Die Fantastischen Vier am 17. Januar 2015 bei der Rekord-Tour in der SAP Arena Mannheim

Die Fantastischen Vier in Mannheim: Rekord-Nacht mit 10.000 Fans

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Die Hauptbühne war noch gar nicht der Mittelpunkt, als die ersten Beats durch die SAP Arena gingen. Plötzlich standen Smudo, Thomas D und Michi Beck auf einem kleinen Podest mitten im Publikum, „25“ setzte ein und wenige Augenblicke später regnete goldener Konfettiflitter auf die Fans herab. Besser hätte dieser 17. Januar 2015 kaum beginnen können. Rund 10.000 Menschen waren zur nachträglich angesetzten Mannheimer Zusatzshow der „Rekord“-Tour gekommen, und schon beim ersten Song war an Sitzenbleiben auf den Rängen kaum noch zu denken. Die Fantastischen Vier in Mannheim hatten gerade erst angefangen, aber die Arena war bereits mittendrin.

Für mich war dieser Einstieg auch fotografisch stark. Statt weit entfernt auf die große Bühne zu schauen, musste man erst einmal herausfinden, wo die Fantas überhaupt auftauchen würden. Dann Konfetti, hochgerissene Arme, Smartphones über den Köpfen und mittendrin drei Rapper, die nach 25 Jahren Bandgeschichte offensichtlich noch immer Spaß daran hatten, ihr Publikum zu überraschen. Von Müdigkeit oder Jubiläumsroutine war jedenfalls nichts zu sehen.

LARY eröffnet den Abend in der SAP Arena

Bevor die Fantastischen Vier ihre „Rekord“-Show starteten, gehörte die Bühne LARY. Die Sängerin und Songwriterin war als Support für den Mannheimer Zusatztermin angekündigt und brachte ihren eigenwilligen Mix aus Pop, Soul und elektronischen Elementen mit. Danach wurde umgebaut, die Spannung im Innenraum stieg und gegen 21 Uhr begann die eigentliche Show.

Der Mannheimer Termin war ursprünglich überhaupt nicht Teil des Tourplans gewesen. Erst wegen der großen Nachfrage wurde die SAP Arena zusammen mit weiteren Zusatzshows aufgenommen. Eine ziemlich richtige Entscheidung: Die Halle war voll, und die Fantas trafen auf ein Publikum, das sie wenige Monate zuvor bereits beim Rock’n’Heim auf dem Hockenheimring gefeiert hatte. Jetzt gab es statt Festivalset die komplette Arenashow.

Mit „Rekord“ beginnt ein neues Kapitel

Nach dem Auftakt mitten im Publikum ging es auf die große Bühne. Dort rückte natürlich das aktuelle Album „Rekord“ in den Mittelpunkt, das am 24. Oktober 2014 erschienen war und Platz eins der deutschen Albumcharts erreicht hatte. Für Smudo, Michi Beck, Thomas D und And.Ypsilon war es zugleich das Album zum 25-jährigen Bandjubiläum. Neue Stücke standen deshalb selbstverständlich neben Songs, die längst ein Stück deutsche Hip-Hop-Geschichte geworden waren.

Gerade dieser Wechsel funktionierte live. Die neuen Nummern bekamen ihre große Arenaproduktion, doch sobald bekannte Melodien einsetzten, brauchte es keine Sekunde Anlauf. „MfG“, „Tag am Meer“ und „Troy“ gehörten zu den Klassikern, bei denen die SAP Arena geschlossen reagierte. Tausende Stimmen übernahmen Textzeilen, während Smudo und Michi Beck permanent unterwegs waren und Thomas D mit seiner ganz eigenen Präsenz dagegenhielt.

Beim Fotografieren konnte man sich kaum auf einen Punkt festlegen. Einer war gerade links am Bühnenrand, während der nächste schon wieder auf der anderen Seite mit dem Publikum spielte. Und irgendwo dahinter hielt And.Ypsilonmusikalisch alles zusammen. Die Fantastischen Vier waren eben nie die klassische Formation mit Frontmann und Begleitband. Gerade live lebt das Ganze vom ständigen Wechsel der Stimmen, Rollen und Bewegungen.

„MfG“, „Tag am Meer“ und „Troy“ holen 25 Jahre zurück

25 Jahre sind eine verdammt lange Zeit im Hip-Hop. Bei den Fantastischen Vier war daraus bis 2015 ein Katalog entstanden, bei dem mehrere Generationen ihre eigenen Erinnerungen mitbrachten. Manche hatten die Band schon Anfang der Neunziger mit „Die da!?“ entdeckt, andere waren später mit „MfG“, „Sie ist weg“, „Troy“ oder den neueren Alben dazugekommen. In Mannheim stand diese Geschichte nicht ordentlich nach Jahren sortiert auf der Bühne. Alt und neu liefen ineinander.

Das machte den Abend angenehm lebendig. Es gab keinen Block, in dem nostalgisch die frühen Jahre abgearbeitet wurden, bevor man pflichtbewusst zum aktuellen Album zurückkehrte. Die Klassiker tauchten immer wieder zwischen dem neuen Material auf und sorgten sofort für diese besonderen Arenamomente, in denen ein Song plötzlich gar nicht mehr nur von der Bühne kommt. Bei „Tag am Meer“ oder „MfG“ wusste ohnehin fast jeder, was zu tun war.

Und dann war da immer wieder dieser Humor. Die Fantas nehmen sich musikalisch ernst, sich selbst aber glücklicherweise nicht permanent. Kleine Gesten, kurze Sprüche und das Zusammenspiel zwischen Smudo, Michi Beck und Thomas D hielten die Show locker, selbst wenn hinter ihnen eine große Arenaproduktion arbeitete.

10.000 Fans feiern die Fantastischen Vier

Von meinem Platz mit der Kamera ließ sich besonders gut sehen, wie weit diese Musik inzwischen reichte. Innenraum, Unterrang, Oberrang: Überall gingen die Hände hoch. Die SAP Arena verzeichnete für diesen Abend rund 10.000 Besucher und erinnerte später besonders an den Auftakt mit „25“ und der Konfettikanone.

Das war längst keine kleine Hip-Hop-Party mehr, aber die Fantastischen Vier schafften es trotzdem, dass die Show nicht komplett in der Größe der Halle verschwand. Vielleicht lag es an dem Einstieg mitten zwischen den Fans. Vielleicht an Songs, die einen seit Jahren begleiten. Wahrscheinlich an beidem.

25 Jahre nach ihren Anfängen standen die Fantas am 17. Januar 2015 in einer vollen SAP Arena und mussten niemandem beweisen, dass deutschsprachiger Hip-Hop eine große Bühne tragen kann. Das hatten sie längst erledigt.

Mannheim bekam dafür Konfetti, „MfG“, „Troy“, „Tag am Meer“ und einen Samstagabend, an dem auf den Rängen erstaunlich wenig gesessen wurde.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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