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Zwölf Jahre waren eine verdammt lange Pause. Am Samstagabend, 15. August 2026, stand Dick Brave wieder in Bad Nauheim auf der Bühne und wurde in der ausverkauften Konzertmuschel der Trinkkuranlage entsprechend laut empfangen. Sein Auftritt gehörte zu den Höhepunkten des 24. European Elvis Festivals, das vom 14. bis 16. August die Kurstadt erneut in ein ziemlich großes Rock’n’Roll-Treffen verwandelte.
Für Dick Brave in Bad Nauheim hätte der Ort kaum besser passen können. Elvis Presley lebte während seines Militärdienstes von 1958 bis 1960 in Bad Nauheim, während er im benachbarten Friedberg stationiert war. Seit 2002 erinnert das European Elvis Festival jedes Jahr an diese Zeit und an seine Musik.
Dick Brave brauchte für diese Verbindung allerdings keine lange Geschichtsstunde. Pomade saß, die Band war bereit. Los ging’s.
Nach seiner komplett ausverkauften „Back for Good“-Clubtour im Frühjahr ist Dick Brave im Sommer 2026 mit der „Back for More“-Tour auf Open-Air- und Festivalbühnen unterwegs. Bad Nauheim war dabei ausdrücklich als einer der besonderen Termine angekündigt worden.
Schon bei „Back for Good“, „Tonight (I Ain’t Rock)“ und „Get the Party Started“ wurde deutlich, dass hier niemand still und ehrfürchtig einer Retroshow zuschauen sollte. Brave erklärte das Konzert kurzerhand zum Mitmach-Konzert. Das Publikum verstand die Ansage.
Es wurde geklatscht, mitgesungen und bei „Be The One“ sogar im Kanon gearbeitet. Dazwischen erzählte Brave kleine Geschichten, reagierte auf Zurufe und ließ immer wieder diesen leicht amerikanisch eingefärbten Humor durchblitzen, der zur Figur gehört, ohne inzwischen wie eine einstudierte Nummer zu wirken.
Der vielleicht persönlichste Satz kam zwischendurch. Brave bedankte sich dafür, nach all den Jahren noch so herzlich empfangen zu werden. Seine Rückkehr hatte 2025 begonnen, im April 2026 folgte dann die erste Clubtour seit der langen Bühnenpause. Alle 17 Termine waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.
Musikalisch funktioniert Dick Brave weiterhin nach einem einfachen Prinzip: bekannte Songs nehmen, alles auseinanderbauen und anschließend so zusammensetzen, als wären sie irgendwann zwischen 1955 und 1962 in einem amerikanischen Diner entstanden.
Das neue Doppelalbum „Back For Good“ war am 23. Januar 2026 erschienen. Neben Comeback-Hymnen enthält es auch Rockabilly-Versionen moderner Hits, darunter Taylor Swifts „Shake It Off“, A-has „Take On Me“ oder „Beautiful Things“ von Benson Boone.
Live funktioniert das noch besser. Bei „Shake It Off“ war die Konzertmuschel längst in Bewegung, und selbst ABBAs „The Winner Takes It All“ bekam seinen Rock’n’Roll-Anstrich. Brave kommentierte die Nummer mit einem Augenzwinkern: Bei den Frauen sei der Song sehr beliebt, bei den Männern meist etwas weniger.
Seine Lösung für die Herren im Publikum fiel knapp aus: „Jungs, da müsst ihr durch.“
Besonders schön wurde es, als Brave von einem Besuch in Memphis erzählte und auf die Aufnahmetechnik der frühen Elvis-Jahre zu sprechen kam. Damals waren die technischen Möglichkeiten begrenzt. Statt unzähliger Spuren und nachträglicher Korrekturen mussten Musiker gemeinsam funktionieren.
Brave und seine Band griffen diesen Gedanken auf der Bühne auf und reduzierten sich bewusst, bevor mit „All Shook Up“ und „(Let Me Be Your) Teddy Bear“ zwei Elvis-Klassiker folgten.
Mehr Verbindung zum Festival brauchte es eigentlich nicht.
Gerade an diesem Ort wirkte das nicht wie ein pflichtbewusster Elvis-Block. Bad Nauheim trägt diese Geschichte an vielen Stellen sichtbar mit sich herum, und das Festival stellt sie jedes Jahr bewusst ins Zentrum.
Später wurde es noch einmal richtig laut. „Summertime Blues“, „High School Confidential“ und „Buona Sera“ führten tiefer in die Rock’n’Roll-Welt, bevor „I’m Still Standing“ fast zwangsläufig zu diesem Comeback passte.
Nicht subtil. Aber passend.
Einen anderen Ton setzte „What’s Love Got to Do with It“. Dick Brave widmete den Song Tina Turner, erinnerte an die Sängerin und schickte Grüße in den Himmel. Danach ging es wieder zurück zur Party.
„Just Can’t Get Enough“, „Take Good Care of My Baby“, „Black or White“ und „Enjoy the Silence“ zeigten noch einmal, wie selbstverständlich sich Brave durch Jahrzehnte Popgeschichte arbeitet.
Mit „Walk This Way“ wurde es zum Ende noch einmal laut und gitarrenlastig. Danach verabschiedete sich Dick Brave mit einem „Kiss Goodnight“ von einem Publikum, das ihn nach zwölf Jahren Pause offensichtlich nicht vergessen hatte.
In einer Stadt, die jedes Jahr für ein Wochenende ganz bewusst den Rock’n’Roll feiert, war dieses Comeback ziemlich gut aufgehoben.
Zugabe:
17. Take Good Care of My Baby
18. Black or White
Zweite Zugabe:
19. Enjoy the Silence
20. Walk This Way
Text & Fotos © Kristina Kuhfs
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