
Chris Tall in Mannheim: 8.000 lachen über Mutti und Co.
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Eine einzelne Person, ein Mikrofon und eine Bühne, die normalerweise von internationalen Popstars, Eishockeyspielern oder großen Showproduktionen gefüllt wird. Viel mehr braucht Chris Tall gestern Abend nicht. Am 14. Januar 2017 steht der 25-Jährige mit „Selfie von Mutti! Wenn Eltern cool sein wollen…“ in der SAP Arena Mannheim und bringt 8.000 Zuschauer zum Lachen.
Schon nach wenigen Minuten zeigt sich, dass Stand-up auch in einer Arena funktionieren kann. Tall läuft über die Bühne, erzählt, spielt Szenen nach, zieht Grimassen und wechselt ständig zwischen seinen eigenen Erlebnissen und den Personen, die darin vorkommen. Mal ist es die Mutter, dann der Vater, wenig später steht gedanklich die ganze Familie mit auf der Bühne.
Wenn Eltern plötzlich cool sein wollen
Der Titel des Programms trifft das Thema ziemlich genau.
Chris Tall erzählt von Eltern, die Smartphones entdecken, soziale Netzwerke benutzen und unbedingt beweisen möchten, dass sie mit der jüngeren Generation locker mithalten können. Das Problem beginnt meistens dort, wo Mutter oder Vater selbst glauben, besonders modern zu wirken.
Tall kennt diese Situationen genau genug, um sie mit wenigen Sätzen wiederzuerkennen zu lassen.
Das Publikum offenbar auch.
Immer wieder setzt das Lachen schon ein, bevor er eine Szene vollständig zu Ende erzählt hat. Besonders gut funktionieren diese Momente, wenn Tall nicht einfach eine Pointe setzt, sondern eine Unterhaltung komplett nachspielt. Stimme höher, Körperhaltung verändert, Blick zur Seite. Schon steht gefühlt seine Mutter neben ihm.
Ein riesiges Bühnenbild fehlt.
Braucht niemand.
Chris Tall nimmt auch sich selbst auseinander
Der Abend lebt nicht davon, dass ausschließlich andere ihr Fett wegbekommen.
Tall macht sich ebenso über sich selbst lustig. Schule, Freunde, Familie, Aussehen und die kleinen Katastrophen des Alltags liefern ihm genügend Material. Sein Humor kann dabei ziemlich direkt werden, bleibt aber selten lange bei einem Thema stehen.
Ein Gedanke jagt den nächsten.
Gerade das hohe Tempo passt zur großen Halle. Wenn eine Geschichte endet, folgt oft sofort die nächste Beobachtung. Dazwischen reagiert Tall auf sein Publikum, lässt Lacher stehen und wartet manchmal bewusst ein paar Sekunden länger.
Das Timing sitzt.
Mit seinem ersten Soloprogramm „Versetzung gefährdet“ ist er seit 2013 unterwegs, inzwischen hat sich die Dimension deutlich verändert. Eine SAP Arena mit 8.000 Menschen ist eine andere Hausnummer als ein kleiner Comedyclub.
Tall wirkt trotzdem nicht verloren.
Im Gegenteil.
„Darf er das?“ gehört längst zum Abend
Auch Grenzen sind ein Thema.
Chris Tall macht Witze über Menschen und Situationen, bei denen andere Comedians vielleicht vorher dreimal überlegen würden, wie weit sie gehen können. Genau daraus entsteht immer wieder die Frage, die inzwischen eng mit ihm verbunden ist: Darf er das?
Seine Antwort fällt auf der Bühne ziemlich eindeutig aus.
Ja.
Aber Tall funktioniert gerade deshalb, weil er sich selbst von diesem Humor nicht ausnimmt. Wenn alle Ziel einer Pointe werden können, dann eben auch derjenige mit dem Mikrofon.
Die Reaktionen in der SAP Arena zeigen, dass ein großer Teil des Publikums genau wegen dieser Mischung gekommen ist. Manche Pointen lösen kurze Lacher aus, bei anderen rollt das Gelächter durch den Innenraum bis hoch auf die Ränge.
Und dann gibt es diese Sekunden, in denen Tall selbst warten muss, weil er sonst gegen 8.000 Menschen anreden würde.
Von der kleinen Comedybühne in die SAP Arena
Vor wenigen Jahren stand Chris Tall mit seinem ersten Programm noch am Anfang seiner Karriere. 2013 gewann er den RTL Comedy Grand Prix, danach folgten zahlreiche Fernsehauftritte. Jetzt steht er in einer der größten Veranstaltungshallen der Region. Der Mannheimer Termin ist Teil seiner laufenden „Selfie von Mutti!“-Tour, die ihn 2017 durch zahlreiche große Hallen führt.
Dieser Sprung ist an diesem Abend durchaus bemerkenswert.
Denn Stand-up lebt eigentlich von Nähe. Von Gesichtern, direkten Reaktionen, manchmal von einem einzelnen Zuschauer. In der SAP Arena sitzen zwischen Chris Tall und den letzten Reihen ziemlich viele Meter.
Trotzdem kommt der Humor dort an.
Vielleicht auch deshalb, weil die Geschichten bewusst alltäglich bleiben. Fast jeder kennt peinliche Eltern. Fast jeder war selbst einmal derjenige, für den sich andere fremdgeschämt haben. Und spätestens wenn Tall wieder eine Familiengeschichte auspackt, hört man an den Reaktionen, wie viele im Publikum gerade an ihre eigene Mutter oder ihren eigenen Vater denken.
Am Ende braucht es für einen großen Comedy-Abend erstaunlich wenig.
Kein Feuerwerk. Keine Tänzer. Keine gigantische Showkulisse.
Chris Tall, ein Mikrofon und 8.000 Menschen, die ziemlich viel zu lachen haben.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













