
Laith Al-Deen in Bad Dürkheim: Ein Sommerabend, der auf Platte bleibt
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Eine Bühne zwischen alten Mauern, 834 Besucher und ein Sänger, der an diesem Abend noch einen zusätzlichen Grund hatte, genau hinzuhören. Als Laith Al-Deen am 22. August 2014 in der Klosterruine Limburg die Bühne betrat, wurde sein Konzert mitgeschnitten. Die Aufnahmen sollten später auf der Premium Edition seines kommenden Albums erscheinen. Für Laith Al-Deen in Bad Dürkheim war es zugleich die Rückkehr an einen besonderen Ort, denn bereits im Jahr zuvor hatte er hier im Rahmen seiner Live-Acoustic-Konzerte gespielt.
Gerade diese Kulisse machte den Abend für mich reizvoll. Die Limburg hoch über Bad Dürkheim ist eben kein gewöhnlicher Konzertsaal. Am frühen Abend lag noch Tageslicht über den historischen Mauern, später bekam die Ruine mit zunehmender Dunkelheit eine völlig andere Wirkung. Dazwischen Laith Al-Deen, Akustikgitarre und eine vierköpfige Band, die bekannte Songs nicht einfach reproduzierte, sondern ihnen immer wieder neue Farben gab.
Laith Al-Deen kehrt in die Klosterruine Limburg zurück
Bis auf den letzten Platz war das Konzert ausverkauft. Mit Tobias Reiss an den Keyboards, Ole Rausch an der Gitarre, Frieder Gottwald am Bass und David Mette an Schlagzeug und Percussion hatte Laith Al-Deen eine kompakte Band dabei, die hervorragend zu diesem halbakustischen Abend passte. Los ging es mit „Für alle“ und „Fließende Wasser“, danach öffnete sich das Programm immer weiter. Vieles klang vertraut, aber selten exakt so, wie man es von den Studioaufnahmen kannte.
Genau das gefiel mir. Bei Songs, die man schon unzählige Male gehört hat, reichen manchmal kleine Veränderungen, damit man plötzlich wieder genauer zuhört. „Alles an dir“ bekam live einen anderen Groove, „Meilenweit“ bewegte sich in Richtung Reggae, bei „Worauf wartest du“ tauchten lateinamerikanisch gefärbte Passagen auf und „Bilder von dir“ bekam am Ende deutlich jazzigere Züge. Kein radikaler Umbau um jeden Preis. Eher Musiker, die ihre eigenen Stücke noch einmal neu anfassen.
Ein Konzert, das für das nächste Album mitgeschnitten wird
Schon zu Beginn machte Laith Al-Deen klar, dass dieser Abend nicht einfach verschwinden würde, sobald auf der Limburg die letzten Scheinwerfer ausgingen. Das Konzert wurde professionell aufgezeichnet und er forderte das Publikum augenzwinkernd dazu auf, sich beim Jubeln entsprechend Mühe zu geben. Das musste man den Leuten allerdings nicht zweimal sagen. Die Reaktionen wurden im Laufe des Abends immer lauter, und genau diese Atmosphäre landete später tatsächlich auf der Bonus-CD der Premium Edition von „Was wenn alles gut geht“.
Das Album selbst war zu diesem Zeitpunkt noch Zukunftsmusik und erschien erst am 31. Oktober 2014. Auf der Limburg gab Laith Al-Deen aber bereits einen Vorgeschmack auf die nächste Phase seiner Karriere. Mit „Frühling“, „Lass es los“, „Nur wenn sie tanzt“ und „Steine“ tauchten Stücke im Programm auf, die später auf dem neuen Album zu finden waren. Zwischen ihnen standen Songs, die längst zu seiner Geschichte gehörten: „Alles an dir“, „Dein Lied“, „Keine wie du“ und natürlich „Bilder von dir“.
Bei „Keine wie du“ wird die Distanz ganz klein
An einem Punkt reichte Laith Al-Deen selbst die Nähe der Bühne nicht mehr. Bei „Keine wie du“ ging er mitten ins Publikum. Genau solche Momente funktionieren in einer historischen Open-Air-Kulisse besonders gut, weil plötzlich jede klassische Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum verschwindet. Die Reaktion kam prompt, und für ein paar Minuten verlagerte sich der Mittelpunkt des Konzerts einfach zwischen die Besucher.
Überhaupt war Laith an diesem Abend sehr nahbar. Er redete mit den Menschen, ließ sie Refrains übernehmen und reagierte locker auf das, was vor ihm passierte. Das wirkte nicht wie ein streng durchgetaktetes Programm, bei dem die nächste Ansage bereits sekundengenau feststeht. Sobald bei den bekannten Songs immer mehr Besucher von ihren Stühlen aufstanden, veränderte sich auch die Stimmung in der Klosterruine. Aus dem zunächst ruhigen Sommerkonzert wurde Stück für Stück ein gemeinsamer Abend.
„Bilder von dir“ gehört auch 2014 zu den großen Momenten
Bei „Bilder von dir“ muss Laith Al-Deen kaum erklären, was als Nächstes passiert. Seit dem Jahr 2000 begleitet ihn dieser Song, und auch auf der Limburg gehörte er zu jenen Momenten, bei denen das Publikum sofort da war. Interessanter fand ich aber, dass der Klassiker nicht einfach in seiner bekannten Form abgespult wurde. Durch das veränderte Arrangement und den instrumentalen Ausklang bekam der Song live eine andere Atmosphäre, ohne seinen Wiedererkennungswert zu verlieren.
Nach „Nur wenn sie tanzt“ war zunächst Schluss, doch gehen ließ ihn die Limburg natürlich nicht. Mit „Jetzt, hier, immer“ und „Steine“ folgten zwei Zugaben. Damit endete ein Konzert, das Monate später noch einmal eine zweite Karriere bekommen sollte: Acht Liveaufnahmen dieses Abends wurden für die Premium Edition von „Was wenn alles gut geht“ ausgewählt. Wer am 22. August in Bad Dürkheim dabei war, ist deshalb zumindest akustisch ein kleines Stück auf diesem Album verewigt.
Für mich passt das ziemlich gut zu diesem Abend. Die alte Klosterruine, ein ausverkauftes Publikum, vertraute Songs in neuen Arrangements und Laith Al-Deen mittendrin. Viel näher musste ein Sommerkonzert eigentlich nicht kommen.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













