
Eric Fish & Friends in Frankfurt: Anders sein im Sommergarten
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Konzerte im Sommer 2020 keine Selbstverständlichkeit. Große Hallen blieben leer, Tourneen verschwanden aus den Kalendern und selbst erfahrene Musiker wussten oft nicht, wann sie wieder regulär auf einer Bühne stehen würden. Umso besonderer war der 19. Juli 2020, als Eric Fish & Friends in Frankfurt die Sommerbühne der Batschkapp bespielten. Das Open-Air-Konzert begann um 19.30 Uhr und bildete den Abschluss eines kurzfristig angesetzten Wochenendes mit Auftritten in Magdeburg, Kaiserslautern und Frankfurt.
Der Rahmen war deutlich kleiner als bei einem normalen Batschkapp-Abend. Genau darin lag aber ein Teil der Qualität. Unter freiem Himmel, bei gutem Wetter und mit den damals notwendigen Abständen rückten die Songs stärker in den Mittelpunkt. Keine große Produktion, kein überladener Bühnenaufbau. Eric Fish und seine Mitmusiker konzentrierten sich auf Stimmen, akustische Instrumente und Texte.
Neue Songs von „Gezeiten“ treffen auf ältere Stücke
Der Auftritt kam nur wenige Wochen vor einer neuen Veröffentlichung. Am 21. August 2020 sollte „Gezeiten“ erscheinen, das neue Album von Eric Fish & Friends mit 13 deutschsprachigen Songs. Entsprechend nutzte die Band den Frankfurter Abend, um bereits Material daraus live vorzustellen.
Das Quartett bestand in dieser Phase aus Eric Fish an Gesang und verschiedenen Saiteninstrumenten, Gerit Hecht an Klavier und Akkordeon, Rainer Michalek an Gitarren und Mundharmonika sowie Friedemann Mäthger am Schlagzeug.
Musikalisch bedeutete das keinen radikalen Bruch mit den vorherigen Veröffentlichungen. Eric Fish & Friends arbeiteten weiterhin mit akustisch geprägten Arrangements, mehrstimmigem Gesang und viel Raum für die Texte. Auf „Gezeiten“ rückten Themen wie Veränderung, Unsicherheit und gesellschaftliche Spannungen stärker in den Vordergrund. Gerade in diesem Sommer bekamen solche Stücke zwangsläufig noch eine zusätzliche Bedeutung.
Eric Fish braucht keine große Metal-Bühne
Wer Eric Fish ausschließlich als Frontmann von Subway to Sally kennt, erlebt bei seinen eigenen Konzerten einen deutlich anderen Musiker. Hier fehlen die schweren Gitarrenwände und die große Metal-Inszenierung. Dafür gewinnen Sprache und Dynamik an Gewicht.
Im Batschkapp-Sommergarten funktionierte diese reduzierte Form besonders gut. Gitarren und Bouzouki standen neben Piano, Akkordeon und Mundharmonika, während das Schlagzeug den Songs genügend Fundament gab. Die Arrangements wirkten bewusst offen und ließen den einzelnen Instrumenten Platz.
Das Publikum hörte entsprechend genau hin. Bei älteren Stücken wurde mitgesungen, neue Titel wurden aufmerksam aufgenommen. Gerade diese Mischung verhinderte, dass der Abend zu einer bloßen Präsentation des kommenden Albums wurde.
Die Corona-Pause bleibt trotzdem präsent
Ganz ausblenden ließ sich die Situation des Jahres 2020 nicht.
Auch für Musiker mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung bedeuteten die damaligen Einschränkungen plötzlich abgesagte Termine, fehlende Planungssicherheit und lange Phasen ohne direkten Kontakt zum Publikum. Bei Eric Fish war zu spüren, dass diese Monate nicht einfach an ihm vorbeigegangen waren.
Er sprach zwischen den Songs über die außergewöhnliche Situation und darüber, was es mit einem Musiker macht, wenn Termine aus einem eigentlich vollen Kalender verschwinden. Das bekam an diesem Abend mehr Gewicht als eine übliche Konzertansage.
Gerade deshalb wirkte der Auftritt nicht wie ein routiniert abgespieltes Sommerkonzert.
Hier standen Musiker auf einer Bühne, die froh waren, überhaupt wieder vor Menschen spielen zu können. Und davor saß ein Publikum, das genau dasselbe Gefühl offenbar teilte.
Ein kleiner Abend mit viel musikalischem Raum
Eric Fish betreibt sein Liedermacherprojekt bereits seit Ende der 1990er-Jahre parallel zu Subway to Sally. Veröffentlichungen wie „Anders sein“, „Alles im Fluss“, „Kaskade“ oder „Mahlstrom“ hatten längst einen eigenen musikalischen Kosmos geschaffen, bevor 2020 „Gezeiten“ folgte.
In Frankfurt musste deshalb niemand beweisen, dass dieses Projekt mehr als eine Nebenbeschäftigung eines Metal-Sängers ist.
Die Songs funktionierten auch ohne große Bühne. Vielleicht sogar gerade deshalb besonders gut.
Nach Monaten, in denen Livemusik fast vollständig aus dem Alltag verschwunden war, reichten an diesem Sonntagabend ein paar Instrumente, Stimmen und ein überschaubarer Platz im Batschkapp-Sommergarten. Mehr brauchte es nicht, um wieder daran erinnert zu werden, warum ein Konzert vor echten Menschen etwas anderes ist als ein Stream aus dem Wohnzimmer.
Text & Foto © Jan Heesch














