Hartmut Engler mit PUR am 12. Dezember 2015 auf der Centerstage in der ausverkauften SAP Arena Mannheim

PUR in Mannheim: Rekordnacht auf der Centerstage

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Die Bühne steht dort, wo bei anderen Konzerten normalerweise das Publikum steht. Rundherum steigen die Ränge der SAP Arena auf, darüber hängen große Videowände und von allen Seiten blicken Menschen auf Hartmut Engler und seine Band. PUR in Mannheim war am 12. Dezember 2015 damit schon optisch kein gewöhnlicher Tourabend. Die 360-Grad-Centerstage machte die gesamte Arena zur Konzertfläche und ermöglichte etwas, das zugleich für einen neuen Rekord sorgte: 14.500 Besucher feierten die Band in der restlos ausverkauften Halle. So viele Menschen waren bis dahin noch nie bei einer einzelnen Veranstaltung in der SAP Arena gewesen.

Dieser Rekord passte zu einem Jahr, in dem PUR wieder kräftig Fahrt aufgenommen hatten. Das im September erschienene Album „Achtung“ war direkt auf Platz eins der deutschen Albumcharts eingestiegen. Wenige Tage vor Mannheim hatte die neue Arenatour begonnen, erstmals wurden die Songs des Albums auf dieser großen Mittelbühne präsentiert. Doch wer bei PUR nur auf das neue Material gewartet hätte, wäre an diesem Abend ohnehin falsch gewesen. Rund um Engler lagen mehr als drei Jahrzehnte Bandgeschichte bereit.

Mitten in der Arena statt weit weg vom Publikum

Gerade die Centerstage veränderte die Atmosphäre. Keine klassische Trennung zwischen einem Bühnenende und den weit entfernten letzten Reihen. PUR spielten in alle Richtungen, Hartmut Engler bewegte sich über die verschiedenen Bereiche der Bühne und musste seinen Blick ständig drehen. Hinter der Band liefen Bilder über die Screens, Licht und Pyrotechnik setzten Akzente, doch das Entscheidende passierte darunter: Die Fans standen praktisch rund um die Musiker. Das Konzept war nach den Erfahrungen des großen „PUR & Friends“-Konzerts auf Schalke bewusst erneut aufgegriffen worden.

Mit „Wer hält die Welt“, „Heimwehland“ und „Vermiss Dich“ gehörten dem aktuellen Album gleich zu Beginn wichtige Positionen der damaligen Tourshow. Viele im Publikum kannten die neuen Texte längst. Der Abend musste also nicht erst warten, bis die bekannten Neunziger-Hits kamen. Trotzdem änderte sich die Lautstärke spürbar, sobald Songs auftauchten, die seit Jahren zum festen PUR-Kanon gehörten. „Freunde“, „Neue Brücken“ oder „Wenn sie diesen Tango hört“ brauchten nur wenige Takte.

Neue Songs treffen auf das alte Abenteuerland

PUR haben genügend Klassiker, um zwei Stunden ausschließlich aus der Vergangenheit zu bestreiten. 2015 entschieden sie sich bewusst dagegen. „Achtung“ bekam breiten Raum, mit Songs wie „Gemeinsam“, „Fallschirm“, „Land in Sicht“ oder „Guter Stern“. Dazwischen führte die Dramaturgie immer wieder zurück zu den Liedern, mit denen eine ganze Generation groß geworden war. Die Tour-Setlist verband unter anderem „Freunde“, „Neue Brücken“, „Funkelperlenaugen“, „Lena“ und „Ein graues Haar“ mit dem neuen Material.

Und irgendwann war natürlich „Abenteuerland“ erreicht. Einer dieser Songs, bei denen der Titel allein genügt. Rund um die Mittelbühne gingen Arme hoch, die Stimmen kamen von allen Seiten und aus der riesigen SAP Arena wurde für einige Minuten ein gemeinsamer Chor. Genau in solchen Momenten spielte die Centerstage ihre größte Stärke aus. Engler stand nicht vor einer Menschenmenge. Er stand mittendrin.

Auch ruhigere Passagen funktionierten in dieser Anordnung überraschend gut. Ein Akustikblock nahm Tempo aus der Produktion und rückte Melodien und Texte nach vorne, bevor PUR danach wieder größer wurden. Das Konzert lebte nicht von permanenter Lautstärke. Es lebte vom Wechsel.

Glasperlenspiel übernimmt plötzlich die Bühne

Auf halber Strecke bekam der Abend noch eine zusätzliche Wendung. Glasperlenspiel kamen auf die Centerstage und spielten mit „Echt“ und dem 2015 allgegenwärtigen „Geiles Leben“ zwei ihrer größten Hits. Caro Niemczyk und Daniel Grunenberg mussten das Mannheimer Publikum nicht lange überzeugen. Besonders „Geiles Leben“ traf mitten in sein Veröffentlichungsjahr und wurde entsprechend laut aufgenommen.

Hartmut Engler ließ es sich anschließend nicht nehmen, selbst noch einmal mitzumischen. Gemeinsam mit Caro Niemczyk sang er ein Duett. Damit wurde aus dem Gastauftritt mehr als eine kurze Unterbrechung des PUR-Sets. Glasperlenspiel passten musikalisch in einen Abend, der ohnehin zwischen klassischem PUR-Pop, rockigeren Momenten und moderneren Produktionen wechselte.

Bei „Lena“ kennt Mannheim jede Zeile

Je näher das Konzert seinem letzten Drittel kam, desto dichter lagen die großen Erinnerungen beieinander. „Funkelperlenaugen“, „Ich lieb’ Dich“, „Ein graues Haar“ und vor allem „Lena“ gehörten zu jenen Titeln, bei denen Hartmut Engler immer wieder Teile der Refrains dem Publikum überlassen konnte. Ein Blick über die Arena zeigte dabei, was 14.500 Menschen auf einer Rundbühne tatsächlich bedeuten: überall Gesichter, überall erhobene Arme, überall Bewegung.

PUR waren 2015 längst eine Band, bei der Eltern mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern im selben Konzert stehen konnten. Manche Songs waren mehr als 25 Jahre alt, andere erst wenige Monate. Auf der Centerstage lag dazwischen erstaunlich wenig Distanz.

Dass ausgerechnet dieser Abend den damaligen Zuschauerrekord der SAP Arena brachte, war deshalb mehr als eine Randnotiz. Die 360-Grad-Produktion nutzte die Halle bis zum letzten verfügbaren Platz und ließ selbst Bereiche zu Zuschauerflächen werden, die bei einer gewöhnlichen Frontbühne hinter der Produktion verschwunden wären. Den bisherigen Bestwert von 14.000 Gästen, unter anderem bei Bruce Springsteen 2007 und mehreren Klitschko-Boxkämpfen, übertraf PUR damit um 500 Besucher.

14.500 Menschen und lange kein Abschied

Nach den letzten Songs war der Abend noch nicht sofort vorbei. Die Band blieb lange auf der Bühne, blickte in die voll besetzten Ränge und nahm den Applaus entgegen. Kein schneller Abgang hinter einen Vorhang. Dafür war dieser Abend offensichtlich zu besonders. Auch die SAP Arena hob später genau diesen Moment in ihrer Rückschau auf das Jubiläumsjahr hervor.

PUR hatten Mannheim an diesem 12. Dezember nicht einfach ins „Abenteuerland“ mitgenommen. Sie hatten die gesamte Halle dafür umgebaut.

14.500 Fans. Eine Bühne mitten im Publikum. Ein neuer Arena-Rekord.

Und Hartmut Engler genau dort, wo PUR an diesem Abend am besten funktionierten: mittendrin.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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