
Black Label Society entfesseln Metal-Gewitter im ausverkauften Schlachthof Wiesbaden
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35 Grad draußen. Drinnen wurde es nicht kühler. Am Samstag, 1. August 2026, verwandelten Black Label Society den ausverkauften Schlachthof Wiesbaden in einen ziemlich schweißtreibenden Metal-Club. Und wenn Zakk Wylde, Gitarrenlegende und langjähriger Weggefährte von Ozzy Osbourne, mit seiner eigenen Band zur Clubshow antritt, weiß man ungefähr, was einen erwartet: schwere Riffs, fliegende Haare und Gitarrensoli ohne angezogene Handbremse.
Mit Thrown Into Exile und den Thrash-Metal-Veteranen Sacred Reich war das Vorprogramm dabei weit mehr als bloßes Aufwärmen. Offiziell war die Show bereits vorab ausverkauft, Einlass war um 18:30 Uhr, um 19 Uhr sollte es losgehen.
Thrown Into Exile starten ohne Umwege
Als Thrown Into Exile gegen 19 Uhr die Bühne betraten, gab es im Schlachthof noch ein wenig Luft vor der Bühne. Das sollte sich ändern.
Das US-amerikanische Quintett machte vom ersten Song an klar, dass es die frühe Spielzeit nicht interessierte. Haare flogen, Gitarren drückten nach vorne und Sänger Joshua Davidson bearbeitete die ersten Reihen mit ordentlich Energie. Optisch kamen bei ihm durchaus ein paar Will-Ramos-Vibes auf, musikalisch bewegte sich die Band jedoch deutlich stärker in Richtung Melodic Death Metal.
Viel Zeit blieb nicht. In rund 30 Minuten kamen aufgrund der teilweise längeren Stücke gerade einmal fünf Songs unter. Das reichte trotzdem, um erste Köpfe kreisen zu lassen und den Schlachthof auf Betriebstemperatur zu bringen. Wobei „Betriebstemperatur“ bei den sommerlichen Bedingungen an diesem Abend eine ziemlich freundliche Umschreibung war.
Sacred Reich werden fast wie ein Headliner gefeiert
Danach wurde es oldschool.
Mit Sacred Reich stand eine Band auf der Bühne, deren Geschichte bis ins Jahr 1985 zurückreicht. Sänger und Bassist Phil Rind, Gitarrist Wiley Arnett und ihre Mitstreiter brauchten entsprechend keine lange Anlaufphase. Ein Teil des Publikums war ganz offensichtlich genauso wegen ihnen gekommen.
Der Sound wurde trockener, direkter und unverkennbar Thrash Metal. Songs wie „Who’s to Blame“ besitzen längst Kultstatus, und das merkte man an den Reaktionen. Vorne wurde gebangt, weiter hinten gingen die Fäuste hoch. Textsicher war das Publikum ebenfalls.
Sacred Reich wurden an diesem Abend beinahe wie ein zweiter Headliner empfangen. Keine schlechte Ausgangslage für Black Label Society.
Black Label Society: Vorhang auf für Zakk Wylde
Dann hing er da. Der große Vorhang mit dem typischen Black-Label-Society-Totenschädel.
Die Spannung stieg noch einmal merklich, bis schließlich die ersten Töne von „Funeral Bell“ durch die Halle donnerten. Vorhang weg. Zakk Wylde da.
Und natürlich flogen sofort die Haare.
Wylde bearbeitete seine Gitarre mit der ihm eigenen Mischung aus Kraft, Geschwindigkeit und Showmanship, während die Band hinter ihm ein massives Fundament legte. Lange Begrüßungsreden brauchte hier niemand. „Name in Blood“, „Destroy & Conquer“ und „Heart of Darkness“ hielten das Tempo hoch.
Durchschnaufen? Später.
Gerade die Clubatmosphäre des Schlachthofs passte zu Black Label Society. Man stand dicht an der Bühne, bekam den Druck der Gitarren unmittelbar ab und sah Wylde bei seinen Soli aus nächster Nähe arbeiten. Genau so darf Heavy Metal klingen.
„No More Tears“ sorgt für einen besonderen Moment
Dann änderte sich die Atmosphäre.
Nach all dem Druck wurde es für einen Moment stiller, bevor mit „No More Tears“ einer der bekanntesten Songs aus Zakk Wyldes gemeinsamer Geschichte mit Ozzy Osbourne erklang. Wylde war am Original beteiligt und gehörte über viele Jahre zu den prägenden Gitarristen an Osbournes Seite.
Für einen kurzen Moment wurde aus der Metalparty etwas anderes. Viele im Publikum standen einfach da und hörten zu. Keine großen Worte waren nötig.
Dann setzte der nächste Refrain ein und der Schlachthof war wieder da.
Auch „In This River“ bekam an diesem Abend eine besondere emotionale Schwere. Danach ging es mit „The Blessed Hellride“ und „Set You Free“ wieder mitten hinein in den Black-Label-Society-Kosmos.
„Fire It Up“ und „Suicide Messiah“ bringen den Schlachthof zum Kochen
Spätestens bei „Fire It Up“ war Stillstehen keine ernsthafte Option mehr. Die Gitarrenwand stand, die Fäuste waren oben und vorne wurde jede freie Fläche zum Headbangen genutzt.
Mit „Suicide Messiah“ folgte einer dieser Songs, bei denen schon das Riff genügt. Zakk Wylde ließ seine Gitarre kreischen, zog die Soli ausgiebig in die Länge und zeigte dabei ziemlich unmissverständlich, was er an sechs Saiten draufhat.
Die Setlist zog sich durch rund drei Jahrzehnte Black Label Society und verzichtete auf unnötige Unterbrechungen. Genau das funktionierte an diesem Abend. Weniger reden, mehr spielen.
Mit „Ozzy’s Song“ bekam der späte Teil des Sets noch einmal eine persönliche Note, ehe mit „Stillborn“ einer der großen BLS-Klassiker den Schlusspunkt setzte.
Laut. Verschwitzt. Fertig.
Drei Generationen Metal an einem Abend in Wiesbaden
Thrown Into Exile, Sacred Reich und Black Label Society waren eine verdammt passende Kombination. Die einen brachten die jüngere Metal-Generation mit, Sacred Reich lieferten Thrash-Geschichte und Zakk Wylde zeigte anschließend, warum sein Gitarrenspiel seit Jahrzehnten sofort wiederzuerkennen ist.
Dass der Schlachthof bei hochsommerlichen Temperaturen ausverkauft war, passte zum Abend. Die Hitze hielt niemanden davon ab, zu bangen, mitzusingen oder die nächsten Haare durch die Gegend fliegen zu lassen.
Black Label Society brauchten dafür weder eine überladene Produktion noch minutenlange Ansagen. Ein paar Marshall-Türme, schwere Riffs und Zakk Wylde mit einer Gitarre in der Hand reichen offenbar immer noch ziemlich weit.
Setlist Black Label Society in Wiesbaden
- Funeral Bell
- Name in Blood
- Destroy & Conquer
- Heart of Darkness
- No More Tears (Ozzy Osbourne)
- In This River
- The Blessed Hellride
- Set You Free
- Fire It Up
- Suicide Messiah
- Ozzy’s Song
- Stillborn
Text & Fotos © by Jan Heesch













