Arch Enemy, In Flames und Soilwork live in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Arch Enemy, In Flames und Soilwork in Frankfurt: Schwedischer Metalsturm in der Jahrhunderthalle

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Am 19. Oktober 2024 trafen drei Schwergewichte des schwedischen Melodic Death Metal in der myticket Jahrhunderthalle Frankfurt aufeinander. Die ausverkaufte Station der „Rising From The North“-Tour brachte Soilwork als Special Guest sowie Arch Enemy und In Flames als Co-Headliner auf eine Bühne und machte aus dem Samstagabend eine kompakte Leistungsschau jener Szene, die Härte und Melodie seit Jahrzehnten miteinander verzahnt.

Das funktionierte ohne langes Vorgeplänkel. Drei Bands, drei deutlich erkennbare Charaktere. Soilwork setzten auf kontrollierte Wucht und große Melodiebögen, Arch Enemy schraubten die Aggressivität hoch, In Flames zogen zum Ende die Verbindungslinie zwischen Göteborger Vergangenheit und moderner Gegenwart.

Soilwork eröffnen den Abend ohne Anlaufzeit

Soilwork hatten keine einfache Aufgabe. Wer vor Arch Enemy und In Flames auftritt, bekommt ein Publikum vor die Nase, das ziemlich genau weiß, worauf es wartet. Björn „Speed“ Strid und seine Mitstreiter brauchten allerdings nur wenige Minuten, um die Rollenverteilung etwas durcheinanderzubringen.

„Stabbing The Drama“ stand gleich zu Beginn. Ein Statement. Danach folgten „Arrival“, „Exile“ und „Distortion Sleep“, wodurch Soilwork ihre melodische Seite nie gegen die nötige Schärfe eintauschten. Gerade darin liegt ihre Stärke: Gitarrenlinien dürfen groß werden, ohne dass der Song plötzlich weichgespült wirkt.

Mit „Övergivenheten“ wechselte die Band in jüngeres Material, „The Ride Majestic“ brachte noch einmal jene Mischung aus Melancholie und Druck, die Soilwork seit Jahren unverkennbar macht. Beim abschließenden „Stålfågel“ war die Jahrhunderthalle längst auf Betriebstemperatur. Die neun Stücke des Frankfurter Sets sind auch für den Abend dokumentiert.

Arch Enemy setzen Frankfurt unter Hochspannung

Dann wurde es ungemütlicher. Im besten Sinne.

Arch Enemy eröffneten mit „Deceiver, Deceiver“, und Alissa White-Gluz ließ vom ersten Growl an keinen Zweifel daran, wohin die nächsten Minuten führen würden. Die Band spielte nicht gegen die Größe der Jahrhunderthalle an. Sie nutzte sie. Michael Amotts Gitarrenarbeit blieb trotz des massiven Sounds erstaunlich klar, Daniel Erlandsson trieb die Songs mit jener Präzision voran, bei der selbst die härtesten Passagen fast chirurgisch wirken.

„The World Is Yours“ und „House Of Mirrors“ kamen früh, anschließend folgten „My Apocalypse“ und „Dream Stealer“. Besonders interessant war die Einbindung des damals frischen Materials: „Dream Stealer“ und „Liars & Thieves“ standen neben Songs, die längst fest zum Arch-Enemy-Kanon gehören. Die Frankfurter Setlist ist mit insgesamt 14 live gespielten Songs plus Intro und Outro dokumentiert.

Bei „War Eternal“ gingen die Fäuste nach oben. „The Eagle Flies Alone“ funktionierte wie geschaffen für eine volle Halle, bevor „No Gods, No Masters“ den letzten Abschnitt einleitete. Und natürlich wartete da noch „Nemesis“. Kaum ein Arch-Enemy-Konzert kommt ohne diesen Song wirklich zu seinem Punkt. „Fields Of Desolation“ setzte danach den instrumentalen Schlusspunkt. Keine unnötige Verlängerung. Treffer, Ende.

In Flames verbinden alte Schule mit der Gegenwart

In Flames mussten danach nichts mehr beweisen. Trotzdem spielten Anders Fridén und seine Band, als hätten sie genau das vor.

Mit „Cloud Connected“ stand unmittelbar ein Song am Anfang, bei dem die ersten Sekunden genügten. Die Reaktion kam sofort. „Take This Life“ setzte nach, „Deliver Us“ öffnete den Sound etwas weiter. Und dann zeigte sich, warum In Flames bei diesem Line-up den vielleicht breitesten musikalischen Spielraum besaßen.

„Food For The Gods“ und „Coerced Coexistence“ führten weit zurück in die Bandgeschichte, „Trigger“ und vor allem „Only For The Weak“ gehörten zu jenen Momenten, bei denen die Grenze zwischen Bühne und Publikum praktisch verschwand. Stimmen überall. Arme oben. Die Jahrhunderthalle sang mit.

Mit „Meet Your Maker“ und „State Of Slow Decay“ standen daneben Stücke einer deutlich jüngeren In-Flames-Phase. Der Bruch wirkte live weniger groß, als die verschiedenen Produktionsästhetiken der Alben vermuten lassen. Genau hier lag eine Stärke dieses Sets: In Flames versuchten nicht, 30 Jahre Bandgeschichte künstlich glattzuziehen. Die Unterschiede durften hörbar bleiben.

„Alias“, „The Mirror’s Truth“ und „I Am Above“ führten schließlich zum letzten großen Ausbruch. „My Sweet Shadow“ beendete einen Abend, der sich nicht auf Nostalgie verlassen musste.

Setlist von Soilwork, Arch Enemy und In Flames in Frankfurt

Soilwork: Stabbing The Drama, Arrival, Exile, Distortion Sleep, Spirit Of No Return, Övergivenheten, Death Diviner, The Ride Majestic, Stålfågel.

Arch Enemy: Deceiver, Deceiver; The World Is Yours; House Of Mirrors; My Apocalypse; Dream Stealer; War Eternal; Liars & Thieves; The Eagle Flies Alone; First Day In Hell; As The Pages Burn; Sunset Over The Empire; No Gods, No Masters; Nemesis; Fields Of Desolation.

In Flames: Cloud Connected, Take This Life, Deliver Us, Paralyzed, In The Dark, Voices, Food For The Gods, Coerced Coexistence, Trigger, Only For The Weak, Meet Your Maker, State Of Slow Decay, Alias, The Mirror’s Truth, I Am Above, My Sweet Shadow.

Die „Rising From The North“-Tour lebte in Frankfurt gerade von diesen Unterschieden. Soilwork arbeiteten präzise zwischen Melodie und Härte, Arch Enemy gingen frontal auf Angriff, In Flames öffneten am Ende das komplette Archiv. Drei schwedische Bands, die aus ähnlichen musikalischen Wurzeln gewachsen sind und inzwischen völlig unterschiedlich damit umgehen. Am 19. Oktober passte das ziemlich gut unter ein Dach.

Text & Foto © by Jan Heesch

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