
Chako Habekost in Mannheim: Pfälzer Comedy hinter der Windschutzscheibe
Beitrag teilen
Normalerweise merkt ein Comedian ziemlich genau, wann eine Pointe sitzt. Das Lachen kommt direkt zurück, manchmal laut, manchmal erst mit einer kleinen Verzögerung. Beim CARStival auf dem Mannheimer Maimarktgelände war das am 10. Juni 2020 etwas komplizierter. Chako Habekost stand auf der Bühne, sein Publikum dagegen hinter Windschutzscheiben. Der Mannheimer Auftritt mit dem eigens für diese Zeit entwickelten Programm „Mit Abstand de Beschde“ gehörte zum damaligen CARStival-Programm auf dem Maimarktgelände.
Und weil mehrere hundert Menschen schlecht gleichzeitig aus ihren Autos heraus applaudieren können, entwickelte sich schnell eine andere Sprache. Lichthupe. Warnblinker. Hupe. Manchmal bewegten sich sogar die Scheibenwischer. Ein ziemlich schräges Bild, aber eines, das im Frühsommer 2020 plötzlich vollkommen normal wirkte.
Für Chako Habekost in Mannheim war es außerdem eine Art Heimspiel. Der Comedian und selbsternannte „MundArtist“ wurde in Mannheim geboren und wuchs in der Kurpfalz auf, auch wenn er längst linksrheinisch in der Pfalz zuhause ist.
„Mit Abstand de Beschde“ passt ziemlich genau in diese Wochen
Corona, Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen, plötzlich leere Innenstädte und ein Alltag, in dem beinahe täglich etwas Neues erklärt wurde. Stoff gab es für Chako Habekost im Juni 2020 nun wirklich genug.
Also machte er genau daraus Comedy.
„Mit Abstand de Beschde“ war ausdrücklich als Sonderprogramm für die damalige Situation konzipiert worden. Der Auftritt in Mannheim fand am 10. Juni statt; das Veranstaltungsarchiv des Maimarktgeländes führt Chako Habekost für den 10. und 11. Juni beim CARStival.
Habekost musste dafür nicht weit nach neuen Figuren suchen. Der Pfälzer Blick auf Regeln, Mitmenschen und die kleinen Absurditäten des Alltags lieferte genügend Material.
Natürlich auf Pälzisch.
Und genau dadurch bekamen selbst Themen, von denen eigentlich alle nach Monaten schon genug gehört hatten, wieder eine komische Seite.
Lachen hört man im Autokino nur bedingt
Das eigentlich Interessante an diesem Abend passierte immer wieder nach den Pointen.
Chako erzählt, setzt nach, zieht eines seiner Gesichter und irgendwo hinter den Scheiben wird gelacht. Auf der Bühne kommt davon aber nur ein Bruchteil an. Also leuchten kurz darauf Scheinwerfer auf oder ein paar Hupen melden sich.
Für einen Künstler, der stark über Timing und die unmittelbare Publikumsreaktion arbeitet, ist das eine ziemlich ungewöhnliche Situation.
Habekost machte daraus aber keinen Nachteil. Im Gegenteil. Das Autokino wurde selbst Teil des Programms.
Wenn plötzlich eine komplette Reihe blinkte, konnte er darauf reagieren. Ein Hupkonzert bekam schnell eine eigene Dynamik. Und ausgerechnet die Distanz sorgte dadurch immer wieder für spontane Momente, die es in einem normalen Theatersaal so nicht gegeben hätte.
Eine zeitgenössische Fotostrecke des „Mannheimer Morgen“ hielt genau diesen Auftritt unter dem Titel „Chako Habekost ist beim Carstival ‚Mit Abstand de Beschde‘“ fest.
Chako braucht für Pfälzer Comedy nicht viel Bühnenzauber
Bei anderen CARStival-Abenden waren große Lichtshows oder eine komplette Konzertproduktion entscheidend. Chako Habekost brauchte vor allem Mikrofon, Gesicht und Sprache.
Seine Stärke liegt darin, scheinbar normale Beobachtungen so lange durch den kurpfälzisch-pfälzischen Filter zu drehen, bis daraus etwas völlig Eigenes entsteht.
Das funktioniert über Dialekt, aber nicht ausschließlich deswegen. Habekost arbeitet viel mit Körpersprache. Ein Blick, ein leicht verzogener Mund oder eine kurze Pause reichen häufig schon aus, bevor überhaupt die nächste Pointe kommt.
Gerade auf der großen CARStival-Bühne war das wichtig. Wer weiter hinten stand, konnte die Show zusätzlich über die große Leinwand verfolgen. Dort waren diese kleinen Gesichtsausdrücke plötzlich überdimensional zu sehen.
Chako auf Großbildleinwand hat durchaus seinen Reiz.
Mannheim bekommt Corona-Comedy mit Heimvorteil
Dass Habekost ausgerechnet in Mannheim mit diesem Programm auftrat, passte. Seine Verbindung zur Region ist seit Beginn seiner Karriere Teil seiner Arbeit. Auf seiner offiziellen Seite beschreibt er sich als in Mannheim geborenen und aufgewachsenen Kurpfälzer, der seit 1994 auf der anderen Rheinseite als „Pälzer“ lebt.
Diese Grenzlage zwischen Kurpfalz und Pfalz liefert seit Jahren Material.
Beim CARStival kamen nun Masken, Abstand und die neue Veranstaltungswelt hinzu.
Das Publikum musste dabei gar nicht ständig daran erinnert werden, weshalb alle im Auto saßen. Ein Blick durch die Windschutzscheibe genügte.
Vielleicht funktionierte der Abend gerade deshalb so gut. Niemand tat so, als wäre dies ein normaler Comedyabend. Chako nahm die merkwürdige Situation an und machte sie selbst zum Teil der Show.
Wenn die Pointe mit Lichthupe beantwortet wird
Autokino-Comedy dürfte kaum jemand Anfang 2020 auf seiner persönlichen Wunschliste gehabt haben.
Ein paar Monate später saßen die Menschen trotzdem auf dem Maimarktgelände, lachten in ihren Fahrzeugen und drückten anschließend auf Hupe oder Lichtschalter. Das CARStival war aus den Einschränkungen der Pandemie entstanden und brachte auf dem Mannheimer Gelände Konzerte, Comedy und andere Liveformate zurück vor echtes Publikum.
Bei Chako Habekost bekam dieses Prinzip seinen ganz eigenen Ton.
Pfälzer Mundart hinter geschlossenen Autoscheiben. Pointen über eine Situation, in der alle selbst mittendrin steckten. Und statt Applaus leuchtete plötzlich der Parkplatz.
Schon ziemlich verrückt.
Aber an diesem Abend passte es.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













