
Roger Cicero in Mannheim: Big-Band-Swing mit Charme
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Hut, dunkles Sakko, Mikrofon in der Hand. Viel mehr brauchte Roger Cicero nicht, um an diesem Mittwochabend sofort die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Hinter ihm wartete allerdings ein ziemlich mächtiger musikalischer Apparat: Mit seiner 13-köpfigen Big Band kam Cicero am 15. Oktober 2014 auf der „Was immer auch kommt“-Tour in den vollbesetzten Rosengarten. Und genau hier zeigte sich, warum Roger Cicero in Mannheim live wesentlich mehr war als der Sänger jener augenzwinkernden Songs über Männer und Frauen, mit denen ihn viele aus dem Radio kannten. Auf der Bühne wurde aus Pop wieder Swing, Funk und Jazz.
Schon beim Fotografieren fiel mir diese entspannte Selbstverständlichkeit auf. Cicero musste nicht permanent große Gesten produzieren. Ein Grinsen, eine kleine Bewegung Richtung Bläsersatz, ein kurzer Blick ins Publikum reichten oft. Dann setzte die Band ein und plötzlich stand ordentlich Druck hinter den Songs. Gerade dieses Wechselspiel machte Spaß: vorne der charmante Entertainer, dahinter Musiker, die den Stücken mit Trompeten, Posaunen, Saxofonen und Rhythmusgruppe richtig Schub gaben.
Gregor Meyle eröffnet den Abend im Rosengarten
Bevor Roger Cicero auf die Bühne kam, gehörte der Rosengarten zunächst Gregor Meyle und seiner Band. Die Verbindung zwischen beiden war 2014 besonders eng. Cicero und Meyle hatten gemeinsam an der ersten Staffel von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ teilgenommen, und Cicero nahm seinen Kollegen anschließend für 16 Termine mit auf die Herbsttour. Mannheim gehörte dazu.
Meyle brauchte keine aufwendige Inszenierung. Seine Songs und diese offene, beinahe beiläufige Art reichten. Nach wenigen Nummern war das Mannheimer Publikum hörbar bei ihm, und aus einem klassischen Supportslot wurde ein eigener kleiner Konzertteil. Das passte gut zum späteren Hauptprogramm, denn auch Cicero setzte weniger auf Spektakel als auf Musiker, Songs und Nähe. Ein ziemlich angenehmer Start in den Abend.
„Was immer auch kommt“ bekommt live wieder mehr Swing
Das gleichnamige Album „Was immer auch kommt“ hatte Roger Cicero 2014 musikalisch stärker in Richtung Pop geführt. Auf Tour drehte er den Regler wieder zurück. Die neuen Songs bekamen Arrangements für die große Band, Bläser rückten nach vorne und der Groove wurde deutlich kräftiger. Der Unterschied war live sofort hörbar. Das Album hatte zuvor Platz vier der deutschen Charts erreicht; die Tour führte Cicero durch 26 Städte in Deutschland, Österreich und Luxemburg.
Mit „Glück ist leicht“ begann das Mannheimer Set. Danach folgten „Seine Ruhe“, „Hollywood“ und „Endlich wieder frei“, bevor mit „Bluesette“ ein Stück des Jazzmusikers Toots Thielemans auftauchte. Der Titelsong „Was immer auch kommt“ stand ebenso im Programm wie „Wenn du die Wahl hast“ oder „So sieht man sich wieder“.
Gerade diese Mischung gefiel mir. Cicero behandelte sein neues Material nicht wie einen Pflichtblock, den man möglichst schnell zwischen die Hits schiebt. Die Songs standen selbstverständlich neben den älteren Stücken und bekamen durch die Big Band oft noch einmal eine andere Wirkung. Manchmal eleganter. Manchmal deutlich funkiger.
Bei „Zieh die Schuh aus“ bleibt kaum jemand ruhig
Natürlich wartete das Publikum auf die bekannten Nummern. „Zieh die Schuh aus“ gehörte ebenso dazu wie „Frauen regier’n die Welt“, „In diesem Moment“ und „Spontis zeugen Banker“. Und da passierte etwas, das bei einem komplett bestuhlten Konzertsaal nicht unbedingt selbstverständlich ist: Die Leute blieben irgendwann nicht mehr einfach sitzen. Es wurde geklatscht, mitgesungen und getanzt.
Cicero nutzte diese Stimmung. Bei einem seiner Ausflüge verließ er die Bühne und ging durch den Saal, suchte den direkten Kontakt und ließ das Publikum einen Refrain übernehmen. Genau solche Momente machten den Abend persönlicher. Der große Rosengarten schrumpfte plötzlich ein Stück zusammen, weil der Sänger nicht irgendwo weit vorne blieb, sondern mitten zwischen den Menschen auftauchte.
Und immer wieder die Big Band. Sie war keine hübsche Dekoration hinter dem Sänger, sondern das Rückgrat des Konzerts. Wenn der Bläsersatz geschlossen einsetzte, bekamen selbst bekannte Popsongs plötzlich mehr Biss. Roger Cicero konnte sich darauf verlassen und spielte sichtbar mit dieser musikalischen Kraft.
Drei Zugaben und ein Danke an Mannheim
Nach rund anderthalb Stunden war zunächst Schluss. Natürlich nur theoretisch. Cicero kam für drei Zugaben zurück und setzte mit „Ich atme ein“, „Du bist mein Sommer“ und „Bin heute Abend bei dir“ den letzten Block des Konzerts.
Besonders hängen blieb sein Dank an das Mannheimer Publikum. Seit Jahren sei man gemeinsam unterwegs, und die Leute kämen immer wieder. Das klang nicht nach einer dieser automatisch abgespulten Touransagen, bei denen nur noch schnell der Städtename eingesetzt wird. Der Rosengarten war voll, viele kannten offensichtlich jede Textzeile und die Band hatte den Saal längst aus seiner anfänglichen Sitzordnung herausgeholt.
Für mich war genau das die Stärke dieses Abends. Roger Cicero konnte Entertainer sein, ohne seine Musik zur Nebensache zu machen. Er scherzte, erzählte, ging durchs Publikum und stand im nächsten Moment wieder konzentriert vor seiner Big Band.
Und wenn hinter ihm die Bläser loslegten, wusste man ziemlich schnell, warum diese Songs live noch einmal ganz anders funktionierten.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













