Culcha Candela live am 1. Juli 2020 beim CARStival auf dem Maimarktgelände Mannheim

Culcha Candela in Mannheim: Tanzen zwischen Autos

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Stillstehen war an diesem Abend eigentlich keine Option. Nur mit dem Tanzen war das so eine Sache. Am 1. Juli 2020kamen Culcha Candela zum CARStival auf das Maimarktgelände Mannheim und trafen dort auf ein Publikum, das pandemiebedingt größtenteils in seinen Autos bleiben musste. Der Auftritt ist auch im offiziellen Veranstaltungsarchiv des Maimarktgeländes für diesen Mittwoch dokumentiert.

Für Culcha Candela in Mannheim war das eine ziemlich spezielle Kombination. Die Berliner leben von Bewegung, von schnellen Wechseln zwischen den Stimmen und von Songs, bei denen normalerweise nach wenigen Takten die ersten Reihen springen. Diesmal standen vor der Bühne Motorhauben.

Also wurden Fenster geöffnet, Hände herausgestreckt, Scheinwerfer eingeschaltet und auf den Sitzen mitgetanzt. Nach den ersten Songs hatte man sich auch daran gewöhnt.

Culcha Candela passen erstaunlich gut ins CARStival

Das CARStival war im Sommer 2020 zu einer eigenen kleinen Veranstaltungswelt auf dem Maimarktgelände geworden. Zwischen dem 25. Mai und Ende Juli standen dort ganz unterschiedliche Künstler auf der Bühne, darunter Sido, Alligatoah, Tim Bendzko, Max Giesinger und die Söhne Mannheims. Culcha Candela gehörten am 1. Juli ebenfalls zum Programm.

Ihre Musik brauchte jedenfalls keine lange Eingewöhnungszeit.

Pop, Hip-Hop, Reggae, Dancehall und Latin-Einflüsse liegen bei Culcha Candela seit Jahren eng beieinander. Die Songs sind rhythmisch gebaut und häufig darauf ausgelegt, dass das Publikum unmittelbar reagiert. Eine Woche vorher hätte man vielleicht noch behauptet, dafür brauche es zwingend einen normalen Konzertplatz.

Mannheim zeigte etwas anderes.

Wenn mehrere hundert Fahrzeuge gleichzeitig mit Warnblinkern und Scheinwerfern reagieren, sieht das zwar nicht nach klassischem Festival aus. Es hat aber durchaus seinen eigenen Reiz.

„Rhythmus wie ein Tänzer“ passt fast zu gut

Mit „Rhythmus wie ein Tänzer“ hatten Culcha Candela wenige Monate zuvor einen neuen Song veröffentlicht. Die Single erschien am 3. April 2020 gemeinsam mit DJ Antoine und Julie Brown und griff musikalisch den Eurodance-Klassiker „Rhythm Is a Dancer“ von Snap! auf.

Ausgerechnet dieser Titel landete nun bei einem Autokonzert.

Der Song war ursprünglich als Vorbote des Projekts „TOP TEN“ erschienen. Das Album selbst wurde später 2021 veröffentlicht. Die offizielle Bandseite führt „TOP TEN“ entsprechend als Veröffentlichung aus dem Jahr 2021.

Für Mannheim war das Erscheinungsdatum des Albums ohnehin zweitrangig. Der Refrain funktionierte bereits. Und wer sich im Auto halbwegs drehen konnte, machte mit.

Es sah stellenweise sicher etwas unbeholfen aus.

Spaß hatten die Leute trotzdem.

„Hamma!“ und „Monsta“ brauchen keine Erklärung

Natürlich bestand der Abend nicht nur aus neuem Material. Bei Culcha Candela gibt es inzwischen einige Songs, deren Anfang genügt, um das Publikum sofort abzuholen.

„Hamma!“ gehört dazu. Ebenso „Monsta“. Beide Titel zählen bis heute zu den bekanntesten Songs der Band. Apple Music führt sie entsprechend unter den populärsten Titeln von Culcha Candela.

Gerade hier wurde das ungewöhnliche CARStival-Prinzip deutlich. Auf einer normalen Festivalwiese wäre jetzt eine große Menge in Bewegung. In Mannheim wackelten Autos, Menschen sangen aus geöffneten Fenstern und irgendwo dazwischen hupte immer einer ein bisschen zu früh.

Das störte niemanden.

Die Band nahm die Reaktionen auf, bewegte sich permanent über die Bühne und ließ gar nicht erst den Eindruck entstehen, man spiele hier eine reduzierte Corona-Version der eigenen Show.

Zwischen Rap, Gesang und ständigem Rollenwechsel

Culcha Candela leben auf der Bühne stark vom Zusammenspiel ihrer unterschiedlichen Stimmen. Mateo Jasik, Don Cali und Johnny Strange wechselten sich ab, übernahmen Rap- und Gesangsparts und hielten dadurch viel Bewegung in den Songs. Schon wenige Monate zuvor hatte die Band bei ihrer Tour im März mit genau dieser Dynamik gearbeitet.

Das funktionierte auch auf dem weitläufigen Maimarktgelände.

Die große Distanz zum Publikum blieb natürlich sichtbar. Ein Künstler kann normalerweise an den Gesichtern in der ersten Reihe ziemlich schnell erkennen, wie ein Song ankommt. Hier musste man etwas weiter schauen.

Blinkt es?

Hupt es?

Bewegen sich die Leute hinter den Scheiben?

Meistens lautete die Antwort ziemlich eindeutig: ja.

Ein Sommerabend, der nach Party aussah

Je dunkler es wurde, desto besser funktionierte dieses Format auch optisch. Die Beleuchtung der Bühne wirkte stärker, dazu kamen die unzähligen Scheinwerfer der Fahrzeuge. Aus dem nüchternen Parkplatz wurde zumindest für ein paar Stunden etwas, das wieder nach Veranstaltung aussah.

Und genau das war im Sommer 2020 schon viel wert.

Culcha Candela hatten wenige Wochen zuvor bereits ein Drive-in-Konzert in Hannover gespielt. Auch dort wurden ihre bekannten Songs mit Hupen und Lichtern beantwortet, während die Band ihren Mix aus Pop, Latin, Hip-Hop und Reggae auf die ungewöhnliche Konzertform übertrug.

In Mannheim wirkte die Situation deshalb nicht mehr ganz so experimentell. Band und Publikum wussten inzwischen, wie Autokonzert funktioniert.

Man konnte nicht gemeinsam vor die Bühne rennen. Man konnte sich nicht in den Arm nehmen oder dicht nebeneinander tanzen.

Aber man konnte die Fenster herunterlassen, die Musik aufdrehen und bei „Hamma!“ ziemlich laut mitsingen.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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