
Ehrlich Brothers in Mannheim: Magie in Arena-Dimensionen
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Ein kleines ferngesteuertes Auto steht auf einer Plattform. Ein Tuch kommt darüber, Zuschauer stehen ringsherum und schauen genau hin. Dann beginnt sich der Stoff zu heben. Höher. Noch höher. Sekunden später steht dort ein ausgewachsener Monstertruck. Genau solche Momente sorgen gestern, am 4. März 2017, in der SAP Arena dafür, dass Erwachsene ebenso ungläubig auf die Bühne schauen wie die vielen Kinder neben ihnen.
Die Ehrlich Brothers in Mannheim machen mit ihrer neuen Show „Faszination“ gleich zweimal Station in der Arena. Nachmittags kommen 6.000 Besucher, am Abend sind es 7.500. Andreas und Chris Ehrlich denken Zauberei längst nicht mehr in kleinen Kästen und Kartentricks. Hier geht es um Motorräder, Fahrzeuge, große Apparaturen, Licht, Musik und ordentlich Krach.
Und trotzdem sind es nicht immer die größten Tricks, die am längsten hängen bleiben.
Die Ehrlich Brothers erscheinen einfach auf der Bühne
Schon der Einstieg spielt mit der Frage, die an diesem Abend ständig auftaucht: Wie machen die das?
Auf den Videowänden beginnt die Geschichte in der Werkstatt der Brüder. Von dort wollen sie sich direkt nach Mannheim befördern. Auf der Bühne arbeitet eine seltsame Konstruktion, Licht flackert, die Apparatur bewegt sich. Einen Augenblick später stehen Andreas und Chris plötzlich da.
Der Ton für die nächsten Stunden ist gesetzt.
Zauberei allein reicht den beiden allerdings nicht. Zwischen den Illusionen liefern sie sich ständig kleine Wortgefechte, ziehen einander auf und holen Menschen aus dem Publikum in die Show. Mannheim bekommt dabei reichlich Aufmerksamkeit, Heidelberg ebenfalls, wenn auch nicht immer zu dessen Vorteil.
Das Publikum geht bereitwillig mit. Gerade die Kinder reagieren laut, wenn einer der Brüder wieder behauptet, der andere habe natürlich überhaupt keine Ahnung.
Manchmal zieht sich dieser Comedy-Anteil etwas länger als nötig. Sobald aber die nächste Illusion beginnt, schauen wieder alle nach vorne.
Ein geschrumpfter Bruder und verschwundene Schwiegermütter
Besonders absurd wird es, als Chris plötzlich auf Puppengröße schrumpft.
Was zunächst wie eine klassische Verwandlungsnummer beginnt, entwickelt sich schnell zu einem kleinen Comedy-Stück. Andreas diskutiert mit der Miniaturausgabe seines Bruders, bevor aus dem kleinen Chris irgendwann wieder der richtige wird.
Wenig später müssen mehrere Frauen aus dem Publikum für ein größeres Experiment herhalten. Die Schwiegermütter werden auf der Bühne gemeinsam in einer Konstruktion platziert, Lichtblitze zucken durch die Arena, dann sind sie weg.
Nicht hinter der Bühne.
Am anderen Ende der Halle tauchen sie wieder auf.
Genau diese Einbindung des Publikums macht die Show lebendig. Die ausgewählten Zuschauer sind keine anonymen Statisten. Sie reagieren, reden dazwischen und bringen die sauber geplante Dramaturgie manchmal für ein paar Sekunden aus dem Takt.
Das tut dem Abend gut.
Ein Monstertruck passt tatsächlich auf eine Zauberbühne
Der große Moment vor der Pause gehört dem Monstertruck.
Das kleine Modell auf der Plattform wirkt zunächst fast lächerlich unspektakulär. Dann verschwindet es unter dem Tuch. Als der Stoff immer größer wird, beginnt das Publikum zu ahnen, wohin die Nummer führt.
Nur wie?
Als das Tuch fällt und das riesige Fahrzeug auf der Bühne steht, geht ein deutliches Raunen durch die SAP Arena. Von meinem Platz aus ist genau das der Moment, an dem man automatisch noch einmal hinschaut, obwohl man weiß, dass sich die Lösung vermutlich irgendwo in einer sehr präzisen Bühnentechnik versteckt.
Man sieht sie trotzdem nicht.
Nach der Pause holen die Brüder auch einen bekannten Trick zurück: Chris fährt mit einem Motorrad scheinbar direkt aus einem überdimensionalen Tablet heraus. Die Nummer bekommt diesmal eine persönlichere Note, denn sie erinnert an ihren verstorbenen Vater, mit dem die Brüder an diesem Kunststück gearbeitet haben.
Kurz darauf wird es viel kleiner. Aus Draht entsteht vor den Augen des Publikums ein Herz.
Kein tonnenschweres Fahrzeug. Kein großer Knall.
Und gerade deshalb stark.
Zwischen Löwenkäfig, Säge und fliegendem Buggy
In der zweiten Hälfte wird die Show wieder größer und schräger.
Ein Käfig steht auf der Bühne, Chris landet im Löwenkostüm darin und die Brüder spielen mit der klassischen Idee, einen Zaubertrick scheinbar erklären zu wollen. Natürlich führt die Erklärung genau nirgendwohin. Am Ende stehen Andreas und Chris plötzlich außerhalb des Käfigs.
Später erwischt es Andreas.
Eine riesige Säge trennt ihn scheinbar in zwei Hälften. Chris hat mit den abgetrennten Beinen seines Bruders sichtbar mehr Spaß, als Andreas lieb sein dürfte. Selbst ein Hoverboard kommt zum Einsatz.
Albern?
Völlig.
Das Publikum lacht trotzdem.
Für das Finale hängt schließlich ein Buggy hoch über der Bühne. Licht, Musik, Bewegung. Plötzlich geht alles sehr schnell, die Brüder verschwinden aus der Szenerie und tauchen mit einem lauten Effekt weit hinten in der Halle wieder auf.
Damit ist endgültig klar, in welcher Größenordnung die Ehrlich Brothers ihre Zauberei inzwischen präsentieren.
Faszination funktioniert auch ohne Erklärung
Nicht jeder Moment braucht diese Arena-Dimension. Einige der kleineren Illusionen sind aus der Entfernung schwerer zu verfolgen, und manchmal nimmt die Comedy der eigentlichen Magie etwas zu viel Platz weg.
Wenn die Tricks aber sitzen, passiert genau das, weshalb tausende Menschen an diesem Samstag in die SAP Arena gekommen sind.
Man sucht nach der Lösung.
Unter der Plattform? Im Bühnenboden? Projektion? Ablenkung?
Beim Monstertruck schaut man zweimal hin. Beim verschwundenen Publikum gleich noch einmal. Und wenn sich ein Stück Draht scheinbar ohne Berührung verändert, hilft selbst die beste Entfernung zur Bühne nicht weiter.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures














