
Zwischen Hoffnung und Selbstreflexion. So Soon kündigen mit „Everything Matters, Nothing Matters“ ihr bislang persönlichstes Album an.
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Es gibt Alben, die bereits vor ihrer Veröffentlichung erkennen lassen, welchen künstlerischen Anspruch sie verfolgen. Nicht, weil große Versprechen gemacht werden oder bekannte Namen im Produktionsprozess auftauchen, sondern weil Konzept, Themen und bisher veröffentlichte Songs ein stimmiges Gesamtbild entstehen lassen. Genau diesen Eindruck vermittelt So Soon mit ihrem zweiten Album „Everything Matters, Nothing Matters“, das am 16. Oktober 2026 über Clouds Hill erscheint. Da das Album zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung noch nicht vorliegt, basiert diese Einschätzung ausschließlich auf den offiziellen Informationen der Band und des Labels sowie den bisher veröffentlichten Singles.
Bereits der Albumtitel eröffnet ein Spannungsfeld, das sich durch das gesamte Konzept zieht. „Everything Matters, Nothing Matters“ beschreibt den scheinbaren Widerspruch zwischen der Bedeutung einzelner Lebensentscheidungen und dem Gefühl, in einer immer komplexeren Welt Orientierung zu verlieren. Laut Band stehen autobiografische Erfahrungen, persönliche Wendepunkte und emotionale Ausnahmezustände im Mittelpunkt. Es geht um Entscheidungen, die lange hinausgezögert werden, um Angst, Überforderung, Hoffnung und die Suche nach innerer Ruhe. Statt große gesellschaftliche Statements in den Vordergrund zu stellen, richtet So Soon den Blick bewusst nach innen und entwickelt daraus Geschichten, die viele Menschen aus ihrem eigenen Alltag kennen dürften.
Musikalisch bewegt sich das Duo weiterhin zwischen Indie Pop, Folk, Electronica und Dream Rock. Bereits das Debüt „Whether You Like It Or Not“ aus dem Jahr 2024 machte deutlich, dass David Stöbener und Marco Braun weniger an klassischen Genregrenzen interessiert sind als an einer Atmosphäre, die unterschiedliche Klangwelten miteinander verbindet. Die offiziellen Informationen zum neuen Album sprechen davon, dass dieser Ansatz nun konsequent weiterentwickelt wurde. Das lässt auf ein Werk schließen, das weniger einzelne Songs als vielmehr das Album als zusammenhängendes Ganzes versteht.
Besonders interessant erscheint dabei die Rolle der Produktion. So Soon haben das Album erneut selbst produziert. Das spricht für eine klare künstlerische Handschrift und dafür, dass die Band ihre musikalische Identität bewusst selbst gestaltet. Gleichzeitig wurde mit Barny Barnicott ein erfahrener britischer Mixing Engineer verpflichtet, dessen Arbeiten unter anderem mit Kasabian, Sam Fender, den Arctic Monkeys und The Temper Trap verbunden sind. Das Mastering stammt von Matt Colton, der bereits Veröffentlichungen von Muse, James Blake, Thom Yorke oder Aphex Twin betreut hat. Diese Namen allein garantieren selbstverständlich keine musikalische Qualität. Sie zeigen jedoch, dass So Soon ihr Material einem Produktionsumfeld anvertrauen, das hohe technische Standards erfüllt und Erfahrung mit vielschichtigen Klangbildern besitzt.
Auch die bisher bekannten Songtitel lassen erkennen, dass persönliche Erfahrungen den roten Faden bilden. „Would You Call Me“ beschäftigt sich laut Albuminformationen mit einem Anruf, der viel zu lange hinausgezögert wird. „The Pace“ beschreibt die Sehnsucht nach einem Moment des Aufgebens, während „It’s Just Fear“ den inneren Dialog mit der eigenen Angst thematisiert. Solche Themen bewegen sich bewusst fern einfacher Antworten. Statt dramatische Zuspitzungen zu suchen, scheint So Soon emotionale Grauzonen auszuloten. Gerade darin könnte eine besondere Stärke des Albums liegen. Musik, die Unsicherheit zulässt, wirkt häufig nachhaltiger als Musik, die jede Frage sofort beantwortet.
Mit der aktuellen Single „You Are“ hat die Band bereits einen weiteren Eindruck ihres neuen Albums veröffentlicht. Auch wenn sich daraus keine Aussage über das Gesamtwerk ableiten lässt, zeigt die Veröffentlichung, dass So Soon ihren eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen und ihre musikalische Handschrift weiter schärfen möchten. Ob sich diese Entwicklung über die komplette Albumlänge trägt, wird sich allerdings erst mit der Veröffentlichung beurteilen lassen.
Ein weiterer spannender Aspekt ist die Entwicklung der Band selbst. David Stöbener und Marco Braun kennen sich seit ihrer Schulzeit und arbeiten seit vielen Jahren gemeinsam an ihrer Musik. Diese langjährige Zusammenarbeit dürfte wesentlich dazu beitragen, dass So Soon heute über eine klar erkennbare Identität verfügen. Während viele junge Bands ihren Stil zunächst suchen, scheint dieses Duo bereits früh einen eigenen musikalischen Rahmen gefunden zu haben. Laut den offiziellen Informationen soll das neue Album gereifter, präziser und mutiger wirken als sein Vorgänger. Diese Entwicklung erscheint nachvollziehbar. Nach einem Debüt sammeln viele Bands Tourerfahrung, entwickeln ihre Arbeitsweise weiter und gewinnen Sicherheit im Songwriting. Ob sich diese Reife tatsächlich in jedem Song widerspiegelt, kann allerdings erst nach einer vollständigen Albumbemusterung seriös bewertet werden.
Bemerkenswert ist außerdem der Anspruch, das Album als geschlossenes Kunstwerk zu verstehen. In Zeiten einzelner Streaming-Singles wirkt dieser Ansatz fast bewusst entschleunigend. Statt ausschließlich auf einzelne Hits zu setzen, scheint So Soon den Fokus auf Dramaturgie, Atmosphäre und inhaltliche Zusammenhänge zu legen. Gerade für Hörerinnen und Hörer, die Alben noch als vollständige Werke erleben möchten, könnte dieser Ansatz besonders interessant sein.
Zu den klaren Stärken des Projekts zählt bereits jetzt die konzeptionelle Geschlossenheit. Albumtitel, Themen, Songbeschreibungen und musikalische Ausrichtung greifen ineinander und vermitteln den Eindruck einer sorgfältig entwickelten Gesamtidee. Ebenso überzeugend wirkt die Entscheidung, persönliche Erfahrungen nicht plakativ auszuschlachten, sondern sie als Ausgangspunkt für universelle Fragestellungen zu nutzen. Dadurch entsteht das Potenzial für Songs, die unterschiedliche Interpretationen zulassen und weit über autobiografische Momentaufnahmen hinausreichen.
Gleichzeitig bleiben vor der Veröffentlichung zwangsläufig offene Fragen. Ob die angekündigte emotionale Tiefe über die gesamte Spielzeit hinweg trägt, ob die Balance zwischen Melancholie und Dynamik gelingt oder ob einzelne Songs besonders herausragen, lässt sich derzeit nicht seriös beurteilen. Auch Aussagen über Gesang, Instrumentierung, Klangdynamik oder das finale Sounddesign wären zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation und würden journalistischen Standards widersprechen.
Fest steht jedoch, dass So Soon mit „Everything Matters, Nothing Matters“ hohe Erwartungen wecken. Das Debütalbum sorgte für viel Aufmerksamkeit innerhalb der deutschsprachigen Indie-Szene und erhielt positive Resonanz von Medien wie VISIONS, Musikexpress, DIFFUS oder ByteFM. Das neue Album knüpft inhaltlich an diese Entwicklung an und verfolgt den Anspruch, den eigenen Stil weiter auszubauen, ohne die musikalische Identität aufzugeben.
Mit einer umfangreichen Tour begleitet So Soon die Veröffentlichung ihres zweiten Albums zusätzlich auf die Bühne. Gerade dort wird sich zeigen, wie die neuen Songs im direkten Zusammenspiel mit dem Publikum wirken und welche Dynamik sie live entwickeln.
Schon heute zeichnet sich ab, dass „Everything Matters, Nothing Matters“ weniger auf schnelle Effekte als auf Atmosphäre, emotionale Nähe und sorgfältiges Songwriting setzt. Ob daraus eines der prägenden deutschsprachigen Indie-Alben des Jahres entsteht, lässt sich erst nach vollständigem Hören beantworten. Die bisher veröffentlichten Informationen liefern jedoch gute Gründe, diesem Album mit großer Aufmerksamkeit entgegenzusehen. Wer moderne Klangwelten zwischen Indie Pop, Dream Rock, Folk und Electronica schätzt und Musik sucht, die persönliche Geschichten mit konzeptioneller Tiefe verbindet, dürfte den 16. Oktober im Kalender markieren.
Text CK

So Soon
Everything Matters, Nothing Matters
Label: Clouds Hill
VÖ: 16.10.2026
Genre: Indie-Rock
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Bild: So Soon © Flemming Fuchs














