Billie Joe Armstrong mit Green Day bei der Revolution Radio Tour am 18. Januar 2017 in Mannheim

Green Day in Mannheim: Punkrock ohne Verschnaufpause

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„Bohemian Rhapsody“ läuft durch die SAP Arena, danach übernehmen die Ramones mit „Blitzkrieg Bop“. Noch steht Green Day nicht auf der Bühne und trotzdem singen und klatschen die Ränge bereits mit. Als schließlich Ennio Morricones „The Good, the Bad and the Ugly“ erklingt, ist die Spannung kaum noch zu übersehen. Wenige Augenblicke später stürmen Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool los.

Am 18. Januar 2017 starten Green Day in Mannheim ihre Deutschlandtour zur aktuellen Platte „Revolution Radio“. Mehr als 11.000 Fans sind in die SAP Arena gekommen, offiziell werden 11.200 Besucher gezählt. Nach Mannheim folgen noch Berlin und Köln.

The Interrupters bringen Ska-Punk in die SAP Arena

Bevor Green Day übernehmen, gehört die Bühne The Interrupters aus Los Angeles.

Das Quartett um Sängerin Aimee Interrupter setzt auf Ska-Punk mit reichlich Tempo und einer rauen Stimme, die auch in der großen Arena nicht untergeht. Die ersten Reihen bewegen sich früh, auch wenn zu diesem Zeitpunkt natürlich noch längst nicht die Energie herrscht, die später beim Hauptact durch die Halle gehen wird.

Als Einstieg funktioniert das gut. Gitarren, Offbeat, wenig Schnickschnack.

The Interrupters sind für die komplette Green-Day-Tour als Special Guest dabei und eröffnen auch den deutschen Auftakt in Mannheim.

Dann wird umgebaut.

Jetzt wartet alles auf Green Day.

Billie Joe Armstrong holt die Fans auf die Bühne

Mit „Know Your Enemy“ geht es sofort los. Armstrong braucht keine lange Begrüßung, sondern zieht die SAP Arena innerhalb weniger Minuten in die Show hinein.

Und zwar wörtlich.

Schon beim ersten Song holt er einen Fan auf die Bühne, der Teile des Stücks mitsingen darf. Später bei „Longview“passiert das gleich noch einmal. Bei „Knowledge“, dem Operation-Ivy-Cover, bekommt schließlich ein Zuschauer sogar eine Gitarre in die Hand.

Diese Nähe ist kein kleines Beiwerk. Sie prägt den ganzen Abend.

Armstrong rennt von einer Bühnenseite zur anderen, dirigiert die Menge, lässt Refrains übernehmen und verlangt ständig mehr Lautstärke. Eine Arena mit über 11.000 Menschen fühlt sich dadurch zeitweise erstaunlich klein an.

Nach „Know Your Enemy“ folgen „Bang Bang“ und der Titelsong „Revolution Radio“. Das neue Album ist präsent, aber Green Day lassen ihre älteren Songs nicht lange warten.

„Holiday“. „Letterbomb“. „Boulevard of Broken Dreams“.

Jetzt singt Mannheim geschlossen mit.

Basket Case und When I Come Around holen die Neunziger zurück

Spätestens im Mittelteil wird klar, wie viele Generationen hier vor der Bühne stehen.

Mit „When I Come Around“, „Burnout“, „Basket Case“ und „She“ greifen Green Day tief in ihre Neunzigerjahre zurück. Besonders die Songs aus „Dookie“ brauchen keine Anlaufzeit. Die ersten Gitarrenakkorde reichen und die Reaktion kommt aus der ganzen Arena.

Billie Joe Armstrong ist dabei kaum einmal still.

Gitarrensprung. Ansage. Publikum anfeuern. Weiter.

Mike Dirnt liefert am Bass den gewohnt druckvollen Unterbau, während Tré Cool hinter dem Schlagzeug dafür sorgt, dass selbst die älteren Stücke nichts von ihrer Geschwindigkeit verlieren.

Bei „Minority“ wird die Band vorgestellt, wenig später folgen „Are We the Waiting“ und „St. Jimmy“. Das Konzert bleibt ständig in Bewegung.

Zwischen Revolution Radio und American Idiot

Natürlich wird es politisch.

Green Day haben damit nie hinterm Berg gehalten und „Revolution Radio“ ist eine Platte, die sich deutlich mit der Stimmung in den USA auseinandersetzt. Doch Armstrong hält an diesem Abend keine langen Vorträge. Die Botschaften stecken vor allem in den Songs.

Das Publikum reagiert ohnehin am stärksten auf die Musik.

Nach „King for a Day“ wird die Setlist kurz zum großen musikalischen Durcheinander. „Shout“ trifft auf „Always Look on the Bright Side of Life“, die Rolling Stones und „Hey Jude“. Gerade noch Punkrock, ein paar Sekunden später singt die SAP Arena Beatles.

Dann folgen mit „Still Breathing“ und „Forever Now“ wieder zwei Stücke des aktuellen Albums.

Nach gut zwei Stunden verschwinden Green Day erstmals von der Bühne.

Lange dauert die Pause nicht.

American Idiot bringt die Arena noch einmal zum Explodieren

Die Zugabe beginnt mit einem Riff, auf das viele gewartet haben.

„American Idiot“.

Die Halle springt sofort wieder an. Direkt danach folgt das mehrteilige „Jesus of Suburbia“, einer der großen Songs des gleichnamigen Erfolgsalbums von 2004.

Doch Green Day sind noch nicht fertig.

Für die zweite Zugabe wird die Bühne deutlich ruhiger. Armstrong kommt mit „Ordinary World“ zurück und beendet den Abend schließlich mit „Good Riddance (Time of Your Life)“.

Nach all dem Lärm plötzlich Akustikgitarre.

Ein ziemlich guter Gegensatz.

Rund zweieinhalb Stunden zuvor hat alles mit Queen, Ramones und einem Western-Thema vom Band begonnen. Jetzt steht Billie Joe Armstrong fast allein vorne und tausende Menschen singen ein letztes Mal mit.

Der deutsche Auftakt der „Revolution Radio Tour“ ist damit vorbei.

Mannheim dürfte morgen noch heiser sein.

Setlist von Green Day in Mannheim

  1. Know Your Enemy
  2. Bang Bang
  3. Revolution Radio
  4. Holiday
  5. Letterbomb
  6. Boulevard of Broken Dreams
  7. Longview
  8. Youngblood
  9. 2000 Light Years Away
  10. Hitchin’ a Ride
  11. When I Come Around
  12. Burnout
  13. Scattered
  14. Minority
  15. Are We the Waiting
  16. St. Jimmy
  17. Knowledge
  18. Basket Case
  19. She
  20. King for a Day
  21. Shout / Always Look on the Bright Side of Life / (I Can’t Get No) Satisfaction / Hey Jude
  22. Still Breathing
  23. Forever Now

Zugabe:

  1. American Idiot
  2. Jesus of Suburbia

Zweite Zugabe:

  1. Ordinary World
  2. Good Riddance (Time of Your Life)

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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