Echoes beim Pink-Floyd-Livestream am 30. April 2021 im Colos-Saal Aschaffenburg

Echoes im Colos-Saal: Pink Floyd für den Livestream

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Am 30. April 2021 blieb der Zuschauerraum des Colos-Saals in Aschaffenburg erneut leer. Auf der Bühne wurde trotzdem gespielt. Echoes kehrten für ein weiteres Streamingkonzert in den Club zurück und widmeten den Abend vollständig der Musik von Pink Floyd. Kameras ersetzten dabei den Blick in ein gefülltes Publikum, die eigentliche Produktion wurde jedoch nicht auf ein einfaches Studiokonzert reduziert. Licht, Sound und die langen instrumentalen Passagen bekamen auch vor den Bildschirmen den Raum, den diese Musik benötigt.

Der Termin war ursprünglich als Hybridveranstaltung geplant. Aufgrund der damaligen Situation sollte der Stream unabhängig davon stattfinden, ob Zuschauer im Saal zugelassen werden konnten. Unter dem Titel „Signs Of Life II“knüpften Echoes damit an ihr Streamingkonzert aus dem Vorjahr an. 

Ein Jahr zwischen dem 500. und 501. Konzert

Die Zahlen erzählten bereits einiges über die außergewöhnliche Situation. Im Mai 2020 hatten Echoes ihr 500. Konzert feiern wollen. Statt eines ausverkauften Abends im Colos-Saal entstand damals „Signs Of Life“, ein Livestream ohne Publikum. Fast ein komplettes Jahr später stand laut damaliger Veranstaltungsankündigung erst Konzert Nummer 501 an. 

Für eine Band, die normalerweise regelmäßig durch Deutschland und Europa tourt, war das eine bemerkenswerte Pause.

Auf der Bühne merkte man davon musikalisch wenig. Oliver Hartmann und seine Mitmusiker konzentrierten sich auf das, was Echoes seit vielen Jahren auszeichnet: lange Spannungsbögen, präzise Gitarrenarbeit, Keyboards, mehrstimmige Passagen und ein Klangbild, das die verschiedenen Phasen von Pink Floyd miteinander verband.

Selten gespielte Stücke rücken wieder ins Programm

Für diesen Stream stellte die Band das Programm bewusst anders zusammen als beim Konzert des Vorjahres. Die Musiker griffen tiefer in den umfangreichen Pink-Floyd-Katalog und holten Stücke zurück, die bei Echoes schon längere Zeit nicht mehr oder nur selten Bestandteil der Setlist gewesen waren. Genau dieser Ansatz war bereits im Vorfeld für „Signs Of Life II“ angekündigt worden. 

Das sorgte für einen Abend, der sich nicht ausschließlich auf die unvermeidlichen Klassiker verließ. Gerade bei einer Tribute-Band mit jahrzehntelanger Geschichte war diese Auswahl interessant: Statt ein gewohntes Best-of-Programm lediglich erneut abzuspielen, konnten Echoes andere Facetten des Pink-Floyd-Werks stärker hervorheben.

Natürlich durfte „Echoes“ selbst nicht fehlen. Das ausgedehnte Stück bot genügend Raum für die instrumentale Seite der Band und passte gut zu einem Konzert, bei dem niemand auf eine schnelle Abfolge von Hits warten musste.

Licht und Musik übernehmen die Rolle des Publikums

Ein Pink-Floyd-Abend lebt nicht allein von den Songs. Licht, Farben und visuelle Akzente gehören ebenso dazu. Im Colos-Saal wurde diese Seite der Produktion deshalb auch für den Stream nicht vernachlässigt.

Gerade die ruhigeren Passagen profitierten davon. Gitarrenlinien standen lange im Raum, Keyboards legten Flächen darunter, während sich das Licht langsam veränderte. Danach konnten die Stücke wieder deutlich an Dynamik gewinnen.

Vor einer laufenden Kamera funktionierte das anders als in einem vollen Club. Die große Rückmeldung aus dem Zuschauerraum fehlte nach jedem Song. Dafür konnte die Bildregie Details hervorheben, die bei einem normalen Konzert aus den hinteren Reihen schnell verloren gehen.

Schon beim ersten „Signs Of Life“-Stream 2020 hatten Echoes bewusst mit der visuellen Umsetzung für die Kamera experimentiert. Damals wurden Film- und Grafiksequenzen direkt in die Übertragung integriert, anstatt ausschließlich auf die traditionelle runde Projektionsfläche der Band zu setzen. 

Pink Floyd funktioniert auch ohne dichtes Gedränge

Die Musik von Pink Floyd eignete sich für dieses Format besser als vieles, was während der Pandemie zwangsläufig vor Kameras verlegt wurde. Stücke mit längeren instrumentalen Entwicklungen brauchen nicht permanent die unmittelbare Reaktion eines Publikums. Man kann ihnen auch zu Hause folgen, am besten mit einer vernünftigen Anlage und etwas Zeit.

Trotzdem blieb ein Stream ein Kompromiss.

Auf der Bühne fehlten die Menschen, die normalerweise jeden Wechsel der Dynamik unmittelbar beantworteten. Im Colos-Saal standen erfahrene Musiker vor einem leeren Raum und mussten die Spannung ausschließlich aus dem eigenen Zusammenspiel heraus entwickeln.

Das gelang über weite Strecken, weil Echoes ihr Programm nicht wie eine Fernsehproduktion behandelten. Die Band spielte ein Konzert. Nur der Weg zum Publikum führte an diesem Abend über Kameras und Internet.

„Signs Of Life II“ als ungewöhnliches Zeitdokument

Der Name des Streams passte damit erneut ziemlich gut. „Signs Of Life II“ war ein weiteres Lebenszeichen aus einer Phase, in der zwischen zwei regulären Konzerten plötzlich Monate liegen konnten.

Echoes nutzten den Abend nicht für ein verkürztes Notprogramm. Selten gespieltes Material, längere Stücke und die aufwendige Beleuchtung machten aus dem Stream eine eigenständige Show. Auch die Fotogalerie des damaligen Abends dokumentiert den Termin am 30. April 2021 im Colos-Saal mit Jan Heesch als Fotografen. 

Als die letzten Töne verklangen, blieb der direkte Applaus im Saal aus. Irgendwo hinter den Kameras saßen dafür die Menschen, für die gespielt worden war.

Für ein Pink-Floyd-Konzert war das sicher nicht die ideale Form.

Im Frühjahr 2021 war es immerhin eine Möglichkeit, diese Musik wieder live entstehen zu lassen.

Foto und Text : Jan Heesch

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