Bülent Ceylan mit seiner Band am 30. September 2026 auf der Bühne der Batschkapp Frankfurt

Wenn der Comedian die Bühne zum Metal-Tempel macht

Beitrag teilen

Wenn Bülent Ceylan auf eine Bühne kommt, ist normalerweise ziemlich schnell klar, dass es laut werden kann. Am 30. September 2026 hatte das in der Batschkapp Frankfurt allerdings weniger mit seinen bekannten Comedy-Figuren zu tun. Diesmal flogen die Haare zu Gitarrenriffs, die Drums drückten und aus dem Comedian wurde für einen Abend vor allem eines: Frontmann.

Gemeinsam mit seiner Band brachte Ceylan seine Mischung aus Heavy Metal, Rock, Humor und gesellschaftskritischen Texten in den Frankfurter Club. Kein Comedy-Programm mit ein paar Songs dazwischen. Sondern ein richtiges Konzert – nur eben eines, bei dem zwischen zwei Metalnummern jederzeit eine Pointe einschlagen konnte.

„Stumpf ist Trumpf“ gibt sofort die Richtung vor

Mit „Stumpf ist Trumpf“ ging es ohne langes Vorgeplänkel los. Die Band legte ordentlich Druck vor, Ceylan stand mit wehender Mähne am Mikrofon und die ersten Köpfe vor der Bühne gingen sofort mit.

Dass Metal für ihn keine kurzfristige Nebenbeschäftigung ist, musste er an diesem Abend niemandem erklären. Ceylan hat seine Leidenschaft für harte Musik nie versteckt. Auftritte auf großen Metal-Festivals gehören inzwischen genauso zu seiner Geschichte wie seine Comedy-Shows.

In der deutlich intimeren Batschkapp funktionierte das besonders gut. Das Publikum stand nah an der Bühne, die Gitarren kamen unmittelbar und Ceylan suchte immer wieder den Kontakt nach vorne.

Harte Gitarren treffen auf Ceylan-Humor

Mit „Leck mich Tag“, „Schmutzige Liebe“ und „Fünf vor Zwölf“ nahm das Konzert weiter Fahrt auf.

Die Band spielte druckvoll, ohne Ceylans Stimme unter einer Soundwand zu begraben. Zwischen den Songs ließ er wiederum den Comedian durchkommen. Kleine Kommentare, spontane Pointen, Selbstironie – und dann ging es wieder zurück in den nächsten Song.

Gerade diese Wechsel machten den Abend aus. Ein paar Sekunden zuvor wurde noch gelacht. Dann setzte das nächste Riff ein und die Batschkapp war wieder mitten im Metal-Konzert.

„Keiner kommt hier lebend raus“ wird düsterer

Bei „Keiner kommt hier lebend raus“ schlug die Stimmung eine härtere Richtung ein. Direkt danach setzte „Habt euch endlich alle lieb“ einen ziemlich deutlichen Kontrast.

So albern es zwischendurch werden konnte, Ceylan ließ die ernsteren Themen nicht draußen. Zusammenhalt, Hass und Ausgrenzung tauchten immer wieder in seinen Texten auf.

Nur eben ohne Vortrag. Lieber mit verzerrten Gitarren.

„Rüstung aus Hass“ zeigt die andere Seite

Mit „Am Ende gut“ und „Rüstung aus Hass“ bekam das Konzert anschließend mehr Tiefe. Besonders „Rüstung aus Hass“ zeigte, dass hinter der lauten Fassade durchaus ernsthafte Gedanken stecken.

Ceylan musste dafür nicht plötzlich zum nachdenklichen Liedermacher werden. Die Härte blieb. Gerade dadurch funktionierte die Botschaft.

Seine Musik ist am stärksten, wenn Humor und Ernst nicht künstlich voneinander getrennt werden. Beides gehört zu ihm – und beides bekam in Frankfurt seinen Platz.

Dann heißt es wieder Vollgas

Genug nachgedacht.

Mit „Wir haben gelebt“, „Booom“ und „Lange Haare“ ging es wieder deutlich nach vorne.

Spätestens bei „Lange Haare“ war die Verbindung zwischen Bülent Ceylan und der Metal-Szene kaum noch zu übersehen. Seine Mähne gehört seit Jahrzehnten zu seinem Markenzeichen. Früher vor allem als Teil seines unverwechselbaren Looks, inzwischen passt sie mindestens genauso gut zum Mann am Mikrofon einer Metal-Band. Vor der Bühne wurde gebangt. Auf der Bühne ebenfalls.

„Anders gleich“ passt perfekt in die Batschkapp

Mit „Anders gleich“ folgte einer jener Titel, die ziemlich genau zu diesem Publikum passten.

Da standen eingefleischte Metalheads neben Fans, die Ceylan seit seinen frühen Comedy-Programmen verfolgen. Andere dürften über seine Festivalauftritte oder sein Album zur musikalischen Seite des Mannheimers gefunden haben.

Völlig unterschiedliche Leute. An diesem Abend spielte das keine Rolle. Die Batschkapp feierte gemeinsam.

„Randale und Radau“ – der Name ist Programm

Dann wurde es noch einmal richtig laut. „Randale und Radau“ machte seinem Namen alle Ehre. Die Band zog an, Ceylan ging mit und vor der Bühne kam Bewegung in den Laden.

Direkt danach folgte mit „Wenn Metaller traurig sind“ wieder diese typisch Ceylansche Mischung aus Szene-Humor und echter Zuneigung zum Metal.

Er nimmt Klischees aufs Korn, ohne sich über die Menschen dahinter lustig zu machen. Genau deshalb funktioniert es. Ceylan schaut nicht von außen auf die Metal-Szene. Er steckt selbst mittendrin.

„Ich liebe Menschen“ setzt die Botschaft

Mit „Ich liebe Menschen“ näherte sich der reguläre Teil des Konzerts seinem Ende.

Nach Songs über Hass, Unterschiede und gesellschaftliche Spannungen blieb eine ziemlich einfache Aussage stehen: Menschen können verschieden sein, ohne sich deshalb gegenseitig bekämpfen zu müssen. Das mag auf dem Papier groß klingen.

In der Batschkapp kam es deutlich unkomplizierter rüber. Ein Song. Eine Botschaft. Fertig. Dann verschwanden Ceylan und seine Musiker von der Bühne. Aber Frankfurt war noch nicht fertig.

Drei Zugaben für die Batschkapp

Mit „Brüder“ kehrte die Band zurück und startete in den Zugabenblock. Danach folgte „Wolfsherz“, bevor „Ein Hoch auf die beschissenen Zeiten“ den endgültigen Schlusspunkt setzte.

Gerade dieser letzte Titel passte hervorragend zu einem Abend, der nie so tat, als wäre immer alles großartig.

Ceylan kann über Probleme sprechen und wenige Sekunden später einen Witz darüber machen. Er kann ernst werden, ohne die Stimmung herunterzuziehen. Und er kann Metal spielen, ohne daraus eine Karikatur des Genres zu machen.

Noch einmal gingen die Hände nach oben. Noch einmal flogen die Haare. Dann war wirklich Schluss.

Mehr als ein Comedian mit langen Haaren

Die Batschkapp Frankfurt war für dieses Konzert genau der richtige Ort. Kein großer Abstand zwischen Künstler und Publikum, keine überdimensionierte Arena-Produktion. Stattdessen Clubatmosphäre, direkter Sound und eine Band, die ordentlich Druck machte.

Bülent Ceylan musste an diesem Abend nicht beweisen, dass er plötzlich ein echter Metaller geworden ist.

Das wäre ohnehin überflüssig. Seine Begeisterung für diese Musik ist längst bekannt. Interessanter war, wie selbstverständlich Comedy und Konzert inzwischen zusammenpassen. Die Pointen störten die Musik nicht. Die Musik machte aus der Show auch keine Comedy-Veranstaltung mit Gitarren.

Beides funktionierte nebeneinander. Am Ende wurde in Frankfurt gelacht, gebangt, gesungen und ordentlich Lärm gemacht.

Und wenn nach einem solchen Abend vor allem die Songs im Kopf bleiben, hat Bülent Ceylan musikalisch einiges richtig gemacht.

Setlist Bülent Ceylan & Band

Stumpf ist Trumpf
Leck mich Tag
Schmutzige Liebe
Fünf vor Zwölf
Keiner kommt hier lebend raus
Habt euch endlich alle lieb
Am Ende gut
Rüstung aus Hass
Wir haben gelebt
Booom
Lange Haare
Anders gleich
Randale und Radau
Wenn Metaller traurig sind
Ich liebe Menschen

Zugabe:
Brüder
Wolfsherz
Ein Hoch auf die beschissenen Zeiten

Text & Fotos © by Jan Heesch

Beitrag teilen