Lisa Fitz bei ihrem Kabarettabend im GUT LEBEN am Morstein in Westhofen 2020

Lisa Fitz in Westhofen: Kabarett, Musik und klare Worte

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Ende August 2020 wurde der Innenhof von GUT LEBEN am Morstein in Westhofen zur Kabarettbühne. Lisa Fitz gastierte im Rahmen des dortigen Kulturprogramms mit ihrem damaligen Soloprogramm „Flüsterwitz“. Rund 110 Besucher fanden unter den zu dieser Zeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln Platz. Für eine Künstlerin, die große Säle und mehrere tausend Solovorstellungen in ihrer Karriere gewohnt ist, war das ein ungewöhnlich kleiner Rahmen. Gerade dadurch entstand jedoch eine unmittelbare Nähe zwischen Bühne und Publikum.

Fitz beschränkte sich dabei nicht auf gesprochenes Kabarett. Politische Satire, gesellschaftliche Beobachtungen und Musik wechselten sich über rund zwei Stunden ab.

Lisa Fitz nimmt Politik und Alltag auseinander

Lisa Fitz brauchte an diesem Abend keine große Kulisse. Ein Mikrofon, ihre Gitarre und genügend Themen reichten.

Politik, gesellschaftliche Entwicklungen, Medien, zwischenmenschliche Verhaltensweisen und die Frage, wie frei Menschen ihre Meinung tatsächlich äußern, bildeten den Stoff für ihre Pointen. Dabei wechselte Fitz zwischen scharf formulierten Beobachtungen und ruhigeren Passagen. Das Publikum musste manchmal einen Moment länger zuhören, bevor die Pointe saß.

Genau darin lag die Stärke des Programms.

„Flüsterwitz“ wollte nicht ausschließlich schnelle Lacher liefern. Fitz setzte immer wieder Gedanken in den Raum und ließ dem Publikum die Möglichkeit, selbst weiterzudenken. Die Auseinandersetzung mit Angst, Mut und unterschiedlichen Meinungen spielte dabei eine zentrale Rolle. 

Kabarett trifft auf Lieder und Gitarre

Dass Lisa Fitz ebenso Sängerin und Musikerin ist, bekam in Westhofen genügend Platz.

Zwischen den Wortbeiträgen griff sie zur Gitarre und wechselte musikalisch zwischen unterschiedlichen Stilen. Zum Programm gehörten unter anderem der von Hans Hartz bekannt gewordene Song „Die weißen Tauben sind müde“sowie zum Ende „Die Gedanken sind frei“. Daneben verband sie Elemente aus Folk, Rock und kabarettistisch angelegten Liedern miteinander. 

Dadurch bekam der Abend einen anderen Rhythmus als ein klassisches Stand-up-Programm. Auf längere Wortpassagen folgte Musik, danach wurde wieder erzählt, beobachtet und zugespitzt.

Gerade die Kombination aus Kabarett und Liedern gehört seit Jahrzehnten zu Fitz‘ Bühnenarbeit. Ihre Karriere umfasst Schauspiel, Musik und politische Satire; bereits lange vor dem Westhofener Auftritt hatte sie sich mit eigenen Soloprogrammen einen festen Platz in der deutschsprachigen Kabarettszene erarbeitet. 

Ein ungewöhnlicher Kabarettabend im Corona-Sommer

Auch dieser Abend stand zwangsläufig unter den Bedingungen des Jahres 2020.

Die Gäste saßen mit Abstand im Innenhof, die Kapazität war begrenzt und für die Veranstaltung galten umfangreiche Schutzmaßnahmen. GUT LEBEN am Morstein gehörte damals zu den Orten in der Region, an denen kleinere Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel überhaupt wieder stattfinden konnten. Das später etablierte Morstein Kultur Festival entwickelte sich aus genau dieser Phase heraus. 

Natürlich veränderte das die Atmosphäre. Kabarett lebt normalerweise von spontanen Reaktionen, Lachen, Zwischenrufen und dem direkten Blick in die ersten Reihen.

Bei Lisa Fitz funktionierte dieser Austausch trotzdem.

Man merkte dem Publikum an, wie gut es tat, wieder vor einer echten Bühne zu sitzen. Und Fitz machte aus den besonderen Bedingungen kein dauerhaftes Thema des Abends. Nach kurzer Eingewöhnung ging es wieder um das, wofür die Menschen gekommen waren: Texte, Musik und eine Künstlerin, die sich seit Jahrzehnten nur ungern mit einfachen Antworten zufriedengibt. 

110 Gäste und trotzdem kein kleiner Abend

Die überschaubare Besucherzahl nahm dem Programm wenig von seiner Wirkung.

Im Gegenteil. Durch die Nähe zur Bühne wurden Mimik, Gestik und die Wechsel zwischen gesprochenem Wort und Musik besonders deutlich. Fitz konnte direkt auf Reaktionen eingehen, während der historische Innenhof dem Abend einen wesentlich intimeren Charakter gab als ein klassischer Theatersaal.

Rund zwei Stunden später endete ein Auftritt, der gut in diesen außergewöhnlichen Kultursommer passte. Keine große Produktion, keine volle Halle.

Dafür Lisa Fitz, ihre Gitarre, Kabarett und 110 Menschen, die endlich wieder gemeinsam Kultur erleben konnten. 

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures
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