
Cris Cosmo in Worms: Konzert zwischen Bühne und Windschutzscheibe
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Am 27. Mai 2020 stand Cris Cosmo mit seiner Band in der CARantena Arena Worms auf der Bühne. Der Musiker selbst hatte den Termin zuvor sogar in einem während der Corona-Zeit entstandenen Song aufgegriffen.
Für Cris Cosmo in Worms bedeutete das eine ziemlich ungewöhnliche Ausgangslage. Vor ihm kein dicht gedrängtes Publikum, keine Menschen direkt an der Bühnenkante und keine normale Clubatmosphäre. Stattdessen Autos auf dem Wormser Festplatz. Die Musik kam von der Bühne, der Ton zusätzlich über eine UKW-Frequenz direkt ins Autoradio. Genau nach diesem Prinzip funktionierten die Konzerte der CARantena Arena.
Und trotzdem dauerte es nicht lange, bis aus dem ungewöhnlichen Rahmen tatsächlich wieder ein Konzert wurde.
Cris Cosmo will sein Publikum in Bewegung bringen
Wer Cris Cosmo schon einmal live gesehen hat, weiß, dass seine Musik eigentlich schlecht zum Stillsitzen passt. Pop trifft auf Reggae, Hip-Hop, Funk und elektronische Elemente, während die Akustikgitarre immer wieder den rhythmischen Unterbau liefert. Das 2019 erschienene Album „Jaguar“ zeigte diese Mischung besonders deutlich.
Im Auto verändert sich so etwas natürlich.
Wo sonst getanzt wird, bleiben plötzlich Lenkrad, Sitz und Windschutzscheibe. Für einen Musiker, dessen Shows stark von der direkten Reaktion des Publikums leben, war das eine komplett andere Situation. Cosmo machte daraus aber keinen Ersatzabend mit angezogener Handbremse. Er spielte mit der besonderen Situation und versuchte, möglichst viel von der üblichen Konzertenergie auf den Wormser Festplatz zu übertragen.
Gerade deshalb passte seine Musik erstaunlich gut in diesen Frühsommerabend. Die Reggae-Offbeats sorgten für Bewegung, die Poprefrains funktionierten auch mit Abstand und die Band gab den Songs deutlich mehr Druck, als eine reine Akustikshow hätte liefern können.
Die CARantena Arena macht aus Autos einen Zuschauerraum
Die CARantena Arena war eine direkte Reaktion auf die Einschränkungen der ersten Corona-Monate. Seit Anfang Mai wurde der Wormser Festplatz für Kino, Comedy und Live-Musik genutzt. Neben Cris Cosmo standen dort unter anderem Chako Habekost, Bülent Ceylan und verschiedene Bands auf der Bühne. Die Zuschauer blieben während der Veranstaltungen in ihren Fahrzeugen und empfingen den Bühnenton über das Autoradio.
Das änderte die komplette Kommunikation eines Konzerts.
Normalerweise merkt eine Band sofort, was vorne passiert. Man sieht Menschen tanzen, hört den Chor aus dem Publikum und bekommt die Reaktion unmittelbar zurück. Im Autokino lag zwischen Bühne und Zuhörern plötzlich eine ganze Reihe aus Blech und Glas.
Für Cris Cosmo war gerade diese Distanz interessant. Seine Songs leben stark davon, Menschen einzubeziehen. Nun musste diese Verbindung anders entstehen.
Es war ungewohnt. Aber nach Wochen ohne reguläre Veranstaltungen war allein die Tatsache, wieder eine Band auf einer richtigen Bühne zu sehen, bereits etwas Besonderes.
„Beweg Deinen Body“ bekommt plötzlich eine ganz eigene Bedeutung
Zum damaligen Programm passte auch „Beweg Deinen Body“. Die Single war 2020 erschienen und traf mit ihrem direkten Bewegungsimpuls ausgerechnet auf eine Zeit, in der sich das Publikum bei Konzerten kaum frei bewegen durfte.
Dieser Gegensatz zog sich durch den ganzen Abend.
Cosmos Musik wollte raus, wollte Nähe und Reaktion. Die äußeren Bedingungen verlangten Abstand. Genau deshalb wirkte vieles intensiver, als es bei einem normalen Konzert vielleicht der Fall gewesen wäre. Nach Wochen mit Livestreams und abgesagten Veranstaltungen standen da wieder Musiker gemeinsam auf einer Bühne und spielten vor realen Menschen.
Kein Bildschirm dazwischen.
Nur einige Windschutzscheiben.
Zwischen Pop, Reggae und persönlichen Texten
Cris Cosmo reduziert seine Songs musikalisch selten auf eine einzige Richtung. Die Wurzeln liegen im Singer-Songwriter-Bereich, doch Reggae-Rhythmen, Latin-Einflüsse und elektronische Elemente gehören genauso zu seinem Sound. Auch seine Zeit als Straßenmusiker und die spätere Arbeit an der Popakademie Baden-Württemberg haben diese Mischung geprägt.
Dazu kommen Texte, die häufig persönlicher sind, als es die tanzbaren Arrangements zunächst vermuten lassen. Selbstverwirklichung, Zusammenleben, Nähe oder gesellschaftliche Themen finden darin genauso Platz wie ein unkomplizierter Popsong.
Gerade 2020 bekam das noch eine zusätzliche Ebene. Cris Cosmo schrieb während der Pandemie über die ausgefallenen Festivals, digitale Konzerte und die Frage, wann Kultur wieder vor einem echten Publikum stattfinden kann. Den Auftritt am 27. Mai in Worms erwähnte er dabei selbst als einen kleinen Hoffnungsschimmer.
Ein paar Wochen zuvor hätte sich wahrscheinlich niemand freiwillig ein Konzert gewünscht, bei dem man im Auto sitzen bleiben musste.
An diesem Abend fühlte sich genau das plötzlich ziemlich gut an.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













