Oliver Hartmann beim Akustik-Livestream im Colos-Saal Aschaffenburg am 16. April 2021

Hartmann im Colos-Saal: Akustik-Rock für den Livestream

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Am 16. April 2021 stand Oliver Hartmann mit seiner Band im Colos-Saal Aschaffenburg auf der Bühne. Vor den Musikern blieb der Saal allerdings leer. Aufgrund der damaligen Corona-Beschränkungen konnte das ursprünglich als Hybridveranstaltung geplante Konzert nicht mit regulärem Publikum stattfinden. Gespielt wurde trotzdem. Kameras und Livestream übernahmen die Verbindung zu den Fans, die den Auftritt von zu Hause aus verfolgen konnten. Der Stream blieb nach Konzertende weitere 24 Stunden verfügbar. 

Für Hartmann im Colos-Saal war das eine ungewohnte Situation. Vier erfahrene Musiker spielten ein komplettes Konzert, bekamen nach den Songs aber keinen Applaus aus dem Saal zurück. Die unmittelbare Reaktion eines Publikums fehlte. Ein Teil dieser Lücke wurde zumindest vom kleinen Team vor Ort aufgefangen. Techniker, Kameraleute und Mitarbeiter des Clubs waren an diesem Abend mehr als nur die Menschen hinter den Kulissen.

Akustik statt großer Hardrock-Produktion

Hartmann entschieden sich für eine Akustik-Show. Das passte zu dem Programm, das Oliver Hartmann für die ursprünglich geplante Jubiläumstour vorbereitet hatte. Statt die Stücke lediglich mit weniger Lautstärke zu spielen, bekamen viele Arrangements mehr Raum für Stimmen, Gitarren und die feineren Details der Songs.

Oliver Hartmann übernahm Gesang und Gitarre. Zur damaligen Akustikbesetzung gehörten außerdem Ina Morgan an Gesang und Gitarre, Armin Donderer am Bass sowie Markus Kullmann an Percussion und Schlagzeug. Genau diese Formation war auch für die spätere „15th Anniversary Acoustic Tour 2021“ vorgesehen. 

Vor leeren Zuschauerreihen zu spielen, änderte trotzdem einiges. An Stellen, an denen normalerweise unmittelbar Jubel oder Applaus eingesetzt hätte, blieb es im Raum still. Die Band ließ sich davon jedoch kaum aus dem Rhythmus bringen und behandelte den Stream nicht wie eine Probe mit laufender Kamera.

„15 Pearls and Gems“ bekommt endlich Bühnenluft

Im Mittelpunkt stand „15 Pearls and Gems“. Das Jubiläumsalbum war bereits am 17. April 2020 erschienen und feierte damit ausgerechnet einen Tag nach dem Livestream seinen ersten Geburtstag. Die ursprünglich geplante Live-Präsentation war durch die Pandemie weitgehend ausgebremst worden. 

Die Veröffentlichung blickte auf 15 Jahre Hartmann zurück, ohne als gewöhnliche Best-of-Sammlung angelegt zu sein. Neben neu aufgenommenem Material und einem Remix enthielt sie fünf Coverversionen sowie fünf Liveaufnahmen aus der bisherigen Bandgeschichte. Zu den Songs gehörten unter anderem „Can’t Stop This Train“, „Walking On A Thin Line“, „How Does It Feel“, „When The Rain Begins To Fall“ und Liveversionen von „Brothers“ sowie „Out In The Cold“. 

Im Colos-Saal verband die Band Material dieser Veröffentlichung mit bekannten Stücken aus den vorherigen Jahren. Dadurch wirkte das Konzert weniger wie die Präsentation einer einzelnen Platte und mehr wie ein Rückblick auf verschiedene Phasen der Band.

Oliver Hartmann spricht auch zum internationalen Publikum

Ein Livestream verändert nicht nur die Entfernung zwischen Bühne und Zuhörern. Er erweitert sie gleichzeitig.

An diesem Abend saßen Zuschauer nicht ausschließlich in Deutschland vor ihren Bildschirmen. Oliver Hartmann reagierte darauf, indem er seine Ansagen teilweise auf Deutsch und teilweise auf Englisch machte. Die internationale Ausrichtung überraschte kaum. Neben seiner eigenen Band ist Hartmann seit vielen Jahren als Sänger und Gitarrist im Umfeld von Avantasia aktiv und steht außerdem hinter der Pink-Floyd-Tribute-Band Echoes

Trotz Kameras blieb der Auftritt musikalisch im Vordergrund. Es wurde nicht ständig für den Stream erklärt oder moderiert. Nach einer Ansage ging es meist direkt zurück zu den Songs.

Wenn nach dem letzten Ton erst einmal Stille kommt

Gerade bei den ruhigeren Nummern passte der leere Colos-Saal durchaus zur Akustikfassung. Schwieriger wurde es nach einem Song.

Der letzte Akkord verklang und dort, wo normalerweise ein voller Club reagiert hätte, war zunächst nur der Raum. Für Musiker ist genau dieses Feedback ein wesentlicher Bestandteil eines Konzerts. Ein Bildschirm irgendwo außerhalb des Saals kann das nicht ersetzen.

Trotzdem entstand kein steriler Studioauftritt. Hartmann spielten konzentriert, locker und mit genügend Dynamik, um die knapp bemessene Bühne nicht wie ein Fernsehset wirken zu lassen.

Auch das Colos-Saal-Team gehörte dadurch sichtbar zum Abend. Ohne die technische Mannschaft, Kameras und Streaming-Infrastruktur hätte dieses Konzert zu diesem Zeitpunkt schlicht nicht stattfinden können. Der Veranstaltungseintrag war von Anfang an so angelegt, dass der Stream selbst dann durchgeführt werden sollte, wenn keine Zuschauer in den Saal durften. 

Ein Konzert ohne Publikum, aber nicht ohne Zuhörer

Der 16. April 2021 zeigte noch einmal deutlich, wie sehr sich Livemusik innerhalb eines Jahres verändert hatte. 2020 standen Bands auf Lastwagen und Autokino-Bühnen, 2021 wurde aus einem nahezu leeren Club direkt in die Wohnzimmer übertragen.

Für Hartmann bedeutete der Abend endlich wieder eine Gelegenheit, das Jubiläumsprogramm gemeinsam auf einer Bühne zu spielen. Für die Zuschauer blieb immerhin die Möglichkeit, ein vollständiges Konzert live zu verfolgen.

Der Applaus fehlte im Colos-Saal.

Die Menschen dahinter waren trotzdem da.

Foto & Text © Jan Heesch

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