
Maddin Schneider in Nierstein: Denke macht Koppweh!
Beitrag teilen
Ein Sommerabend im Park, ein Publikum mit Lust auf Comedy und ein Hesse, dessen Gesichtsausdruck manchmal schon ausreicht, bevor überhaupt die Pointe kommt. Maddin Schneider war am 18. Juli 2021 zu Gast beim Niersteiner Kultursommer und brachte sein Programm „Denke macht Koppweh!“ in den Niersteiner Park. Der Auftritt gehörte zur zweiten Niersteiner Comedynacht.
Schneider nahm sich dafür eines Problems an, das vermutlich jeder kennt: Der eigene Kopf kann ziemlich anstrengend werden. Was dort den ganzen Tag produziert wird, reicht bei Maddin allerdings nicht für ein bisschen Grübeln. Daraus entstehen Säbelzahntiger, Fleischwurst-Intoleranzen, Toaster-Katastrophen und Gedanken, bei denen selbst der Urheber irgendwann nicht mehr weiß, wie er eigentlich darauf gekommen ist.
Vom Wörscht Käs zum Best Käs
Das Prinzip des Abends steckt bereits im Titel. Denken macht Koppweh.
Maddin Schneider beschäftigt sich mit negativen Gedankenspiralen und der erstaunlichen Fähigkeit des Menschen, aus einer harmlosen Situation innerhalb weniger Sekunden den größtmöglichen Katastrophenfall zu konstruieren.
Oder, wie es bei ihm klingt: Statt des „Best Käs“ denken wir uns gerne erst einmal den „Wörscht Käs“ aus.
Natürlich bleibt es nicht bei psychologischen Überlegungen. Schneider zerlegt solche Situationen mit seinem breiten Hessisch, seiner unverwechselbaren Mimik und einem Timing, bei dem schon eine kleine Pause reicht, um den nächsten Lacher vorzubereiten.
Was passiert beispielsweise, wenn ein Vogel durchs offene Fenster fliegt und auf dem Hebel des Toasters landet?
Bei anderen Menschen vermutlich wenig. In Maddins Kopf entwickelt sich daraus eine ausgewachsene Geschichte.
Maddins Scheiß-druff-Programmierung
Eine Lösung für zu viel Grübelei hat Schneider selbstverständlich ebenfalls.
Die „Scheiß-druff-Programmierung“.
Was bei einem Motivationscoach nach einem mehrtägigen Seminar mit PowerPoint-Präsentation klingen würde, braucht bei Maddin Schneider ein paar Sätze im hessischen Dialekt. Die Methode habe schließlich schon seine Oma beherrscht, erzählt er in seinem Programm.
Damit landet Schneider immer wieder bei Alltagssituationen, in denen Menschen sich selbst das Leben schwerer machen als nötig.
Warum gerät man ständig an dieselben Menschen? Weshalb entwickelt sich aus einem kleinen Problem im Kopf plötzlich eine Katastrophe? Und warum lässt sich der Gedanke anschließend nicht mehr abschalten?
Maddin hat Antworten.
Ob die wissenschaftlich belastbar sind, ist an diesem Abend vollkommen nebensächlich.
Hessischer Humor funktioniert auch im Niersteiner Park
Das Publikum im Niersteiner Park bekam dabei genau jenen Maddin Schneider, den viele aus Fernsehen, Film und seinen früheren Bühnenprogrammen kennen.
Der Dialekt sitzt. Die Grimassen sowieso.
Schneider muss häufig gar nicht besonders laut werden. Ein gedehntes Wort, ein schiefer Blick oder eine kurze Bewegung reichen, damit die nächste Pointe landet. Gerade unter freiem Himmel funktioniert diese reduzierte Art erstaunlich gut.
Der Niersteiner Kultursommer wurde 2021 erneut von der Event- und Marketingagentur MKon gemeinsam mit der Stadt Nierstein veranstaltet. Neben regelmäßigen Veranstaltungen im Park gehörte die Comedynacht mit Maddin Schneider zum Sommerprogramm.
Babbische Gedanke einfach wegföhnen
Besonders schön wird es immer dann, wenn Schneider seine absurden Gedankengänge konsequent weiterführt.
Aus negativen Gedanken werden bei ihm „babbische Gedanke“, die hartnäckig im Kopf festkleben. Und was macht man mit denen?
Wegföhnen.
Klingt bescheuert. Soll es auch.
Der eigentliche Kern dahinter ist trotzdem erstaunlich nachvollziehbar. Viele Sorgen werden umso größer, je länger man sie im Kopf dreht. Schneider macht daraus keinen psychologischen Vortrag, sondern Comedy. Das Thema bleibt, nur die Perspektive verändert sich.
Und plötzlich kann man über Dinge lachen, über die man sich wenige Stunden zuvor vielleicht noch geärgert hätte.
Maddin Schneider denkt am besten gar nicht
Am Ende läuft „Denke macht Koppweh!“ auf eine wunderbar einfache Erkenntnis hinaus.
Die beste Form des Denkens könnte manchmal tatsächlich darin bestehen, einfach damit aufzuhören.
Zumindest kurz.
Maddin Schneider braucht dafür keine große Inszenierung. Seine Sprache, seine Mimik und diese vollkommen eigentümliche Art, alltägliche Gedanken in immer absurdere Richtungen laufen zu lassen, tragen den Abend.
Im Niersteiner Park wurde deshalb viel gelacht. Über Beziehungen. Über Ängste. Über völlig bescheuerte Gedankenspiele.
Und vermutlich auch ein bisschen über sich selbst.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













