeltfestivals Rhein-Neckar wurde es nass. Ziemlich nass sogar. Der Stimmung tat das erstaunlich wenig.
Das Festival war wegen der Pandemie aus dem gewohnten Palastzelt ins Reitstadion auf dem Maimarktgelände ausgewichen. Feste Plätze, Abstand, Open Air. An diesem Freitagabend brauchte es zusätzlich Regencapes und Schirme. Offiziell war Alvaro Soler für den 27. August angesetzt, als Support stand MYLE auf der Bühne.
Und irgendwann spielte das Wetter einfach keine große Rolle mehr.
MYLE eröffnet einen ziemlich nassen Sommerabend
Schon vor dem Hauptact ziehen dunkle Wolken über Mannheim. Noch bevor MYLE gegen 19.15 Uhr auf die Bühne kommt, setzt der erste Regen ein. Ausgerechnet an einem Abend, der musikalisch nach Sonne, Urlaub und offenen Autofenstern klingen soll.
MYLE lässt sich davon nicht beeindrucken. Für den jungen Musiker ist dieser Auftritt etwas Besonderes: Es ist sein erster Auftritt vor einem Live-Publikum. Keine schlechte Feuertaufe. Oder besser gesagt: Regentaufe. Das Mannheimer Publikum nimmt ihn freundlich auf und gibt ihm trotz des Wetters die Aufmerksamkeit, die ein Support bei einem solchen Abend nicht immer bekommt.
Noch sind viele Plätze besetzt, Jacken werden enger gezogen und die ersten Schirme geöffnet. Doch man merkt schnell: Nach der langen konzertarmen Zeit wird hier heute niemand wegen ein paar Tropfen nach Hause fahren.
Als Alvaro Soler kommt, hält es kaum jemanden still
Gegen 20.15 Uhr ist es soweit. Alvaro Soler kommt mit seiner Band auf die Bühne und schaltet das Reitstadion innerhalb weniger Minuten auf Sommer.
Vor der Bühne darf 2021 nicht einfach alles durcheinanderlaufen. Also wird eben am eigenen Platz getanzt. Rechts, links, ein paar Schritte nach vorne und wieder zurück. Hauptsache Bewegung. Über den Köpfen wippen Schirme im Takt.
Soler hat diese Songs, bei denen der Refrain oft schon sitzt, bevor man bewusst darüber nachdenkt. „La Cintura“ ist so einer. Sobald der Rhythmus einsetzt, geht ein Ruck durch die Reihen. Stimmen werden lauter, Arme gehen hoch. Plötzlich sieht das bestuhlte Reitstadion deutlich weniger nach Sitzkonzert aus.
Das ist die eigentliche Stärke dieses Abends. Niemand tut so, als wären die Bedingungen normal. Aber für zwei Stunden fühlt es sich trotzdem fast so an.
Magia trifft in Mannheim auf die großen Hits
Alvaro Soler war nicht mit leerem Gepäck nach Mannheim gekommen. Erst wenige Wochen zuvor, am 9. Juli 2021, war sein drittes Studioalbum „Magia“ erschienen. Das Album erreichte die Top 3 der deutschen Charts und war zu diesem Zeitpunkt sein höchster Album-Einstieg in Deutschland.
Der Titelsong passt an diesem Abend wie bestellt.
„Magia“ verbindet genau das, wofür Soler seit seinem Durchbruch steht: federnde Rhythmen, große Popmelodien und diese Wärme, die selbst dann funktioniert, wenn über Mannheim graue Wolken hängen.
Dazwischen wird es ruhiger. Bei „Alma de Luz“ kippt die Stimmung für einen Moment. Weniger Party, mehr Zuhören. Und ausgerechnet während dieser Ballade öffnet der Himmel noch einmal die Schleusen. Regen fällt ins Bühnenlicht, Schirme springen auf. Statt den Moment kaputtzumachen, verstärkt das Wetter ihn.
Soler bleibt mittendrin. Lacht. Singt weiter.
Das Publikum auch.
Zwischen La Cintura und Sofia ist der Regen vergessen
Alvaro Soler hatte 2020 bewusst eine Pause eingelegt. Weniger Reisen, weniger Tourstress, mehr Zeit für neue Songs. Dann kam die Pandemie und machte aus der geplanten Auszeit etwas völlig anderes. Mit „Magia“ kehrte er 2021 musikalisch zurück, und gerade live bekommen diese Songs eine zusätzliche Bedeutung.
Denn hier stehen wieder Menschen vor ihm.
Bei „La Cintura“ wird getanzt, bei den ruhigeren Nummern gehen die Bewegungen zurück, dann baut die Band den nächsten Refrain auf. Soler wirkt dabei ständig in Kontakt mit seinem Publikum. Keine Distanzshow. Immer wieder sucht er die Reaktion aus den Reihen und bekommt sie sofort zurück.
Gegen 21.30 Uhr nähert sich das Konzert seinem Ende. Natürlich lässt Mannheim ihn nicht einfach gehen. Für die Zugabe kommt die Band noch einmal zurück.
Und dann fällt „Sofia“.
Der Song, der 2016 endgültig dafür sorgte, dass Alvaro Soler aus europäischen Radios kaum noch wegzudenken war, funktioniert auch fünf Jahre später auf den ersten Taktschlag. Jetzt singt das Reitstadion geschlossen mit.
Die Haare sind bei einigen längst nass. Auf den Sitzen liegen Regenjacken, überall stehen Schirme herum. Egal. Für diesen Moment ist Sommer in Mannheim.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures












