
Carpe Noctem auf Ehrenbreitstein: In Extremo in Koblenz
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Am Freitag, 14. August 2026, passte bei diesem Konzert schon der Ort zur Musik. Hoch über Koblenz, zwischen alten Mauern und mit Blick auf Rhein und Mosel, machten In Extremo auf der Festung Ehrenbreitstein Station. Die „Carpe Noctem – Burgentour 2026“ führte die Band bewusst zurück an historische Spielstätten; für Koblenz war die Sparkassenbühne auf der Festung vorgesehen, als Special Guest stand Fabula im Programm.
Schon der Weg hinauf hatte deshalb etwas von einem Szenenwechsel. Unten die Stadt, oben langsam immer mehr schwarze Shirts, Kilts, Leder, Bandmerch und Menschen, die offensichtlich nicht zum ersten Mal auf ein In-Extremo-Konzert gingen. Und während der Abend über Koblenz dunkler wurde, bekam die Festung genau jene Atmosphäre, die sich bei einer normalen Open-Air-Fläche erst mühsam bauen ließe.
Fabula bringt die Sackpfeifen zuerst auf die Festung
Den Anfang machten Fabula. Eine ziemlich schlüssige Wahl für diesen Abend. Die Formation begleitet In Extremo bei mehreren Terminen der Burgentour 2026 und war für Koblenz offiziell als Special Guest angekündigt.
Mit Sackpfeifen, Trommeln und mittelalterlich geprägten Melodien musste hier nichts künstlich auf historische Kulisse getrimmt werden. Die Mauern standen schließlich schon da.
Fabula nutzten das. Ihr Auftritt wirkte nicht wie der übliche Support, den man pflichtbewusst mitnimmt, während man innerlich längst auf den Headliner wartet. Die Musik bereitete den Boden, ohne In Extremo vorwegzunehmen. Gerade die kräftigen Pipes funktionierten unter freiem Himmel erstaunlich direkt.
Dann Umbau. Die Dunkelheit nahm zu. Vor der Bühne wurde es voller.
In Extremo machen die Festung zum Teil ihrer Show
„Carpe Noctem“ bedeutet: Nutze die Nacht. Ein Tourname, der auf Ehrenbreitstein fast ein bisschen zu passend war.
In Extremo haben ihre Burgentour seit Jahren um genau diese Verbindung gebaut. Mittelalterliche Instrumente, Rockband, historische Orte und eine Show, die Feuer und große Bilder nicht gerade sparsam behandelt. Für 2026 kündigte die Band acht Burgentour-Termine an ausgewählten Burgen und historischen Spielstätten an.
In Koblenz musste die Architektur dabei nicht gegen die Produktion ankämpfen. Sie wurde Teil davon.
Wenn Sackpfeifen auf schwere Gitarren treffen, das Schlagzeug Druck macht und die Stimme des Letzten Einhorns darüberliegt, entsteht dieser typische In-Extremo-Sound, den man kaum mit einer anderen deutschen Band verwechseln kann. Live kommt noch eine körperliche Ebene dazu. Laut. Rau. Mit genügend Wucht, damit selbst die massiven Mauern der Festung nicht nur hübscher Hintergrund bleiben.
Und genau hier merkt man, warum eine Burgentour etwas anderes ist als eine normale Sommerproduktion auf irgendeinem Parkplatz.
Carpe Noctem setzt nicht nur auf die sicheren Klassiker
Die Burgentour 2026 war ausdrücklich nicht als bloße Best-of-Runde angekündigt. In Extremo hatten für das Programm neben den bekannten Klassikern auch Songs ausgegraben, die lange nicht mehr oder seltener auf der Bühne standen. Die Band selbst beschrieb das Konzept als Mischung aus ikonischen Hits, lange nicht gespielten Stücken und Songs, die sie seit Jahren begleiten.
Das tut einem solchen Abend gut.
Nach mehr als drei Jahrzehnten Bandgeschichte wäre es leicht, sich auf die zehn sicheren Nummern zu verlassen, die ohnehin jeder hören möchte. Aber gerade bei In Extremo steckt zu viel Material zwischen Mittelalter, Folk und Rock in der Diskografie, um nur die üblichen Verdächtigen durchzuspielen.
In Koblenz entstand daraus keine nostalgische Rückschau. Die Band wirkte präsent, druckvoll und immer dann am stärksten, wenn die verschiedenen Seiten ihrer Musik direkt aufeinandertrafen: alte Melodien gegen moderne Gitarren, akustische Instrumente gegen massiven Rocksound.
Die Festung Ehrenbreitstein liefert die bessere Kulisse
Viele Rockshows geben viel Geld dafür aus, eine Welt auf die Bühne zu bauen.
Hier war ein großer Teil davon bereits vorhanden.
Die Festung Ehrenbreitstein über Koblenz gehört 2026 erneut zum umfangreichen Festungssommer und dient regelmäßig als Open-Air-Spielstätte. Der In-Extremo-Termin am 14. August war dabei offiziell für 19.30 Uhr angesetzt.
Mit zunehmender Dunkelheit veränderte sich der Ort. Licht wirkte härter, die historischen Mauern traten stärker hervor, und aus einem sommerlichen Open-Air wurde optisch immer mehr jene nächtliche Welt, zu der „Carpe Noctem“ passt.
Das Publikum ging diesen Weg mit. Es wurde gesungen, gefeiert und vor allem sehr genau hingeschaut, wenn Musik und Umgebung für ein paar Minuten tatsächlich zusammenfielen.
Keine künstliche Mittelalterkulisse. Keine Pappburg hinter dem Schlagzeug. Die stand schon seit Jahrhunderten da.
Text & Foto © Jan Heesch













