Rob Fowler als Frank’n’Furter bei der Rocky Horror Show am 2. Januar 2015 im Rosengarten Mannheim

Rocky Horror Show in Mannheim: Time Warp im Rosengarten

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Strapse, Korsetts, schrilles Make-up und erstaunlich viele Besucher, die selbst aussahen, als könnten sie jederzeit auf die Bühne wechseln. Viel Zeit zum langsamen Ankommen blieb am 2. Januar 2015 nicht. Zum Auftakt des neuen Jahres gastierte Richard O’Brien’s Rocky Horror Show in Mannheim und verwandelte den ausverkauften Mozartsaal des Rosengartens für rund zwei Stunden in jene herrlich verrückte Welt, in der normale Regeln ohnehin wenig zählen. Mannheim war vom 2. bis 4. Januar mit insgesamt fünf Vorstellungen eine Station der großen Europa-Tournee 2014/2015.

Schon vor Beginn war klar, dass hier ein anderes Publikum saß als bei einem gewöhnlichen Musical. Viele waren passend zur Show kostümiert, Netzstrümpfe und auffälliges Make-up gehörten beinahe zum Dresscode. Die traditionellen Rocky-Horror-Utensilien wurden allerdings am Eingang teilweise aussortiert: Klopapier, Toast, Reis und Wasserpistolen mussten draußen bleiben. Das tat der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil.

„Science Fiction/Double Feature“ öffnet die Tür

Pünktlich um 20 Uhr stand zunächst Maria Franzén allein auf der Bühne. Als Usherette eröffnete sie mit „Science Fiction/Double Feature“ und setzte damit sofort den Ton für einen Abend, der musikalisch irgendwo zwischen Rock’n’Roll, Glam Rock, Musical und gepflegtem Wahnsinn pendelte. Danach landeten Brad und Janet, gespielt von David Ribi und Harriet Bunton, nach einer Autopanne bekanntlich dort, wo zwei brave junge Menschen besser niemals klingeln sollten.

Das Bühnenbild machte den Übergang in Frank’n’Furters Welt mit. Treppen, Türen, Labor und immer neue Ebenen gaben der Inszenierung genügend Raum, ohne die Darsteller zu verschlucken. Vor der Kamera waren es ohnehin weniger die großen Kulissen, die hängen blieben, sondern Gesichter, Kostüme und Körperhaltung. Hier wurde nicht zurückhaltend gespielt. Alles durfte eine Nummer größer sein.

Rob Fowler gehört die Bühne als Frank’n’Furter

Und dann kam Rob Fowler. Korsett, Netzstrümpfe, High Heels und eine Präsenz, die den Mozartsaal innerhalb weniger Augenblicke auf ihn konzentrierte. Fowler hatte Frank’n’Furter bereits auf früheren Tourneen gespielt und war für die Produktion 2014/2015 erneut für die Rolle verpflichtet worden. Man verstand schnell, warum. Er spielte den exzentrischen Hausherrn offensiv, körperlich und mit genau der Mischung aus Verführung, Größenwahn und Selbstironie, die diese Figur braucht.

Gerade fotografisch war Frank’n’Furter natürlich ein Geschenk. Ein Blick. Eine Pose. Im nächsten Moment wieder die Hand an der Hüfte und dieses selbstbewusste Stolzieren auf hohen Absätzen. Fowler beherrschte die Übertreibung, ohne dass die Figur zur bloßen Karikatur wurde. Selbst kleine deutsche Einwürfe nutzte er, um zusätzliche Lacher aus dem Mannheimer Publikum zu holen.

Sky du Mont bekommt die traditionellen Zwischenrufe ab

Einen besonderen Part hatte Sky du Mont übernommen. Als Erzähler führte er durch die Geschichte und durfte erleben, dass sich ein Rocky-Horror-Publikum eben nicht still anhört, was ihm von der Bühne erzählt wird. Noch bevor er richtig loslegen konnte, flogen bereits die traditionellen „Boring“-Rufe durch den Mozartsaal. Du Mont reagierte darauf trocken und souverän. Genau so muss es bei dieser Show sein.

Diese Beteiligung des Publikums gehört zur Rocky Horror Show wie Frank’n’Furters Korsett. Kommentare werden zurückgerufen, bestimmte Szenen erwartet und Songs längst nicht nur angehört. Dadurch entsteht eine merkwürdige Mischung aus Musical und Party, bei der die Grenze zwischen Bühne und Saal immer wieder löchrig wird. Wer zum ersten Mal dabei ist, wundert sich vielleicht. Die Fans warten genau darauf.

Riff Raff, Magenta und Rocky machen den Wahnsinn komplett

Mit Stuart Matthew Price als Riff Raff, Maria Franzén als Magenta, Hannah Cadec als Columbia, Vincent Gray als Rocky und Charles Brunton in der Doppelrolle Eddie und Dr. Scott war die Tourbesetzung stark aufgestellt. Price machte aus Riff Raff diese herrlich windschiefe Figur, die schon durch ihre Bewegungen signalisiert, dass in diesem Schloss etwas grundsätzlich nicht stimmt. Charles Brunton setzte als Dr. Scott noch eine weitere Portion Exzentrik obendrauf.

Die eigentliche Hauptfigur blieb trotzdem die Show selbst. „Sweet Transvestite“, „Dammit Janet“, „Touch-a, Touch-a, Touch-a, Touch Me“ und natürlich „The Time Warp“ sind längst viel größer als ein gewöhnlicher Musical-Soundtrack. Sie gehören zur Popkultur. Live bekommen diese Songs noch einmal eine andere Wucht, weil ein großer Teil des Publikums längst weiß, wann mitgeklatscht, gerufen oder aufgestanden wird.

Beim „Time Warp“ hält es niemanden mehr

Nach rund zwei Stunden war im Mozartsaal ohnehin kaum noch etwas von einem klassischen Theaterabend übrig. Der Applaus hielt an, die Darsteller kamen zurück und natürlich gab es noch einmal „Time Warp“. Jetzt standen die meisten Besucher sowieso. Also wurde getanzt.

Genau dieser Schluss passte. Die Rocky Horror Show lebt seit Jahrzehnten davon, dass sie sich nie besonders darum gekümmert hat, was sich für ein Musical gehört. Sex, Glam Rock, Science-Fiction, B-Movie-Horror und eine Geschichte, die völlig hemmungslos von einer Absurdität zur nächsten springt. Die Tour 2014/2015 brachte Rob Fowler erneut als Frank’n’Furter auf die Bühne und machte vom 2. bis 4. Januar fünfmal im Mannheimer Rosengarten Station.

Am ersten Abend reichte ein Blick durch den Mozartsaal: Menschen standen, tanzten und feierten.

„Let’s do the Time Warp again.“

Musste man ihnen wirklich nicht zweimal sagen.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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