Hans Klok am 10. Januar 2016 mit seiner Illusionsshow „The New Houdini“ im Rosengarten Mannheim

Hans Klok in Mannheim: Magie im Sekundentakt

Beitrag teilen

Eine Assistentin verschwindet in einer Kiste. Sekunden später steht sie wieder auf der Bühne. Menschen schweben, werden scheinbar durchbohrt oder tauchen dort auf, wo sie eigentlich überhaupt nicht sein können. Viel Zeit zum Nachdenken lässt Hans Klok in Mannheim seinem Publikum am 10. Januar 2016 nicht. Im Rosengarten feuert der niederländische Illusionist mit „The New Houdini“ einen Trick nach dem anderen ab und macht Geschwindigkeit zum wichtigsten Bestandteil seiner Show. Kaum hat das Auge verstanden, was gerade passiert sein könnte, läuft längst die nächste Illusion. Genau darin liegt der Reiz dieses Abends.

Die Produktion ist weit mehr als eine klassische Zaubervorstellung. Klok verbindet Großillusionen mit Entfesselungsnummern, Tanz, Akrobatik und internationaler Varietékunst. Rund zweieinhalb Stunden dauert die Vorstellung inklusive Pause. Dazwischen bleibt genügend Zeit für Humor und Selbstironie, doch das Tempo fällt nur selten wirklich ab. „The New Houdini“ ist bewusst als große Hommage an Harry Houdini angelegt, jenen legendären Entfesselungskünstler, der Gefahr zum Bestandteil seiner Auftritte machte.

Zwischen Harry Houdini und moderner Las-Vegas-Show

Hans Klok versucht nicht, Houdini einfach nachzuspielen. Stattdessen nimmt er dessen Idee von Gefahr und Spektakel und übersetzt sie in eine moderne Bühnenshow. Große LED-Flächen, dramatische Musik, Tänzerinnen und schnelle Szenenwechsel geben dem Rosengarten zeitweise die Atmosphäre einer Las-Vegas-Produktion. Klok selbst steht mit weißblonder Mähne mitten im kontrollierten Chaos und arbeitet mit einer Geschwindigkeit, die längst zu seinem Markenzeichen geworden ist.

Gerade die großen Illusionen kommen Schlag auf Schlag. Assistentinnen verschwinden aus verschlossenen Konstruktionen, tauchen an anderer Stelle wieder auf, schweben scheinbar schwerelos oder werden in Kisten eingeschlossen, die anschließend von Schwertern durchbohrt werden. Klok gönnt seinem Publikum dabei kaum Gelegenheit, nach dem entscheidenden Mechanismus zu suchen. Ablenkung ist Teil des Spiels. Wer gerade noch auf die rechte Bühnenseite schaut, hat links womöglich schon den entscheidenden Moment verpasst.

Und Klok weiß das.

Mit einem breiten Grinsen lässt er sich feiern, macht sich zwischendurch selbst über seinen niederländischen Akzent und seine auffällige Frisur lustig und bricht damit immer wieder das Pathos der großen Illusionsshow.

Die „Kralle des Todes“ bringt echte Spannung

Am stärksten wird „The New Houdini“, wenn die Show das reine Staunen verlässt und mit Zeitdruck arbeitet. Bei der „Kralle des Todes“ hängt Klok kopfüber in einer Zwangsjacke an einem brennenden Seil. Unter ihm wartet eine Konstruktion aus Stahlkrallen. Innerhalb kurzer Zeit muss er sich befreien, bevor die Inszenierung ihren gefährlichen Endpunkt erreicht.

Plötzlich schaut der Rosengarten anders hin. Keine lockere Zauberei, kein schnelles Verschwinden einer Assistentin. Die herunterlaufende Zeit wird selbst zum Bühnenelement. Genau hier wird die Verbindung zu Houdini besonders deutlich: Der Zuschauer soll zumindest für einige Augenblicke glauben, dass etwas schiefgehen könnte.

Auch die berühmte Unterwasser-Entfesselung greift diese Idee auf. Klok muss sich gefesselt aus einer verschlossenen Konstruktion befreien und dabei lange die Luft anhalten. Das Wissen, dass hinter einer solchen Nummer selbstverständlich ein professionelles Sicherheitskonzept steht, nimmt ihr im Saal kaum Spannung. Der entscheidende Faktor bleibt die Zeit.

Internationale Artisten geben Klok kurze Verschnaufpausen

Dass selbst ein Illusionist dieses Tempo nicht zweieinhalb Stunden ohne Unterbrechung durchhalten kann, wird geschickt genutzt. Zwischen den großen Zaubernummern übernehmen internationale Varietékünstler die Bühne. Eine Seiltänzerin setzt auf Balance statt Tricks, eine Kontorsionistin verbiegt ihren Körper in scheinbar unmögliche Positionen. Eine Hula-Hoop-Artistin lässt eine ganze Reihe von Reifen gleichzeitig kreisen.

Besonders rasant wird es beim Quick Change. Ein Tanzpaar wechselt während der laufenden Nummer innerhalb weniger Augenblicke mehrfach seine Kleidung. Gerade eben noch ein Kostüm, eine Drehung später ein völlig anderes. Auch hier bleibt die Geschwindigkeit das verbindende Element zur Hauptshow.

Diese Einschübe sorgen dafür, dass „The New Houdini“ nicht zu einer endlosen Folge ähnlicher Kistentricks wird. Magie, Tanz und klassische Varietékunst wechseln sich ab, bevor Klok erneut übernimmt und das nächste Objekt auf die Bühne rollen lässt.

Kleine Tricks funktionieren plötzlich genauso gut

Interessanterweise braucht Hans Klok nicht immer die größte Apparatur, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Zwischen all den aufwendigen Illusionen funktionieren gerade die kleineren Nummern erstaunlich gut. Flaschen erscheinen dort, wo vorher keine waren, Gegenstände wechseln scheinbar ihren Platz und plötzlich geht es wieder um die klassische Frage jeder Zaubervorstellung: Wie hat er das gemacht?

Solche Momente schaffen einen reizvollen Kontrast. Eben noch dramatische Musik, Tänzerinnen und Großillusion. Jetzt ein Tisch, ein paar einfache Gegenstände und zwei Hände.

Klok versteht es, beide Welten miteinander zu verbinden. Der große Showman verschwindet für einige Minuten, der klassische Zauberkünstler bleibt übrig. Danach darf es wieder größer werden.

Am Ende bleibt vor allem die Geschwindigkeit

„The New Houdini“ will gar nicht, dass jede Illusion minutenlang nachwirkt. Die Show lebt davon, das Publikum permanent mit dem nächsten Bild zu überrumpeln. Genau deshalb funktioniert sie im Rosengarten so gut. Manchmal ist der Applaus für eine Nummer noch nicht verklungen, während auf der Bühne bereits der nächste Trick vorbereitet wird.

Hans Klok erzählt an diesem Abend keine komplizierte Geschichte. Er baut eine Welt, in der für zweieinhalb Stunden andere Regeln gelten. Menschen verschwinden. Körper schweben. Fesseln lösen sich. Kleider wechseln in Sekunden.

Und bevor Mannheim herausfinden kann, wie das alles funktioniert, ist Hans Klok schon wieder weg.

Nur um im nächsten Augenblick woanders aufzutauchen.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
Beitrag teilen