Nico Santos in Gießen beim Kultursommer 2024 auf dem Schiffenberg

Nico Santos auf dem Schiffenberg: Konfetti, Salsa und ein Versprechen

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Der letzte Abend des Gießener Kultursommers 2024 fühlt sich noch einmal nach Hochsommer an. Selbst nachts liegen die Temperaturen auf dem Schiffenberg bei rund 23 Grad. Vor der Bühne stehen etwa 3.000 Menschen, als am 1. September Nico Santos in Gießen zum Abschluss der Konzertreihe übernimmt. Der Termin gehört zu seinen „Summer Open Airs 2024“, gespielt wird unter freiem Himmel zwischen den alten Klostermauern.

Bevor es so weit ist, gehört die Bühne Aaron. Der Support bringt unter anderem seine kurz zuvor veröffentlichte Single „Loslassen“ mit und erwischt ein Publikum, das längst auf Betriebstemperatur ist. Noch stehen viele mit Getränken in der Hand zusammen. Später wird dafür kaum noch Zeit bleiben.

Mit „Play With Fire“ ist die Ruhe sofort vorbei

Nico Santos braucht keinen langsamen Einstieg. „Play With Fire“ macht seinem Titel alle Ehre und gibt die Richtung für den Abend vor. Santos läuft über die Bühne, greift selbst zu Instrumenten und sucht immer wieder die Nähe zu den ersten Reihen. Pyrotechnik schießt nach oben, später regnet Konfetti auf das Publikum. Aus einem entspannten Sonntagabend wird ziemlich schnell eine große Popshow.

Songs wie „Number 1“, „Would I Lie to You“ und „Ride“ werden von vielen vor der Bühne Wort für Wort mitgesungen. Bei „Weekend Lover“ teilt Santos den Schiffenberg kurzerhand in zwei Lager und macht beide Seiten zu seinen Background-Chören. Links gegen rechts. Laut gegen noch lauter. Einen Sieger gibt es nicht.

Genau in solchen Momenten funktioniert der kompakte Schiffenberg besonders gut. Santos steht zwar auf einer großen Open-Air-Bühne, trotzdem bleibt die Distanz überschaubar. Mehrmals verlässt er sogar seinen sicheren Bereich und geht durch die Zuschauerreihen, klatscht Hände ab und bleibt für kurze Begegnungen stehen.

Bei „Candela“ wird auf dem Schiffenberg Salsa getanzt

Dann wechseln Sprache und Rhythmus.

Für „Candela“, die Zusammenarbeit mit Álvaro Soler, kommt das Spanische ins Spiel. Santos wuchs auf Mallorca auf und bewegt sich hörbar selbstverständlich zwischen Englisch, Deutsch und Spanisch. Bei diesem Song reicht ihm Mitsingen allerdings nicht. Jetzt sollen die Hüften arbeiten.

Also gibt es mitten im Konzert eine kleine Salsa-Stunde.

Santos macht die Bewegungen auf der Bühne vor, vor ihm versuchen sich die ersten Reihen daran. Manche erstaunlich sicher. Andere eher mit gutem Willen. Bei immer noch sommerlichen Temperaturen passt die Szene trotzdem: alte Klostermauern in Mittelhessen, davor 3.000 Menschen und plötzlich ein paar Minuten Mallorca.

„Walk in Your Shoes“ nimmt der Show den Druck

Dass Santos nicht zwei Stunden lang auf Party setzt, zeigt „Walk in Your Shoes“. Der Song ist einem verstorbenen Freund gewidmet. Santos sitzt am Klavier, die große Produktion zieht sich zurück und seine Stimme steht plötzlich fast allein im Raum. Auch „Human Being“ schlägt leisere Töne an.

Dieser Kontrast tut dem Konzert gut. Gerade noch Konfetti und Salsa, jetzt konzentrierte Gesichter vor der Bühne.

Lange bleibt es allerdings nicht ruhig. „Die Sonne“, seine Zusammenarbeit mit Kontra K, bringt einen der wenigen deutschsprachigen Momente des Abends. Santos übernimmt dabei auch die Rap-Passagen selbst. Spätestens bei „Safe“ und „Home“ wird wieder geschlossen mitgesungen.

Zwei Fans handeln mit Nico Santos einen ungewöhnlichen Deal aus

Zwischen all den Songs entdeckt Santos immer wieder Plakate im Publikum. Eines davon fällt besonders auf. Zwei Frauen namens Nina und Theresa kündigen darauf an, eine Band gründen zu wollen. Dafür fehlt ihnen allerdings noch etwas Entscheidendes: eine Gitarre.

Santos geht zu ihnen.

Was zunächst nach einem kurzen Spaß aussieht, endet mit einem Deal. Beim nächsten Konzert von Nico Santos in Gießen sollen die beiden als Vorband auftreten. Die benötigte E-Gitarre will er ihnen dafür besorgen. Ob dieser Vertrag eines Tages tatsächlich eingelöst wird, bleibt abzuwarten. An diesem Abend haben Nina und Theresa jedenfalls die Aufmerksamkeit von 3.000 Menschen sicher.

„Rooftop“ und Michael Jackson für die letzten Minuten

Seinen größten frühen Hit hebt Santos lange auf. Erst weit hinten im Set erklingen die ersten Takte von „Rooftop“. Jetzt gehen fast überall die Arme hoch. Der Song von 2017 braucht keine Erklärung mehr, der Refrain kommt laut vom Publikum zurück.

Für die Zugabe wird es noch einmal ungewöhnlich. Santos spielt Michael Jacksons „Man in the Mirror“ weitgehend reduziert mit Gitarre. Danach folgt „Like I Love You“ in einer ausgedehnten Liveversion. Es ist nicht bloß das Ende dieses Konzerts, sondern zugleich das letzte Open Air seiner Sommertour 2024.

Santos bedankt sich bei Band und Crew. Konfetti klebt noch auf dem Boden, die ersten Besucher drehen sich Richtung Ausgang. Elf Konzertabende des Gießener Kultursommers liegen damit hinter dem Schiffenberg.

Text & Foto © Jan Heesch

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