
Die Pochers in Mannheim: Podcast zwischen Autos
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Ein Podcast vor hunderten Autos klingt selbst für den Veranstaltungssommer 2020 erst einmal ungewöhnlich. Am 5. Juli 2020 funktionierte genau das auf dem Maimarktgelände Mannheim erstaunlich gut. Amira und Oliver Pocherbrachten „Die Pochers hier!“ zum CARStival und zeichneten vor Publikum gleich zwei neue Podcast-Folgen auf. Die erste Mannheimer Show war so schnell ausverkauft, dass für den folgenden Abend ein Zusatztermin angesetzt wurde.
Bei Die Pochers in Mannheim stand deshalb keine klassische Comedyshow auf dem Programm. Es gab kein eng getaktetes Set aus vorbereiteten Pointen. Im Grunde saßen dort zwei Menschen auf der Bühne und redeten miteinander über das, was ihnen gerade durch den Kopf ging. Genau daraus bezog der Abend seinen Reiz.
Und Oliver Pocher wäre nicht Oliver Pocher gewesen, wenn er dauerhaft auf seinem Stuhl geblieben wäre.
Vom Podcaststudio auf das Maimarktgelände
„Die Pochers hier!“ war erst wenige Monate zuvor gestartet. Der Podcast entstand im Frühjahr 2020, nachdem Amira und Oliver Pocher während der ersten Corona-Wochen bereits regelmäßig gemeinsam über soziale Medien aufgetreten waren. Seit April sprachen sie wöchentlich über ihren Alltag, aktuelle Themen und das, was innerhalb ihrer Familie passiert war.
Beim CARStival wurde aus diesem privaten Podcastformat plötzlich eine Liveshow.
Vor der Bühne standen die Autos in Reihen, über die große Leinwand konnten auch die Besucher weiter hinten verfolgen, was zwischen den beiden passierte. Gelacht wurde hinter Windschutzscheiben. Wer seine Zustimmung etwas deutlicher zeigen wollte, hatte inzwischen gelernt, wie CARStival-Applaus funktioniert: Licht an, Warnblinker oder kurz die Hupe.
Diese merkwürdige Form der Kommunikation gehörte im Juli 2020 fast schon zum Alltag auf dem Maimarktgelände.
Oliver Pocher hält es nicht lange auf der Bühne
Dass die Veranstaltung nicht wie eine gewöhnliche Podcast-Aufzeichnung wirkte, lag vor allem an Oliver Pocher.
Während Amira häufig den ruhigeren Gegenpol bildete, suchte er immer wieder den direkten Kontakt zu den Zuschauern. Ein zeitgenössischer Bericht beschreibt, wie Pocher mit einem E-Scooter über das Gelände fuhr und sogar auf Autos seiner Fans kletterte.
Spätestens da war die Distanz zwischen Bühne und Publikum nur noch theoretisch vorhanden.
Gerade solche ungeplanten Momente machten den Abend lebendig. Ein Podcast verträgt Abschweifungen. Eine Pocher-Show offensichtlich noch mehr. Geschichten wurden angefangen, zwischendurch ging es in eine völlig andere Richtung und irgendwann landeten beide doch wieder beim ursprünglichen Thema.
Amira musste dabei nicht versuchen, Oliver mit derselben Lautstärke zu begegnen. Ihre Stärke lag eher darin, seine Geschichten einzuordnen, dagegenzuhalten oder mit einer trockenen Bemerkung die Richtung zu verändern.
Amira und Oliver Pocher leben von ihren Gegensätzen
Genau dieses Zusammenspiel hatte den Podcast innerhalb kurzer Zeit bekannt gemacht.
Oliver geht gerne einen Schritt weiter, manchmal auch zwei. Amira hört länger zu, widerspricht und lässt sich von seiner Energie nicht jedes Mal mitziehen. Dadurch entstanden auf der Bühne Gespräche, die weniger nach vorbereiteter Moderation klangen als nach einem Abend am Küchentisch, nur eben vor einem ziemlich großen Parkplatz.
Das Publikum bekam Geschichten aus dem Alltag, Beobachtungen zu aktuellen Themen und immer wieder kleine Reibereien zwischen den beiden.
Nicht jede Minute musste auf eine Pointe hinauslaufen.
Das war sogar angenehm.
Denn gerade dadurch unterschied sich „Die Pochers hier!“ von einer klassischen Comedyshow. Wer ein durchkomponiertes Programm mit sauberem Spannungsbogen erwartete, bekam etwas anderes. Die beiden redeten, reagierten aufeinander und ließen sich auch von den Zuschauern auf dem Gelände beeinflussen. Die RNZ beschrieb den Abend entsprechend als eine Live-Aufzeichnung zweier neuer Folgen und hob die ausgesprochen gute Stimmung auf dem Maimarktgelände hervor.
Ein ausverkaufter Sonntag reicht nicht
Wie gut das Konzept beim Publikum ankam, hatte sich bereits vor dem Auftritt gezeigt.
Der erste Termin war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Deshalb wurde für Montag, den 6. Juli 2020, eine zweite Show angesetzt. Beide Termine sind heute noch im offiziellen Veranstaltungsarchiv des Maimarktgeländes dokumentiert.
Für ein Format, das wenige Monate zuvor noch gar nicht existiert hatte, war das bemerkenswert.
Am Sonntagabend zeigte sich auch warum. Die Pochers mussten kein aufwendiges Bühnenbild oder große Showeffekte auffahren. Zwei Stühle, Mikrofone und genügend Geschichten reichten weitgehend aus.
Dazu kam natürlich das besondere Umfeld.
Ein Oliver Pocher, der zwischen Autos herumfährt, Amira auf einer riesigen Leinwand und hunderte Menschen, die einen Podcast aus dem eigenen Fahrzeug verfolgen, gehört zu diesen Bildern, die ziemlich genau erklären, wie sonderbar der Kultursommer 2020 war.
Beim CARStival wird selbst ein Podcast zur Liveshow
Nach Konzerten von Sido, Alligatoah oder den Söhnen Mannheims zeigte das CARStival mit den Pochers noch einmal eine andere Seite seines Konzepts. Dieses Mal musste niemand auf einen großen Refrain warten oder im Auto zum Beat wippen.
Es wurde einfach zugehört und viel gelacht.
Natürlich kann man einen Podcast auch zuhause hören. Wahrscheinlich sogar bequemer. Aber dann fährt Oliver Pocher normalerweise nicht mit einem E-Scooter am Wohnzimmer vorbei und klettert anschließend auf ein Auto.
In Mannheim konnte so etwas an diesem Abend passieren.
Und genau deshalb funktionierte „Die Pochers hier!“ plötzlich auch auf einem Parkplatz.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













