
Frank Turner & The Sleeping Souls bringen den Kulturpark Wiesbaden zum Kochen
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Ein Indie- und Punkrock-Open-Air mitten im Kulturpark am Schlachthof Wiesbaden? Funktioniert. Und zwar ziemlich gut. Am 20. Juli 2019 machte Frank Turner & The Sleeping Souls aus dem Gelände hinter dem Schlachthof einen großen sommerlichen Treffpunkt für Punkrock, Folk und Singer-Songwriter-Sound.
Frank Turner kannte Wiesbaden zu diesem Zeitpunkt bestens. Seit Jahren spielte der Brite regelmäßig im Schlachthof und hatte dort bereits ausverkaufte Konzerte gefeiert. Für diesen Sommerabend durfte es deshalb eine Nummer größer sein: raus aus der Halle, rauf auf die Open-Air-Bühne. Der Termin war Teil der damals noch jungen Reihe „Open Air im Kulturpark Schlachthof“.
Und Turner kam nicht allein.
Fünf Acts für einen langen Punkrock-Sommertag
Bereits ab dem späten Nachmittag wurde gespielt. Neben Frank Turner & The Sleeping Souls standen Muff Potter, Schmutzki, Elfmorgen und Tim Vantol auf dem Programm. Offiziell begann das Open Air um 17:30 Uhr, Einlass war bereits um 16 Uhr.
Eine ziemlich passende Zusammenstellung.
Tim Vantol übernahm solo den Singer-Songwriter-Part des Tages. Nur Stimme, Gitarre und Songs, die ziemlich schnell funktionieren, wenn Menschen bereit sind mitzusingen. Danach durfte es Stück für Stück lauter werden.
Elfmorgen brachten Deutschpunk nach Wiesbaden, bevor Schmutzki mit ihrem schnörkellosen Punkrock das Tempo noch einmal anzogen. Bei den Stuttgartern standen unter anderem „Sturmfrei“, „Beste Bar der Stadt“, „Rodeo“, „Krass gut“ und „Punk ist tot“ auf dem Programm.
Der Kulturpark war damit längst auf Betriebstemperatur.
Muff Potter sind wieder da
Besonders gespannt durfte man an diesem Abend auf Muff Potter sein. Die Band hatte sich nach ihrer Auflösung 2009 wieder zusammengefunden und mit der angekündigten Reunion offenbar einen Nerv getroffen.
Wie groß das Interesse war, hatte Wiesbaden schon wenige Monate zuvor erlebt. Das Reunion-Konzert von Muff Potter im Schlachthof war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Beim Open Air standen Nagel und seine Mitstreiter nun erneut auf einer Wiesbadener Bühne. Laut einem damaligen Konzertbericht war es bereits der 14. Auftritt der Band im Umfeld des Schlachthofs.
Vor der Bühne wurde getanzt und gepogt, alte Texte saßen noch erstaunlich sicher. Genau solche Bands funktionieren an einem Sommerabend unter freiem Himmel besonders gut. Keine komplizierte Inszenierung. Gitarren an, Verstärker laut, los.
Doch der Headliner fehlte noch.
Frank Turner übernimmt den Kulturpark
Als Frank Turner & The Sleeping Souls schließlich loslegten, rückte das Publikum merklich dichter an die Bühne.
Schon mit dem Opener „Get Better“ war klar, für wen viele Besucher an diesem Tag gekommen waren. Plötzlich entstanden die Moshpits, die Stimmen wurden lauter und aus einem entspannten Open-Air-Nachmittag wurde endgültig ein Frank-Turner-Konzert.
Und das bedeutet Bewegung.
Turner ist kein Musiker, der seine Songs einfach herunterspielt. Er spricht mit seinem Publikum, fordert es heraus, erzählt Geschichten und schafft dabei diese eigenartige Nähe, die selbst auf einer größeren Open-Air-Fläche noch funktioniert.
Der Brite wirkte dabei gewohnt unkompliziert. Kein Rockstar-Gehabe. Lieber ein paar Worte mit den Leuten vor der Bühne und anschließend der nächste Song.
17 Songs zwischen Punkrock und großen Refrains
Das Set umfasste an diesem Abend 17 Songs und ließ neben den schnellen Punkrock-Nummern auch Platz für ruhigere Momente. Die wurden allerdings so geschickt zwischen die energischeren Stücke gesetzt, dass die Show kaum an Fahrt verlor.
Frank Turner beherrscht diese Mischung seit Jahren.
Seine Musik bewegt sich irgendwo zwischen Punk, Folk, Rock und klassischem Singer-Songwriter-Handwerk. Entscheidend sind aber ohnehin die Refrains. Sobald ein paar hundert oder ein paar tausend Menschen gemeinsam Turners Texte singen, verschwimmen diese Genregrenzen ziemlich schnell.
Interessant war dabei, was Turner nicht spielte.
Nur wenige Wochen später, am 16. August 2019, sollte sein achtes Studioalbum „No Man’s Land“ erscheinen. Beim Wiesbadener Open Air verzichtete er jedoch darauf, daraus neue Songs ins Set zu drücken. Statt einer Werbeveranstaltung für die kommende Platte bekamen die Besucher einen Konzertabend, der ganz auf das gemeinsame Live-Erlebnis setzte.
Das war die richtige Entscheidung.
Ein anderer Frank-Turner-Abend in Wiesbaden
Ganz neu war die Verbindung zwischen Turner und dem Schlachthof natürlich nicht. Genau deshalb hatte dieses Konzert seinen Reiz.
Normalerweise erlebt man Frank Turner in Wiesbaden mit verschwitzten Wänden, dicht gedrängtem Publikum und Clubatmosphäre. Diesmal lag über allem ein Sommerhimmel. Mehr Platz. Mehr Festivalgefühl.
Seine Energie verlor Turner dadurch nicht.
Das Publikum sang, sprang und feierte, während Turner und seine Sleeping Souls rund 70 Minuten lang Folk-Punk und Rock über das Gelände schickten.
Und am Ende bewies dieser 20. Juli etwas, das die regelmäßigen Besucher seiner Wiesbadener Konzerte vermutlich längst wussten: Frank Turner braucht keinen bestimmten Raum, damit seine Musik funktioniert.
Eine Bühne reicht.
Ein Publikum auch.
Text & Foto © Jan Heesch














