Archive bei ihrem Konzert zum 25-jährigen Bandjubiläum auf der Bühne des Capitol Mannheim

Archive im Capitol Mannheim: 25 Jahre zwischen Trip-Hop, Rock und großen Klangwelten

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Ein gewöhnliches Rockkonzert war bei Archive eigentlich noch nie zu erwarten. Dafür bewegt sich das Londoner Kollektiv seit seiner Gründung viel zu selbstverständlich zwischen Trip-Hop, Progressive Rock, Elektronik und Alternative. Auf ihrer Deutschlandtour machten Archive Station im Capitol Mannheim und nahmen ihr Publikum mit auf eine Reise durch 25 Jahre Bandgeschichte.

Mal fast zerbrechlich. Dann wieder mit ordentlich Druck.

Gerade diese Gegensätze prägen Archive bis heute und sorgten auch in Mannheim dafür, dass der Abend nicht nach einem klassischen Best-of-Programm klang.

Archive feiern 25 Jahre musikalische Grenzgänge

Seit 1994 arbeiten die beiden Masterminds Darius Keeler und Danny Griffiths gemeinsam an Archive. Was zunächst stark von elektronischer Musik und Trip-Hop geprägt war, entwickelte sich über die Jahre zu einem Sound, der sich kaum noch sauber einer einzigen Stilrichtung zuordnen lässt.

Das ist auch gut so.

Zwölf Studioalben waren bis zu dieser Tour entstanden. Dabei blieb zwar eine typische Archive-Handschrift erkennbar, trotzdem klangen die einzelnen Veröffentlichungen teilweise erstaunlich unterschiedlich.

Elektronische Flächen treffen auf Gitarren. Ruhige Passagen wachsen langsam zu mächtigen Klangwänden heran, während sich an anderer Stelle Beats und Stimmen beinahe hypnotisch ineinanderschieben.

Live bekommt diese Musik noch einmal eine andere Dimension.

Das Capitol wird Teil des Archive-Universums

Archive sind keine Band, bei der ausschließlich der nächste große Refrain zählt. Viele Stücke entwickeln sich langsam, bauen Spannung auf und lassen sich dafür ordentlich Zeit.

Im Capitol Mannheim funktionierte das hervorragend.

Die besondere Atmosphäre des Hauses passte zu den ausladenden Arrangements. Archive spielten mit Dynamik und Lautstärke, wechselten zwischen zurückgenommenen Momenten und Passagen, die den Raum regelrecht ausfüllten.

Dabei steht bei diesem Kollektiv ohnehin selten eine einzelne Person permanent im Mittelpunkt. Unterschiedliche Stimmen und musikalische Charaktere gehören seit Jahren zum Konzept von Archive.

Das macht die Sache spannend.

Statt der üblichen Aufteilung in Frontmann und Begleitband entsteht auf der Bühne ein Zusammenspiel, bei dem sich die Gewichtung immer wieder verschiebt. Mal trägt der Gesang einen Song, dann übernehmen elektronische Sounds, Bass oder Gitarren.

„25“ blickt zurück, ohne in Nostalgie stecken zu bleiben

Passend zum Jubiläum veröffentlichten Archive die umfangreiche Kompilation „25“. Sie vereint 43 Tracks aus unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte und enthält auch neues Material.

Darunter befindet sich „Remains of Nothing“, eine Zusammenarbeit mit Band of Skulls.

Allein der Umfang der Jubiläumsedition zeigt, wie schwer sich 25 Jahre Archive auf ein paar bekannte Songs reduzieren lassen. Die Band hat ihren Sound immer wieder verändert, erweitert und gelegentlich ziemlich gründlich auseinandergenommen.

Stillstand passt hier nicht.

Gerade deshalb wirkte die Jubiläumstour weniger wie ein nostalgischer Rückblick als vielmehr wie eine Bestandsaufnahme: Das alles war Archive. Und das alles kann Archive noch immer sein.

Zwischen leisen Momenten und mächtigen Soundwänden

Die eigentliche Stärke zeigte sich auch in Mannheim dort, wo Archive ihre Songs wachsen ließen.

Einzelne Passagen begannen beinahe unscheinbar. Wenige Töne, eine Stimme, elektronische Flächen. Dann kamen weitere Elemente hinzu, das Schlagzeug setzte Akzente und plötzlich stand diese massive Archive-Klangwand im Raum.

Genau davon lebt ihre Musik.

Andere Bands würden vielleicht nach drei Minuten zum nächsten Song springen. Archive lassen eine Idee laufen, verändern sie und treiben sie weiter, bis aus einem zunächst ruhigen Motiv etwas völlig anderes geworden ist.

Das Publikum ging diesen Weg mit.

Es gab Momente, in denen im Capitol konzentriert zugehört wurde, bevor sich die aufgestaute Spannung wieder in kräftigem Applaus entlud. Keine Dauerparty. Musste es auch nicht sein.

Visuals gehören bei Archive zur Musik

Auch die visuelle Ebene war für Archive schon immer mehr als hübsche Dekoration.

Über die Jahre entwickelte die Band aufwendige Visuals und filmische Elemente, die eng mit ihrer Musik verbunden wurden. Für das Projekt „Axiom“ ging das Kollektiv sogar noch weiter und verband Album und Film miteinander.

Dieser Anspruch passt zu einer Band, die ihre Stücke nicht einfach nur runterspielt.

Archive erschaffen Atmosphäre.

Das mag stellenweise düster und sperrig sein, im nächsten Moment aber überraschend emotional oder beinahe euphorisch werden. Wer sich darauf einlässt, bekommt eben keinen sauber sortierten Genre-Abend.

25 Jahre Archive passen in keine Schublade

Nach einem Vierteljahrhundert hätten Darius Keeler und Danny Griffiths allen Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen und einfach die bekannten Stücke abzuspulen.

Machen sie aber nicht.

Archive funktionieren weiterhin deshalb, weil Veränderung fest zu ihrer musikalischen DNA gehört. Elektronik, Trip-Hop, Progressive Rock und Alternative stehen nebeneinander, vermischen sich und verschwinden manchmal minutenlang wieder.

Im Capitol Mannheim wurde daraus ein intensiver Konzertabend, der Vergangenheit und Gegenwart zusammenbrachte, ohne daraus eine reine Jubiläumsshow zu machen.

25 Jahre Archive. Und noch immer angenehm schwer einzuordnen.

Text & Foto © by Boris Korpak | bokopictures
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