dead prez in Mannheim am 3. Februar 2014 live auf der Bühne der Alten Seilerei

dead prez in Mannheim: Politischer Hip-Hop ohne Sicherheitsabstand

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dead prez kamen am 3. Februar 2014 in die Alte Seilerei Mannheim und brachten ihre „Information Age“-Europatour in die Rhein-Neckar-Region. Für M-1 und stic.man war Mannheim erst die zweite Station dieser Tour. Einen Abend zuvor hatte das US-Hip-Hop-Duo in Wien gespielt, bereits am 4. Februar führte die Route weiter nach Berlin.

Große Distanz zwischen Künstlern und Publikum passte an diesem Abend ohnehin nicht. Die Alte Seilerei war kein Ort für einen aufgeblasenen Bühnenapparat oder Hochglanz-Rap mit riesiger Produktion. Hier zählten Beats, Stimmen, Haltung und die unmittelbare Präsenz der beiden Rapper. Genau dieser Rahmen machte das Konzert so passend für dead prez.

Politischer Hip-Hop in der Alten Seilerei Mannheim

dead prez hatten sich zu diesem Zeitpunkt längst einen eigenen Platz im amerikanischen Hip-Hop erarbeitet. Seit dem Debütalbum „Let’s Get Free“ aus dem Jahr 2000 standen M-1 und stic.man für politische Texte, gesellschaftliche Konflikte, Selbstbestimmung und einen Blick auf soziale Verhältnisse, der selten bequem ausfiel. Unterhaltung allein war nie ihr Geschäft.

In Mannheim funktionierte diese Haltung besonders gut, weil der Raum kaum Distanz zuließ. Die Musik traf direkter. Kein Spektakel lenkte von den Stimmen ab, keine überdimensionierte Produktion musste beweisen, wie groß dieser Abend sein sollte. Die Stärke lag in der Reduktion.

Und dead prez waren nie ein Act für beiläufiges Hören. Ihre Songs verlangen Aufmerksamkeit. Politische Botschaften, harte Beats und die unterschiedlichen Stimmen von M-1 und stic.man erzeugten eine Spannung, die in einem vergleichsweise kleinen Club wesentlich unmittelbarer wirkte als in einer anonymen Arena.

„Information Age“ zwischen neuen Sounds und alter Haltung

Im Mittelpunkt der Tour stand das damals aktuelle Album „Information Age“. Es war im Oktober 2012 zunächst digital erschienen, Anfang 2013 folgte eine erweiterte physische Veröffentlichung. Nach mehreren Jahren ohne reguläres Studioalbum präsentierten dead prez darauf einen Sound, der elektronischer und stellenweise deutlich futuristischer ausfiel, ohne dass das Duo seine politischen Themen aufgegeben hätte.

Das war durchaus ein Bruch. Wer dead prez vor allem mit der rauen Energie von „Let’s Get Free“ oder „RBG: Revolutionary but Gangsta“ verband, bekam nun elektronische Flächen, andere Produktionsansätze und einen moderneren Klang serviert. Gerade deshalb besitzt „Information Age“ innerhalb der Diskografie seinen eigenen Charakter.

Titel wie „No Way as the Way“, „Learning Growing Changing“, „Time Travel“ und „Politrikkks“ zeigen die Richtung des Albums. Politik, gesellschaftliche Strukturen, persönliche Verantwortung und Veränderung blieben zentrale Themen. Eine vollständig belegte Setlist des Mannheimer Konzerts ist heute allerdings nicht verfügbar. Einzelne Songs nachträglich als sicher gespielt auszugeben, wäre deshalb unseriös.

dead prez bleiben ihrer Linie treu

Spannend war 2014 vor allem der Gegensatz zwischen der langen Geschichte des Duos und diesem damals neuen musikalischen Kapitel. M-1 und stic.man mussten niemandem mehr erklären, wofür dead prez standen. Gleichzeitig weigerten sie sich, ausschließlich vom Klang und vom Ruf ihrer frühen Jahre zu leben.

Die „Information Age“-Phase wirkte dadurch stellenweise sperrig. Bewusst. Der Sound war moderner, elektronischer und gelegentlich fast futuristisch, während die Texte weiterhin jene politischen und sozialen Fragen aufgriffen, mit denen sich dead prez seit ihren Anfängen beschäftigten.

In der Alten Seilerei wurde daraus kein Nostalgieabend. dead prez kamen nicht nach Mannheim, um lediglich ihre Vergangenheit zu verwalten. Das aktuelle Material gehörte zu ihrer Gegenwart, und genau diese Gegenwart bestimmte die Tour.

Von Mannheim weiter durch Europa

Viel Zeit zum Durchatmen blieb nicht. Nach Wien und Mannheim folgten Berlin, München und Nürnberg, anschließend führte die Tour weiter durch mehrere europäische Länder. Anfang Februar 2014 wechselten die Städte nahezu täglich.

Mannheim war damit ein früher Halt auf einer eng getakteten Europareise. Für die Alte Seilerei bedeutete dieser Montagabend zugleich einen jener Termine, bei denen ein international etablierter Hip-Hop-Act in einem direkten, überschaubaren Rahmen zu erleben war.

Keine gigantische Show. Musste auch nicht sein.

Bei dead prez in Mannheim standen an diesem 3. Februar Beats, Texte und Haltung vorne. M-1 und stic.man brachten ihren politischen Hip-Hop in eine Venue, die dafür ziemlich genau die richtige Größe hatte: nah am Publikum, reduziert auf das Wesentliche und ohne unnötigen Zierrat.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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