
Helene Fischer in Mannheim: Farbenspiel auf ganz großer Bühne
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10.500 Menschen, eine bis unters Dach gefüllte SAP Arena und eine Produktion, bei der praktisch jede freie Fläche zur Bühne wurde. Als am 5. November 2014 die ersten Takte erklangen, war schnell klar, dass Helene Fischer mit „Farbenspiel – LIVE“ deutlich mehr nach Mannheim gebracht hatte als ein klassisches Schlagerkonzert. Tänzer, Band, aufwendige Projektionen, ständig wechselnde Kostüme und später sogar ein Flug durch die Arena gehörten zu einer fast dreistündigen Show, die keinen kleinen Rahmen suchte. Das brauchte sie auch nicht. Helene Fischer in Mannheim war 2014 längst ein Arena-Ereignis. Der erste Abend war mit 10.500 Besuchern ausverkauft, am folgenden Tag spielte sie noch einmal vor derselben Zuschauerzahl.
Beim Fotografieren war diese Show entsprechend anspruchsvoll und spannend zugleich. Helene blieb selten lange an einem Punkt, Tänzer kamen von allen Seiten, das Licht wechselte permanent und hinter ihr veränderte sich die Bühne beinahe mit jedem Song. Trotzdem ging sie in dieser riesigen Produktion nicht unter. Im Gegenteil. Selbst zwischen Videoelementen, Choreografien und großen Effekten blieb der Blick immer wieder an ihr hängen. Genau das muss man erst einmal schaffen, wenn rundherum so viel passiert.
„Farbenspiel“ wird in Mannheim zur großen Arenashow
Das Album „Farbenspiel“ war im Oktober 2013 erschienen und hatte Helene Fischers Karriere noch einmal auf ein anderes Niveau gehoben. Als die gleichnamige Tour im Herbst 2014 startete, war die Nachfrage so groß, dass in zahlreichen Städten Zusatzshows angesetzt wurden. Mannheim bekam deshalb gleich zwei Abende am 5. und 6. November. Beide waren innerhalb kurzer Zeit restlos ausverkauft. Insgesamt kamen rund 21.000 Menschen zu den beiden Shows in die SAP Arena.
Auch die Bühne war speziell für diese Tour konzipiert worden. Ein limitierter Stehplatzbereich lag unmittelbar an beziehungsweise innerhalb der Konstruktion und brachte einen Teil der Fans besonders nah an Helene heran. Rundherum blieb die Arena bestuhlt. Das Ergebnis war eine ungewöhnliche Mischung: große Show für 10.500 Menschen und gleichzeitig Momente, in denen die ersten Reihen beinahe mitten im Geschehen standen.
Von „Fehlerfrei“ bis zum Rock-Medley
Musikalisch ließ sich der Abend ohnehin kaum unter dem Begriff Schlager allein abheften. Zum Programm der „Farbenspiel“-Tour gehörten natürlich neue Songs wie „Fehlerfrei“, „In diesen Nächten“, „Wunder dich nicht“, „Feuerwerk“, „Mit keinem Andern“, „Marathon“ und „Ein kleines Glück“. Dazwischen standen ältere Titel wie „Und morgen früh küss ich dich wach“, „Mitten im Paradies“, „Von hier bis unendlich“, „Die Hölle morgen früh“ oder „Phänomen“. Die offizielle Live-Veröffentlichung der Tour dokumentiert ein Programm mit mehr als 30 musikalischen Stationen.
Dann wechselte Helene plötzlich komplett die Richtung. „Bring Me To Life“ von Evanescence tauchte ebenso im Tourprogramm auf wie ein Rock-Medley mit „I Love Rock ’n’ Roll“, „Jump“, „Livin’ on a Prayer“ und „Purple Rain“. Später ging es über „Caruso“ zu Céline Dions „Fly“ und „My Heart Will Go On“. Genau solche Wechsel erklärten, warum an diesem Abend mehrere Generationen in der SAP Arena saßen. Die Show versuchte gar nicht erst, sich sauber in eine Schublade zu stellen.
Und das Publikum ging mit. Bei den großen Refrains standen längst viele von ihren Sitzen, es wurde geklatscht und mitgesungen. Die SAP Arena selbst stellte nach den beiden Konzerten fest, dass im Vergleich zu Fischers Auftritt zwei Jahre zuvor auffallend viele jüngere Besucher gekommen waren. Aus dem Schlagerevent war endgültig eine generationsübergreifende Popshow geworden.
Helene Fischer fliegt durch die SAP Arena
Der Moment, der visuell vermutlich am stärksten hängen blieb, kam gegen Ende. Helene Fischer schwebte auf einem riesigen Fantasievogel durch die Arena. Unter ihr das Publikum, rundherum Licht und eine Halle, die ihren Blick geschlossen nach oben richtete. Spätestens da war jede Vorstellung von einem konventionellen Konzert erledigt.
Für mich waren trotzdem die kleineren Momente mindestens genauso interessant. Ein kurzer Blick in die ersten Reihen. Die Konzentration unmittelbar vor einem Einsatz. Dann wieder dieses breite Lächeln, bevor die nächste Choreografie begann. Bei einer derart präzise geplanten Produktion besteht schnell die Gefahr, dass alles klinisch perfekt wirkt. Helene schaffte es, die Show trotz dieser Größe persönlich aussehen zu lassen.
Bei „Atemlos“ explodiert die SAP Arena
Und dann kam natürlich der Song, auf den 2014 niemand mehr warten musste, um ihn zu erkennen. „Atemlos durch die Nacht“ war längst weit über die klassische Schlagerwelt hinausgewachsen. Das Stück hatte Platz drei der deutschen Singlecharts erreicht, war im Sommer bei der Feier der Fußball-Weltmeister am Brandenburger Tor gelaufen und gehörte zu den Songs dieses Jahres. In Mannheim stand „Atemlos“ ganz am Ende der Show.
Die Reaktion war entsprechend. Schon die ersten Takte reichten und 10.500 Stimmen waren da. Die SAP Arena beschrieb später, wie die ohnehin aufgeheizte Stimmung beim Refrain noch einmal regelrecht explodierte. Genau das trifft es ziemlich gut. Nach fast drei Stunden Show war ausgerechnet jetzt noch einmal Energie für einen letzten großen Chor vorhanden.
Helene Fischer war an diesem 5. November längst nicht mehr nur die erfolgreiche Schlagersängerin mit einigen großen Hits. Vor uns stand eine Künstlerin, die eine komplette Arena mit Tänzern, Rockcovers, Balladen, Akrobatik und Popproduktion bespielte und dabei trotzdem wusste, dass am Ende ein einziger Refrain reichen würde.
„Atemlos“. Mannheim sang den Rest.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













