Helge Schneider live mit „Let’s lach!“ beim Strandkorb Open Air 2021 in der BRITA-Arena Wiesbaden

Helge Schneider in Wiesbaden: „Let’s lach!“ in der BRITA-Arena

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Ein Klavier, ein paar Instrumente und ein Mann, bei dem niemand so genau weiß, was in den nächsten fünf Minuten passieren wird. Helge Schneider war am 19. Juli 2021 mit seinem Sommerprogramm „Let’s lach!“ beim Strandkorb Open Air in der BRITA-Arena Wiesbaden zu Gast. Das Konzert begann um 20 Uhr und gehörte zu jener ungewöhnlichen Open-Air-Reihe, bei der das Publikum pandemiebedingt in Strandkörben auf dem Stadionrasen Platz nahm.

Für Schneider war dieses Format eine ziemlich spezielle Bühne. Seine Abende leben schließlich von Improvisation, direktem Kontakt zum Publikum und davon, dass selbst die Musiker häufig erst im nächsten Moment erfahren, welchen Weg eine Nummer nehmen wird.

Genau das machte auch Wiesbaden aus.

Helge Schneider folgt keinem festen Plan

„Let’s lach!“ klingt zunächst wie eine ziemlich eindeutige Aufforderung. Bei Helge Schneider sollte man sich allerdings nie darauf verlassen, dass der Titel eines Programms bereits verrät, was tatsächlich passiert.

Der Musiker und Komiker springt zwischen Geschichten und Liedern, beginnt einen Gedanken, verliert ihn scheinbar wieder und landet plötzlich bei einem vollkommen anderen Thema. Manches wirkt spontan erfunden. Vieles ist es vermutlich auch.

Dazwischen setzt er sich ans Klavier, greift zu einem anderen Instrument oder liefert einen Song, bei dem Jazz, Schlager und gepflegter Unsinn erstaunlich friedlich nebeneinander existieren.

Seine offizielle Sommertournee 2021 trug tatsächlich den Titel „Let’s Lach!“. Schon die eigene Ankündigung behandelte diesen Namen mit der für Schneider typischen Ironie.

Zwischen Jazz und vollkommenem Unsinn

Wer Helge Schneider ausschließlich als Komiker betrachtet, unterschätzt einen wesentlichen Teil seiner Auftritte.

Der Mann kann spielen.

Klavier, Saxofon, Gitarre und weitere Instrumente gehören seit Jahrzehnten zu seinem Repertoire. Seine Liebe zum Jazz ist dabei kein dekoratives Element zwischen zwei Pointen. Musik bildet einen wesentlichen Teil seiner Bühnenshows.

Nur bleibt ein Stück bei Schneider selten einfach ein Stück.

Ein musikalischer Gedanke kann mitten in eine Geschichte kippen. Aus einer Geschichte entsteht ein Lied. Dann folgen ein schiefer Blick, ein absurder Satz und plötzlich lacht die ganze Arena, obwohl sich kaum rekonstruieren lässt, wie man eigentlich an diesem Punkt angekommen ist.

Das muss man mögen.

In Wiesbaden mochten es ziemlich viele.

Strandkörbe bestimmen den besonderen Sommerabend

Auch die Kulisse war alles andere als gewöhnlich. Das Strandkorb Open Air Wiesbaden 2021 lief vom 18. Juni bis 24. Juli in der BRITA-Arena. Auf der Spielfläche standen rund 800 Strandkörbe, damit größere Kulturveranstaltungen trotz der damaligen Corona-Bedingungen wieder stattfinden konnten.

Für eine klassische Rockshow war dieses Konzept bereits ungewöhnlich. Bei Helge Schneider bekam es noch eine zusätzliche Ebene.

Vor ihm kein dicht gedrängtes Publikum, sondern Menschen in kleinen Strandkorb-Inseln. Auf der Bühne ein Künstler, dessen Humor stark von unmittelbaren Reaktionen lebt.

Schneider machte daraus trotzdem seinen Abend.

Mal musikalisch. Mal albern. Dann wieder überraschend konzentriert.

Bei Helge Schneider ist Improvisation Teil der Show

Ein fest durchgetaktetes Programm wäre für Helge Schneider vermutlich ohnehin die falsche Erwartung.

Seine Stärke liegt genau dort, wo andere Künstler nervös würden: wenn etwas ungeplant passiert. Ein Zwischenruf kann Material liefern. Eine kleine Panne ebenso. Und manchmal reicht offenbar ein Gedanke, der Schneider während des Spielens selbst zum Lachen bringt.

Das Publikum muss dabei mitgehen.

Wer auf sauber vorbereitete Pointen im Minutentakt wartet, sitzt bei „Let’s lach!“ möglicherweise im falschen Strandkorb. Schneider erzählt keine klassische Stand-up-Comedy. Er baut sich seine eigene Welt, in der Jazzmusiker, absurde Figuren, vollkommen überflüssige Nebensätze und spontane Einfälle gleichberechtigt nebeneinanderstehen.

Gerade deshalb wirkt ein Abend mit ihm so schwer kopierbar.

Wiesbaden erlebt einen echten Helge-Abend

Helge Schneider hat sich über Jahrzehnte eine Bühnenform geschaffen, die eigentlich nur mit ihm funktioniert.

Musiker? Ja.

Komiker? Natürlich.

Entertainer, Geschichtenerzähler und professioneller Quatschmacher ebenfalls.

In der BRITA-Arena wechselte er zwischen diesen Rollen, ohne daraus eine große Sache zu machen. Genau darin steckt sein Reiz. Hochkultur und Klamauk liegen bei Schneider manchmal nur einen Tastenschlag auseinander.

„Let’s lach!“ war deshalb weniger eine Aufforderung als eine ziemlich realistische Vorhersage.

Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures

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