
Howard Carpendale verabschiedet sich in Mannheim: Ein emotionaler Abschied nach 60 Jahren Bühne in der SAP Arena
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Die SAP Arena war gestern Abend kein gewöhnlicher Konzertsaal mehr. Sie war ein Ort des Abschieds, der Erinnerung und der puren, ungefilterten Emotion. 6500 Fans hatten sich versammelt, um Howard Carpendale ein letztes Mal live zu erleben – und der 80-jährige Schlagerstar hat sie nicht enttäuscht. Unter dem Motto „Goodbye“ zelebrierte er sein Abschiedskonzert in Mannheim mit einer Intensität, die man bei einem Mann in seinem Alter kaum erwartet hätte. Kein leises Verschwinden, kein halbherziger Rückzug. Howard Carpendale ging mit Pauken und Trompeten, einer 15-köpfigen Band und einem Publikum, das jede Zeile mitsang, als hinge das eigene Leben davon ab.
Von Anfang an lag eine ganz besondere Spannung in der Luft. Die Arena war gut gefüllt, die Stimmung aufgeheizt, die Erwartung fast greifbar. Viele der Besucher waren schon seit Jahrzehnten dabei – manche hatten ihn in den 70ern zum ersten Mal gesehen, andere waren mit seinen Hits groß geworden. Und jetzt saßen sie hier, Taschentücher in der Hand, Smartphones gezückt, bereit für den Moment, von dem alle wussten, dass er kommen würde: der endgültige Abschied von der großen Bühne. Carpendale selbst hatte es im Vorfeld klar gesagt: Diesmal meint er es ernst. Keine Comeback-Tour wie vor einigen Jahren. Große Hallen-Tourneen sind vorbei. Einzelne Auftritte vielleicht noch – das ließ er sich als kleine Hintertür offen. Aber das hier? Das war der große finale Vorhang für eine Karriere, die sechs Jahrzehnte umspannt.
Die Band, ein eingespieltes 15-köpfiges Ensemble, legte los, als gäbe es kein Morgen. Sie nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Jahrzehnte – von den frühen Hits bis zu den neueren Perlen, die Carpendale in den letzten Jahren noch herausgebracht hat. Und der Mann selbst? Er stand da wie ein Fels in der Brandung. Der blonde Hüne, der trotz 80 Jahren immer noch diese unverwechselbare Präsenz hat. Locker, charmant, mit diesem typischen Augenzwinkern, das die Frauen in der ersten Reihe sofort zum Jubeln brachte. Zwischen den Songs erzählte er Anekdoten aus seinem Leben, kleine Geschichten, die nur er so erzählen kann. Von den wilden Zeiten in den 70ern, von den Momenten, in denen er fast aufgegeben hätte, von der Dankbarkeit, die er heute für seine Fans empfindet. Es waren keine abgelesenen Texte. Es fühlte sich an wie ein Gespräch unter alten Freunden.
Die Setlist war ein Feuerwerk der Erinnerungen. „Fremde oder Freunde“ gleich zu Beginn – und schon stand die Halle. Dann „Tür an Tür mit Alice“, bei dem das Publikum den Refrain „Who the fuck is Alice?“ so hysterisch mitbrüllte, dass man es wahrscheinlich bis in die Nachbarstadt hörte. Ein absoluter Höhepunkt war die originell umgetextete Version von Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in New York“. Carpendale machte daraus etwas ganz Eigenes, etwas Persönliches, und die Arena sang mit, als gäbe es kein Morgen. Starke Stücke wie „Emotionen“, „Du bist das Letzte, was ich brauche“ oder „Unter einem Himmel“ zeigten, warum seine Lieder nie aus der Mode gekommen sind. Es war kein Best-of im üblichen Sinne. Es war eine Lebensbilanz in Liedern.
Nach einer kurzen halbstündigen Pause, in der die Spannung fast unerträglich wurde, ging es dann richtig zur Sache. Jede Menge Evergreens feuerten Carpendale und seine Truppe locker aus der Hüfte ab – ikonisch arrangiert, mit neuen kleinen Nuancen, die die alten Songs frisch klingen ließen. „Hello Again!“ eröffnete den zweiten Teil stürmisch, und von da an war die SAP Arena ein einziges brodelndes Gefühlsmeer „Das ist unsere Zeit“, „Das alles bin ich“, „Wie frei willst du sein“, „Samstag Nacht“, „Wem erzählst du nach mir deine Träume“ und „Deine Spuren im Sand“ – bei diesen Songs kreisten die Hüften, flogen die Arme in die Luft, und die Emotionen überschlugen sich. Man sah Tränen, man sah Lachen, man sah Menschen, die sich in den Armen lagen, als würden sie einen alten Freund verabschieden.
Die finalen Songs katapultierten die gesamte Halle in eine regelrechte Zeitschleife. „Laura Jane“, „Das schöne Mädchen von Seite 1“, „Nachts, wenn alles schläft“ und natürlich das unvergessliche „Ti amo“ – bei jedem Titel wurde es stiller, dann lauter, dann wieder still. Die Fans wollten nicht, dass es aufhört. Und Carpendale spürte das. Er nahm sich Zeit, bedankte sich persönlich, blickte lange ins Publikum, als wollte er jedes einzelne Gesicht mitnehmen. „60 Jahre Bühne, 80 Jahre Leben“, sagte er einmal zwischendurch, und man merkte: Auch für ihn ist dieser Abschied kein Spaziergang. Es ist ein Moment des Feierns und des Loslassens zugleich.
Was diesen Abend so besonders machte, war nicht nur die Musik. Es war das Gefühl von Gemeinschaft. Hier waren Menschen aller Generationen vereint – von Teenagern, die die Hits über TikTok entdeckt hatten, bis zu Rentnern, die Carpendale schon als junge Erwachsene gefeiert hatten. Die SAP Arena Mannheim, sonst Schauplatz großer Sportevents und Konzerte internationaler Stars, fühlte sich gestern wie ein riesiges Wohnzimmer an. Ein Ort, an dem man gemeinsam lachen, weinen und singen durfte. Die Lichtshow war dezent, aber wirkungsvoll, die Soundanlage perfekt abgestimmt, die Stimmung einfach nur magisch.
Howard Carpendale hat gestern nicht nur Konzert gespielt. Er hat ein Kapitel abgeschlossen. Und er hat es auf eine Art getan, die seiner Karriere würdig ist: mit Würde, mit Humor, mit einer Prise Wehmut und mit unendlich viel Liebe zum Publikum. Die 6500 Fans in der SAP Arena werden diesen Abend noch lange in Erinnerung behalten. Nicht als normales Konzert. Sondern als den Moment, in dem eine Legende „Goodbye“ gesagt hat – und dabei alle Herzen mitgenommen hat.
Für alle, die nicht dabei sein konnten: Die Setlist, die Atmosphäre, die Geschichten – sie werden in den nächsten Tagen in den sozialen Netzwerken und auf den Fanseiten die Runde machen. Und für alle, die dabei waren: Danke, Howard. Für die Lieder, die uns durchs Leben begleitet haben. Für die Abende wie diesen. Und dafür, dass du uns gezeigt hast, wie man mit Stil Abschied nimmt.
Howard Carpendale Abschiedstour 2026, SAP Arena Mannheim, Schlagerkonzert, Goodbye Tour – dieser Abend wird als einer der emotionalsten Momente in der deutschen Unterhaltungsgeschichte in Erinnerung bleiben. Wer ihn erlebt hat, der weiß: Manche Künstler gehen. Howard Carpendale hat gefeiert. Und Mannheim war dabei.
Text & Fotos © by Boris Korpak | BoKo Pictures














