
Völkerball in Mannheim: Feuer frei beim CARStival
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Am 23. Juli 2020 stand Völkerball beim CARStival auf dem Mannheimer Maimarktgelände auf der Bühne. Ein Rammstein-Tribute im Autokino klingt zunächst nach einer ziemlich ungewöhnlichen Kombination. Schließlich lebt diese Musik von Druck, Hitze und einer Show, bei der Feuer und Licht fast genauso wichtig sind wie die Gitarren. Doch genau dieser Gegensatz machte den Abend interessant. Das Maimarktgelände bestätigte Völkerball für diesen Donnerstag als Teil des CARStivals.
Statt dicht gedrängter Fans vor der Bühne standen Autos auf dem Gelände. In den vorderen Bereichen gab es zusätzlich kleine Lounges, von denen aus die Besucher die Show außerhalb ihrer Fahrzeuge verfolgen konnten. Komplett gefüllt war das Gelände an diesem Abend zwar nicht, die Reaktionen auf der Bühne kamen trotzdem an.
Völkerball bringen Feuer auf das Maimarktgelände
Zurückhaltung gehört bei Völkerball ohnehin nicht zum Konzept. Die 2008 gegründete Band um Frontmann René Anlauff hat sich darauf spezialisiert, die Musik von Rammstein mit eigener Liveproduktion auf die Bühne zu bringen. Pyrotechnik, Licht, Kostüme und ein industriell wirkendes Bühnenbild gehören fest dazu. Mehr als 500 Shows hatte die Formation nach eigenen Angaben bereits absolviert.
In Mannheim bekam diese Produktion eine Kulisse, die man so schnell nicht vergisst. Flammen schossen über die Bühne, Nebel zog zwischen den Musikern hindurch und dahinter standen Reihen von Fahrzeugen. Wer weiter hinten parkte, bekam das Geschehen zusätzlich über die große CARStival-Technik mit.
Gerade bei einer Show wie dieser spielte die Optik eine wichtige Rolle. Wo bei einem normalen Rockkonzert die Menschenmenge selbst Teil des Bildes wird, mussten in Mannheim Licht, Bewegung und Pyrotechnik noch stärker arbeiten.
Das taten sie.
René Anlauff hält die Show zusammen
Im Zentrum stand René Anlauff. Tiefe Stimme, kontrollierte Bewegungen und eine Bühnenfigur, die sich deutlich an Till Lindemann orientiert, ohne dass Völkerball einfach versucht, das Original eins zu eins zu kopieren.
Das wäre ohnehin der falsche Blick auf diese Band.
Völkerball leben davon, dass jeder im Publikum weiß, worauf die Show Bezug nimmt. Trotzdem stehen dort Musiker, die dieses Programm seit Jahren gemeinsam spielen und ihre eigene Routine entwickelt haben. Gerade Anlauff bewegt sich so selbstverständlich durch die verschiedenen Rollen und Inszenierungen, dass wenig davon nach bloßer Nachahmung aussieht.
Dass Pyrotechnik und Lichtshow zentrale Bestandteile des Völkerball-Konzepts sind, beschreibt die Band auch selbst ausdrücklich.
„Du hast“, „Amerika“ und „Du riechst so gut“
Musikalisch führte der Abend durch bekannte Stücke aus dem Rammstein-Katalog. Für den Mannheimer Auftritt sind unter anderem „Du hast“, „Amerika“ und „Du riechst so gut“ dokumentiert.
Bei diesen Songs brauchte es keine lange Anlaufzeit.
Aus den Fahrzeugen wurde mitgesungen, nach den Titeln meldeten sich Hupen und Scheinwerfer. Das war mittlerweile die eigene Sprache des CARStivals geworden. Bei Popkonzerten wirkte dieser Applaus manchmal noch etwas befremdlich. Bei Völkerball passte das Chaos aus Licht, Hupe, Feuer und schwerem Sound erstaunlich gut zusammen.
Natürlich fehlte trotzdem etwas.
Kein Moshpit, keine Menschen direkt am Bühnengraben, niemand, der sich durch die ersten Reihen nach vorne schob. Ein Metal-Konzert lässt sich eben nicht vollständig auf einen Parkplatz übertragen.
Aber für diesen einen Sommer musste es auch nicht perfekt sein.
Feuer bei Tageslicht ist anders, aber nicht weniger spektakulär
Eine kleine Besonderheit brachte die Jahreszeit mit sich. Ein großer Teil der Show fand noch bei sommerlichem Restlicht statt. Dadurch wirkten die Flammen zunächst anders als in einer dunklen Halle. Erst mit zunehmender Dämmerung kamen Licht und Feuer stärker zur Geltung. Auch zeitgenössische Berichte heben hervor, dass die Pyrotechnik bei Tageslicht zunächst weniger dominant wirkte.
Dafür konnte man die Details auf der Bühne gut verfolgen.
Kostüme, Bewegungen und das Zusammenspiel der Musiker standen stärker im Vordergrund. Später, als es dunkler wurde, veränderte sich das Bild ohnehin. Die Flammen zeichneten sich deutlicher gegen den Himmel ab, Nebel und Licht bekamen mehr Tiefe und aus dem nüchternen Maimarktgelände wurde für eine Weile doch noch eine ziemlich große Rockbühne.
Ein Autokonzert, das nicht klein wirken wollte
Das CARStival war 2020 aus einer Situation entstanden, in der normale Konzerte praktisch unmöglich waren. Genau deshalb war es spannend zu sehen, welche Künstler das Format lediglich akzeptierten und welche versuchten, daraus etwas Eigenes zu machen.
Völkerball gehörten eindeutig zur zweiten Gruppe.
Die Band reduzierte ihre Show nicht auf ein paar Songs und etwas Licht. Feuer, Bühneninszenierung und der schwere Sound blieben wesentliche Bestandteile des Abends. Dass die Formation im Corona-Sommer gleich mehrere Autokonzerte spielte, zeigt, wie konsequent sie dieses ungewöhnliche Format nutzte. Mannheim stand am 23. Juli auf dem Tourplan, einen Tag später folgte das apoCARlypse-Autokonzert in Homberg.
Am Ende blieb ein Bild hängen, das ziemlich genau zu diesem Konzertsommer passte: vorne René Anlauff zwischen Feuer und Nebel, dahinter Fans in Autos, die mit Hupen und Scheinwerfern antworteten. Normal war daran wenig.
Aber endlich war wieder Live-Musik da.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













