Chako Habekost live am 28. Mai 2020 in der CARantena-Arena Worms

Chako Habekost in Worms: Pfälzer Comedy durchs Autofenster

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Am 28. Mai 2020 war Lachen ausdrücklich erlaubt. Nur eben mit Abstand. Christian „Chako“ Habekost stand in der CARantena-Arena Worms vor einem Publikum, das nicht auf Stuhlreihen saß, sondern hinter Windschutzscheiben. Mit seiner eigens auf die Corona-Zeit zugeschnittenen Show „Mit Abstand de Beschde mit nach Worms. Die krisengeschüttelte, maßnahmengerüttelte Super-Sonder-Show – und zwar voll uff die Windschutzscheib!“ reagierte der Pfälzer Comedian auf eine Situation, die wenige Monate zuvor noch niemand für möglich gehalten hätte.

Die CARantena-Arena auf dem Wormser Festplatz war im Mai 2020 innerhalb kurzer Zeit entstanden. Neben Kinofilmen standen dort bald Comedy und Live-Musik auf dem Programm. Tobias Mann, Bülent Ceylan und Chako Habekost gehörten zu den Künstlern, die das ungewöhnliche Format nutzten. Den Ton empfingen die Besucher dabei über UKW direkt im Autoradio.

Chako Habekost macht Corona zum Stoff für seine Comedy

Natürlich hätte man in diesen Wochen genügend Gründe gehabt, nicht zu lachen. Veranstaltungen waren abgesagt, Bühnen geschlossen, Kontakte eingeschränkt. Für Künstler und Veranstalter war die Situation wirtschaftlich ziemlich brutal.

Habekost machte daraus Material.

Abstandsregeln, Maßnahmen, der plötzlich völlig veränderte Alltag und all jene kleinen Merkwürdigkeiten, die 2020 innerhalb weniger Wochen normal geworden waren, landeten in seiner Show. Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Eher durch den typisch pfälzischen Filter.

Das passt zu ihm. Habekost bezeichnet sich selbst als „MundArtist“, stammt aus der Kurpfalz und lebt seit den 1990er-Jahren in der Pfalz. Dialekt ist bei ihm kein zusätzliches Gimmick, sondern praktisch das Betriebssystem seiner Comedy.

Und gerade in Worms musste er nicht lange erklären, wie bestimmte Figuren sprechen, denken oder sich über die Welt aufregen.

Das verstand man.

Applaus funktioniert plötzlich anders

Ein Comedyabend lebt normalerweise von direkter Reaktion. Pointe. Lachen. Kurze Pause. Nächster Satz.

Im Autokino verschieben sich diese Regeln.

Das Publikum sitzt abgeschirmt im Fahrzeug, der Künstler schaut auf eine Fläche voller Autos. Der unmittelbare Kontakt fehlt. Genau wie bei den Konzerten der CARantena-Arena mussten Künstler und Besucher erst herausfinden, wie Unterhaltung unter diesen Bedingungen überhaupt funktioniert. Das Format war im Frühjahr 2020 eine der wenigen Möglichkeiten, Kultur wieder gemeinsam zu erleben.

Bei Chako funktionierte das erstaunlich schnell.

Man sah Bewegung hinter den Scheiben, hörte Reaktionen aus den Fahrzeugen und bekam trotzdem mit, wann eine Pointe getroffen hatte. Dazu kamen Lichtsignale und die sehr eigene Atmosphäre eines Abends, bei dem mehrere hundert Menschen gemeinsam lachen, aber jeder in seinem eigenen kleinen Blechkasten sitzt.

Schon ziemlich absurd.

Und damit eigentlich perfektes Chako-Material.

Pfälzer Alltag trifft auf eine ziemlich verrückte Zeit

Habekost braucht für seine Figuren keine ausgefallenen Schauplätze. Der normale Alltag liefert genügend Stoff.

Da reichen Sprache, Mentalität und die kleinen Eigenheiten der Menschen zwischen Mannheim, Ludwigshafen, Neustadt und der Südpfalz. Wenn dann plötzlich eine Pandemie diesen Alltag durcheinanderwirbelt, Abstände definiert werden und Kultur nur noch aus dem Auto heraus stattfinden kann, schreibt ein Teil der Wirklichkeit die Pointen beinahe selbst.

Die Stärke des Abends lag deshalb nicht darin, Corona für zwei Stunden einfach auszublenden.

Das wäre ohnehin kaum möglich gewesen. Die Autos erinnerten ständig daran.

Habekost nahm diese Situation stattdessen mit auf die Bühne. Maßnahmen, Unsicherheiten und manche Absurdität wurden Teil des Programms. Das Publikum konnte über Dinge lachen, die wenige Stunden zuvor beim Einkaufen oder im Alltag vielleicht noch genervt hatten.

Das tat gut.

Die CARantena-Arena bringt Kultur zurück nach Worms

Hinter dem Wormser Autokino stand ein Team um Medienpark Vision, Kinowelt Worms und die städtische Kulturkoordination. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich der Festplatz zu einem temporären Kulturort. Neben Filmen fanden Comedyshows, Rockkonzerte und weitere Live-Veranstaltungen statt. Ende Mai und Anfang Juni spielten dort unter anderem Bülent Ceylan, später die Söhne Mannheims und Doro.

Damit bekam die Region Rhein-Neckar-Pfalz in einer Phase nahezu vollständigen kulturellen Stillstands wenigstens einige Bühnenabende zurück.

Natürlich war ein Auftritt vor Autos kein Ersatz für einen vollen Theatersaal. Gerade bei Comedy fehlt die unmittelbare Welle des Lachens, die normalerweise von den ersten Reihen bis nach hinten läuft.

Aber an diesem 28. Mai war das zweitrangig. Chako Habekost stand auf einer Bühne. Menschen waren gekommen. Es wurde gelacht. Unter den Bedingungen war das bereits verdammt viel.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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