Söhne Mannheims live am 5. Juni 2020 in der CARantena Arena Worms

Söhne Mannheims in Worms: Live-Musik zwischen Bühne und Windschutzscheibe

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Ein Konzert der Söhne Mannheims und das Publikum bleibt im Auto sitzen. Im Juni 2020 war genau das eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt wieder gemeinsam Live-Musik zu erleben. Am 5. Juni 2020 machte die Band in der CARantena Arena Worms Station. Um 20 Uhr begann auf dem Festplatz ein Abend, der mit einem normalen Konzert wenig gemeinsam hatte und trotzdem erstaunlich schnell wieder nach Live-Musik fühlte.

Die Bühne stand vorne, die Fans saßen dahinter in ihren Fahrzeugen. Gehört wurde über das Autoradio, reagiert mit Lichthupe, Warnblinker und gelegentlich auch mit der Hupe. Das war ungewohnt. Manchmal auch ein bisschen skurril. Aber nach Wochen ohne Konzerte war es vor allem schön, wieder Musiker vor einem echten Publikum spielen zu sehen.

Wenn Applaus plötzlich aus Autoscheinwerfern kommt

Bei den ersten Songs musste man sich an dieses Bild erst einmal gewöhnen. Normalerweise stehen bei einem Konzert der Söhne Mannheims Menschen dicht nebeneinander, singen mit und reagieren unmittelbar auf die Band. In Worms lagen zwischen Bühne und Publikum Windschutzscheiben, Armaturenbretter und einige Meter Abstand.

Die CARantena Arena war genau für diese Situation entstanden. Seit Anfang Mai 2020 wurde der Wormser Festplatz für Kino, Comedy und Konzerte genutzt. Der Ton der Liveveranstaltungen wurde über UKW direkt in die Autoradios übertragen.

Und irgendwann entwickelte sich daraus eine eigene Form von Konzertkommunikation. Ein Song endet, plötzlich blinken überall Scheinwerfer auf. Die Band reagiert, das nächste Stück beginnt. Was anfangs etwas befremdlich wirkte, wurde im Laufe des Abends fast selbstverständlich.

Die Söhne Mannheims brauchen keinen einzigen Musikstil

Musikalisch passte die Band gut zu diesem ungewöhnlichen Format. Die Söhne Mannheims waren schon immer schwer auf eine Schublade festzulegen. Soul, Pop, Hip-Hop, Reggae und R&B liegen bei ihnen nah beieinander, manchmal innerhalb eines einzigen Songs. Genau mit dieser Mischung war der Wormser Auftritt auch angekündigt worden.

Dazu kommen die unterschiedlichen Stimmen und Charaktere innerhalb des Kollektivs. Statt eines klassischen Frontmanns lebt der Sound davon, dass Gesang, Rap und mehrstimmige Passagen ständig wechseln.

2020 befand sich die Band zudem mitten in einer personellen und musikalischen Neuorientierung. Xavier Naidoo gehörte nicht mehr zur Formation. Neue Sänger waren hinzugekommen, und die Söhne Mannheims begannen in dieser Besetzung wieder verstärkt neue Musik zu veröffentlichen. Nur wenige Wochen nach dem Wormser Konzert erschien beispielsweise die Single „Moral“.

Auf dem Festplatz war aber schnell klar, dass die eigene Geschichte trotzdem ihren Platz behielt.

Die bekannten Songs funktionieren auch durchs Autoradio

Bei „Geh davon aus“, „Und wenn ein Lied“ oder „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ braucht es keine dicht gedrängte Halle, damit sich Erinnerungen melden. Diese Songs begleiten die Band teilweise seit vielen Jahren und gehören zu jenen Nummern, bei denen viele schon nach wenigen Takten wissen, was kommt.

In Worms wurde eben im Auto mitgesungen.

Das sieht von außen vermutlich weniger spektakulär aus als eine volle erste Reihe. Wer selbst im Fahrzeug saß, bekam davon trotzdem genug mit. Menschen bewegten sich auf ihren Sitzen, Fenster gingen herunter, Handys wurden hochgehalten und spätestens nach den bekannteren Songs blinkte der halbe Festplatz.

Gerade „Und wenn ein Lied“ bekam in dieser Situation eine andere Wirkung. Eine ruhige Nummer vor einem Publikum zu spielen, das voneinander getrennt in Fahrzeugen sitzt, hätte schnell steril werden können. Stattdessen wurde es für ein paar Minuten sehr still auf dem Gelände.

Dann kamen wieder die Scheinwerfer.

Eine Band muss ihr Publikum plötzlich neu lesen lernen

Interessant war zu beobachten, wie sehr sich auch die Musiker auf diese neue Situation einstellen mussten. Normalerweise erkennt eine Band sofort, ob ein Song funktioniert. Hier waren die Reaktionen wesentlich indirekter.

Also wurde mehr gesprochen, auf Lichtsignale reagiert und versucht, die Menschen hinter den Scheiben einzubeziehen.

Die Söhne Mannheims sind dafür eigentlich gut ausgestattet. Viele ihrer Songs funktionieren über Stimmen und Dynamik und benötigen keine riesige Inszenierung. Trotzdem fehlte natürlich etwas. Eine Konzertbühne lebt davon, dass Energie in beide Richtungen fließt. 2020 musste dieser Weg eben über einige hundert Autoradios führen.

Es funktionierte besser, als man vorher hätte vermuten können.

Ein Konzert, das vor allem wegen seiner Umstände hängen bleibt

Die CARantena Arena war aus der Not entstanden. Niemand hätte sich Anfang des Jahres freiwillig gewünscht, seine Lieblingsband aus dem Auto sehen zu müssen. Aber im Juni 2020 waren diese Veranstaltungen eine der wenigen Möglichkeiten, Künstler und Publikum überhaupt wieder an einem Ort zusammenzubringen.

Der Auftritt der Söhne Mannheims in Worms zeigte ziemlich gut, was dieses Format leisten konnte. Es ersetzte kein richtiges Konzert. Das musste es auch nicht.

Es gab Musik von einer echten Bühne. Die Band stand wieder gemeinsam vor Menschen. Die Fans konnten mitsingen, auch wenn niemand neben ihnen stand. Und nach einem Song antworteten keine tausend klatschenden Hände, sondern ein ganzer Platz voller blinkender Autos.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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