BigCityBeats WORLD CLUB DOME Las Vegas Drive-In vor den Maimarkthallen Mannheim 2020

BigCityBeats in Mannheim: Clubnacht auf vier Rädern

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Samstagabend, 6. Juni 2020, auf dem Vorplatz der Maimarkthallen Mannheim. Dort, wo normalerweise Autos einfach nur abgestellt werden, standen an diesem Abend annähernd 1.000 Fahrzeuge vor einer riesigen Bühne. Fast 3.000 Menschen waren gekommen, um gemeinsam elektronische Musik zu feiern. Nur eben jeder in seinem eigenen kleinen Club auf vier Rädern. Die ausverkaufte BigCityBeats WORLD CLUB DOME Las Vegas Drive-In Show gehörte zu den ungewöhnlichsten Veranstaltungen dieses Corona-Sommers.

Für BigCityBeats in Mannheim wurde entsprechend groß aufgefahren. Pyrotechnik, Flammensäulen, CO₂-Effekte, Laser, eine rund 300 Quadratmeter große LED-Wand und Artisten verwandelten den Parkplatz in eine Mischung aus Festivalgelände, Autokino und Las-Vegas-Show.

Dass die Besucher dabei hinter Windschutzscheiben saßen, geriet erstaunlich schnell zur Nebensache.

Gestört aber GeiL bringen den Parkplatz in Bewegung

Eine klassische Tanzfläche gab es nicht. Bewegung dafür reichlich.

Autos blinkten im Takt, Scheinwerfer gingen an und aus, aus geöffneten Fenstern kamen Hände und überall auf dem Gelände war zu sehen, dass die Menschen nach den Wochen ohne Clubs und Festivals richtig Lust auf Musik hatten.

Gestört aber GeiL gehörten zu den ersten großen Namen des Abends. Ihre Mischung aus melodischer elektronischer Musik und bekannten Vocals funktionierte auch unter diesen merkwürdigen Bedingungen. Wo normalerweise Tausende direkt vor dem DJ-Pult stehen, saßen die Fans diesmal im Fahrer- oder Beifahrersitz.

Das sah manchmal ziemlich kurios aus.

Die Stimmung darunter litt kaum.

Nach einem Drop blitzte plötzlich ein ganzer Parkplatz auf. Lichthupe war 2020 eben Applaus.

Le Shuuk macht aus dem Drive-In einen Club

Mit Le Shuuk wurde der Sound anschließend härter und direkter. Der langjährige BigCityBeats-Resident gehört zu jenen DJs, die eine große Bühne nicht nur über die Musik bedienen. Bewegung, Gestik und die Kommunikation mit dem Publikum gehören bei ihm fest dazu.

Nur musste er seine Reaktionen diesmal aus mehreren hundert Autos herauslesen.

Das funktionierte besser als erwartet. Wenn die Menge auf einem Festival springt, sieht ein DJ sofort, was passiert. In Mannheim antworteten Scheinwerfer, Warnblinker und Hupen.

Dazu kam die Produktion. Feuer schoss neben der Bühne hoch, Laser zogen über die Fahrzeuge und auf der großen LED-Wand wechselten Visuals im Takt. BigCityBeats hatte die Show bewusst als Las Vegas Drive-In angelegt, als Ersatzprogramm für das ursprünglich an diesem Wochenende geplante WORLD CLUB DOME Las Vegas Edition Festival in Frankfurt.

Ein kleiner Ersatzabend war daraus definitiv nicht geworden.

Da Tweekaz verwandeln Mannheim in die Zombie Stage

Spätestens mit Da Tweekaz änderte sich die musikalische Temperatur noch einmal deutlich.

Das norwegische Hardstyle-Duo übernahm den späteren Teil des Abends und machte aus der Mainstage die sogenannte Zombie Stage, angelehnt an die härtere Open-Air-Area des WORLD CLUB DOME.

Jetzt wurde es schneller. Härter. Und vor allem lauter.

Hardstyle im Auto hat dabei einen ganz eigenen Reiz. Man hört die Musik nicht nur über Lautsprecher, sondern sitzt buchstäblich in einem Resonanzkörper. Dazu Flammen auf der Bühne, Licht über dem gesamten Gelände und Fahrzeuge, die bei jedem neuen Höhepunkt wieder aufblinken.

Ein normaler Festivalfloor war das natürlich nicht.

Aber wer an diesem Abend einfach still im Auto saß, musste schon einen bemerkenswert starken Willen haben.

Grüße von Steve Aoki, Timmy Trumpet und sogar aus dem All

BigCityBeats beschränkte sich nicht auf die DJs, die tatsächlich in Mannheim standen. Über die große LED-Fläche meldete sich unter anderem Steve Aoki aus Las Vegas. Timmy Trumpet schickte einen musikalischen Gruß aus Australien, Dimitri Vegas meldete sich aus Belgien. Selbst ESA-Astronaut und ehemaliger ISS-Kommandant Luca Parmitano war Teil der digitalen Grüße.

Dazwischen liefen Artisten über das Gelände, Magier und Stelzenläufer gehörten zur Show, und immer wieder schob sich die Las-Vegas-Optik in den Vordergrund.

Das hätte schnell zu viel werden können.

An diesem Abend passte es aber zur Situation. Nach Wochen, in denen Veranstaltungen praktisch komplett aus dem Kalender verschwunden waren, durfte es ruhig etwas größer sein.

Fast 3.000 Menschen feiern wieder gemeinsam Musik

Das eigentlich Bemerkenswerte waren am Ende nicht einmal die Flammen oder die große LED-Wand.

Es waren die Menschen in den Autos.

Fast 3.000 Besucher feierten über mehrere Stunden gemeinsam auf dem Gelände, verteilt auf annähernd 1.000 Fahrzeuge. BigCityBeats hatte zuvor bereits mehrere Drive-In-Shows organisiert; die Mannheimer Ausgabe bildete den großen Abschluss dieser Veranstaltungsreihe. Insgesamt waren sieben Drive-In-Shows ausverkauft und hatten zusammen nahezu 10.000 Gäste erreicht.

Das zeigt ziemlich gut, wie groß der Hunger nach Live-Erlebnissen damals war.

Niemand hätte sich freiwillig ausgesucht, ein Festival hinter einer Windschutzscheibe zu verbringen. Aber an diesem Samstagabend wurde nicht ständig darüber gesprochen, was alles nicht möglich war.

Es wurde einfach gefeiert.

Mannheim bekommt für eine Nacht sein eigenes Las Vegas

Während der Show richtete BigCityBeats den Blick bereits auf die nächsten geplanten Veranstaltungen. Für die WORLD CLUB DOME Winter Edition waren damals der 8. bis 10. Januar 2021 in Düsseldorf vorgesehen; erste Informationen zu den Headlinern sollten rund um das Mannheimer Wochenende folgen.

Doch das war Zukunftsmusik.

Auf dem Vorplatz der Maimarkthallen zählte erst einmal dieser eine Samstagabend. Gestört aber GeiL, Le Shuuk und Da Tweekaz spielten, Feuer schoss in den Mannheimer Nachthimmel und ein kompletter Parkplatz antwortete mit Lichthupe.

Text & Foto © Boris Korpak & Ewelina Cender-Korpak

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