
Chako Habekost auf der Limburg: Pfälzer Mundart mit Heimvorteil
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Viel passender hätte man den letzten Abend des Limburg Sommers kaum besetzen können. Hoch über Bad Dürkheim, mitten in der Pfalz und zwischen den alten Mauern der Klosterruine stand am 23. August 2014 einer auf der Bühne, der genau diese Region seit Jahren zu seinem wichtigsten Rohstoff macht: Christian „Chako“ Habekost. Mit „Der Palatinator“ beendete der in Bad Dürkheim lebende Mundart-Comedian die Veranstaltungsreihe. Heimspiel trifft es ziemlich genau. Die Stadt hatte ihn bereits bei der Vorstellung des Programms als Abschluss des Limburg Sommers angekündigt.
Schon die Limburg verändert einen Comedyabend. Wo sonst Theater, Jazz oder Konzerte stattfinden, reicht der Blick über die historischen Mauern hinaus in die Pfalz, über die Chako auf der Bühne spricht. Das passt beinahe zu gut. Statt Hochdeutsch bekommt man Dialekt, statt glatt formulierter Pointen ein schnelles Gemisch aus Sprachwitz, Beobachtungen und diesem ganz eigenen Rhythmus, den Habekost seinem Pfälzisch gibt. Wer aus der Region kommt, erkennt vieles sofort. Wer von weiter weg kommt, versteht nach ein paar Minuten zumindest, warum ein Dubbeglas hier mehr sein kann als ein Trinkgefäß.
„Der Palatinator“ nimmt die Pfalz ziemlich genau auseinander
Der Titel war Programm. „Der Palatinator“ machte Chako zum selbsternannten Verteidiger seiner „High-mat“, wobei er natürlich niemanden ernsthaft retten musste. Vielmehr zerlegte er Eigenheiten, Sprache und Selbstverständnis der Pfälzer mit sichtlichem Vergnügen und traf dabei gerne auch jene, die Dialekt für eine sprachliche Fehlfunktion halten. Das Programm war als schnelle One-Man-Show angelegt, mit reichlich Mundart, Wortspielen und einem Dubbeschoppe als beinahe unverzichtbarem Bühnenutensil.
Gerade bei Chako merkt man schnell, dass der Dialekt nicht bloß Verpackung für fertige Witze ist. Er baut seine Pointen aus der Sprache heraus. Wörter werden gedehnt, verdreht, neu zusammengesetzt und manchmal so lange bearbeitet, bis Hochdeutsch endgültig keine Chance mehr hat. Diese Mischung aus Kabarett und Comedy funktioniert in Bad Dürkheim besonders unmittelbar, weil viele Anspielungen nicht erst erklärt werden müssen. Ein paar Silben reichen, ein bestimmter Tonfall kommt dazu, und schon weiß das Publikum ziemlich genau, welcher Typ Mensch gerade gemeint ist.
Zwischen Dubbeglas, „High-mat“ und Sprachakrobatik
Habekost beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, was Heimat eigentlich ausmacht. Bei ihm landet man dabei ziemlich schnell beim Essen, beim Wein und vor allem bei der Sprache. Doch „Der Palatinator“ war mehr als eine Ansammlung pfälzischer Klischees. Hinter vielen Pointen steckte eine genaue Beobachtung darüber, wie Menschen reden, wie sie sich selbst sehen und wie Außenstehende auf die Pfalz blicken.
Das wird manchmal derb. Muss es auch sein. Chako lebt davon, dass er einen Gedanken nicht vorsichtig auf die Bühne trägt, sondern ihn mit Tempo und Dialekt mitten in den Raum feuert. Ein Satz reicht selten, weil sich daraus sofort der nächste Wortwitz entwickelt. Und plötzlich landet man vom Pfälzer Schoppen bei gesellschaftlichen Themen, von dort wieder bei sprachlichen Eigenheiten und ein paar Sekunden später an einer völlig anderen Stelle.
Genau dieses Tempo machte den Abend auch fotografisch interessant. Chako steht nicht steif hinter einem Mikrofon und wartet auf den nächsten Lacher. Gesicht, Hände, Körperhaltung, alles arbeitet mit. Eine Pointe beginnt manchmal schon in der Mimik, bevor der Satz überhaupt ausgesprochen ist. Wer durch die Kamera schaut, muss deshalb aufpassen. Der entscheidende Moment kann ziemlich schnell vorbei sein.
Ein Bad Dürkheimer auf seiner eigenen Bühne
Der besondere Reiz dieses Abends lag für mich aber vor allem im Ort. Chako Habekost auf der Limburg war eben kein beliebiger Tourstopp. Der gebürtige Kurpfälzer lebt seit Jahren in Bad Dürkheim und hat die Pfalz zu einem festen Bestandteil seiner Bühnenarbeit gemacht. Wenn er hier über Pfälzer, Wein, Dialekt und regionale Befindlichkeiten sprach, musste niemand so tun, als kenne er diese Welt nur aus einem Reiseführer. Chako stand mittendrin.
Dazu kam die Klosterruine. Mit zunehmender Dunkelheit bekommt dieser Ort ohnehin seine ganz eigene Atmosphäre. Alte Mauern, offene Luft und eine Bühne, auf der an diesem Abend keine Band mit Verstärkertürmen stand, sondern ein Mann, der den Raum hauptsächlich mit Sprache füllte. Nach Laith Al-Deen am Vorabend setzte der Limburg Sommer damit zum Ende noch einmal einen kompletten Stilwechsel.
Chako beendet den Limburg Sommer 2014
Mit dem Auftritt am 23. August ging eine Veranstaltungsreihe zu Ende, die 2014 insgesamt 15 Termine umfasste. Theater, Musik und Kabarett hatten sich über den Sommer in der Klosterruine abgewechselt, bevor ausgerechnet ein Dürkheimer den letzten Abend übernehmen durfte. Die Entscheidung war ziemlich naheliegend: Wo sollte „Der Palatinator“ besser funktionieren als hier?
Und Chako brauchte dafür keine aufwendige Showkulisse. Die stand längst da. Die Limburg, die Pfalz rundherum, ein Dubbeglas in Reichweite und genügend Stoff für Geschichten über die Menschen, die hier leben. Mehr Heimvorteil geht kaum.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













