
Imagine Dragons in Mannheim: Zwischen Trommeln und Feuer
Beitrag teilen
Ein paar Sekunden Dunkelheit, dann setzte „Shots“ ein und die SAP Arena war schlagartig wach. Imagine Dragonsbrauchten am 12. Oktober 2015 keine lange Anlaufphase, um ihre damals noch junge Arenakarriere ziemlich groß aussehen zu lassen. Dan Reynolds jagte über die Bühne, hinter ihm arbeiteten Wayne Sermon, Ben McKee und Daniel Platzman an einem Sound, der zwischen Alternative Rock, elektronischen Flächen und gewaltigen Percussion-Schlägen ständig die Richtung wechselte. Rund 7.000 Besucher erlebten den Mannheimer Stopp der „Smoke + Mirrors Tour“.
Die Dimensionen waren deutlich größer geworden als noch wenige Jahre zuvor. „Radioactive“ hatte Imagine Dragons weltweit nach vorne katapultiert, das zweite Album „Smoke + Mirrors“ war im Februar 2015 gefolgt und führte die Band endgültig in die großen Hallen. Mannheim lag mitten in einem kompakten Deutschlandblock: einen Abend zuvor Oberhausen, danach München, Hamburg, Berlin und Stuttgart.
Sunset Sons bringen die SAP Arena auf Temperatur
Bevor die Dragons loslegten, gehörte die Bühne den Sunset Sons. Die britisch-australische Band begleitete Imagine Dragons als Support auf diesem Abschnitt der Tour und setzte mit ihrem melodischen Indie-Rock einen deutlich leichteren Einstieg in den Abend. Noch war die Arena nicht auf voller Betriebstemperatur, doch die ersten Reihen waren längst bereit für den Hauptact.
Dann wurde umgebaut. Die Spannung stieg, Licht ging aus und mit „Shots“ begann eine Show, die viel über Rhythmus funktionierte. Daniel Platzman saß nicht einfach nur hinter seinem Schlagzeug, und auch Dan Reynolds griff immer wieder selbst zu großen Trommeln. Dieses zusätzliche Schlagwerk gab den Songs live mehr Wucht, als die teilweise sehr sauber produzierten Studiofassungen vermuten ließen.
„It’s Time“ holt die ersten großen Erinnerungen zurück
Schon früh folgte „It’s Time“, einer jener Songs, mit denen Imagine Dragons drei Jahre zuvor ihren internationalen Durchbruch eingeläutet hatten. Die Reaktion kam sofort. Danach rückten mit „Trouble“, „Roots“ und „Polaroid“ wieder neuere Stücke in den Mittelpunkt. Gerade dieser Wechsel passte zum Stand der Band im Herbst 2015: Die großen Hits des Debüts waren längst gesetzt, „Smoke + Mirrors“ musste sich live aber nicht dahinter verstecken.
Ein besonderer Moment folgte mit „I Was Me“. Der Song wurde in Mannheim erstmals überhaupt live gespielt. Keine jahrelang eingeübte Routine, sondern ein Stück, das an diesem Abend zum ersten Mal vor Konzertpublikum stand. Danach zog das Tempo mit „I’m So Sorry“ und „Gold“ wieder deutlich an.
Dan Reynolds war dabei kaum dauerhaft an einem Punkt zu finden. Mal am Mikrofon, dann bei den Trommeln, wenige Augenblicke später wieder vorne am Bühnenrand. Hinter all der Bewegung blieb die Band erstaunlich kompakt. Wayne Sermons Gitarren setzten die schärferen Akzente, Ben McKee hielt mit dem Bass das Fundament zusammen und Platzman trieb die Songs immer wieder mit massiven Schlägen nach vorne.
„Demons“ bringt plötzlich Ruhe in die Arena
Nach der Härte von „I’m So Sorry“ und „Gold“ zeigte sich die andere Seite der Band. „Bleeding Out“ und „Demons“wurden miteinander verbunden, und aus der großen Rockproduktion wurde für einige Minuten ein wesentlich emotionalerer Moment. Tausende Stimmen kamen aus der Arena zurück. Gerade „Demons“ brauchte keine Feuerwand und keine übertriebene Inszenierung, um zu funktionieren.
Mit „On Top of the World“ drehte sich die Stimmung anschließend wieder. Leichter, fast ausgelassen. Danach folgte ein Mix aus „The River“ und dem deutlich kantigeren „Friction“, bevor „I Bet My Life“ noch einmal den hymnischen Teil des zweiten Albums nach vorne stellte. Imagine Dragons beherrschten diese Wechsel 2015 bereits ziemlich sicher: eben noch dunkel und schwer, wenige Minuten später ein Refrain, der die komplette Arena hochzieht.
„Radioactive“ wird zum großen Trommelgewitter
Der Song, auf den an diesem Abend praktisch jeder gewartet hatte, kam am Ende des regulären Sets. „Radioactive“war längst mehr als nur der größte Hit der Band. Live wurde die Nummer zu einem Percussion-Monster. Die ohnehin wuchtigen Drums wurden weiter aufgeblasen, Reynolds trommelte mit und aus dem langsam stampfenden Rhythmus entstand einer dieser Momente, bei denen der Bass nicht nur zu hören, sondern im Körper zu spüren war.
Die ersten Töne hatten gereicht. Im Innenraum gingen die Arme hoch, die Ränge antworteten und spätestens beim Refrain sangen 7.000 Menschen mit. „Radioactive“ zeigte ziemlich genau, warum Imagine Dragons innerhalb weniger Jahre aus kleineren Clubs in Arenen gewachsen waren: Ihre Songs sind für große Räume gebaut. Nicht filigran. Dafür unmittelbar.
„The Fall“ setzt einen überraschend ruhigen Schlusspunkt
Nach „Radioactive“ hätte die Band problemlos mit noch einem großen Knall verschwinden können. Stattdessen kehrten Imagine Dragons für „The Fall“ zurück. Ein ungewöhnlich ruhiger Abschluss nach all den Trommeln, massiven Refrains und der körperlichen Wucht des letzten Konzertteils. Die Mannheimer Setlist umfasste damit 16 Positionen und setzte deutlich auf das aktuelle Album, ohne „Night Visions“ aus dem Blick zu verlieren.
Zwei Jahre zuvor waren Imagine Dragons noch eine dieser Bands gewesen, bei denen ständig vom überraschenden Aufstieg gesprochen wurde. Am 12. Oktober 2015 wirkte daran nicht mehr viel überraschend. Die Bühne war groß genug, die Songs sowieso.
Und wenn Dan Reynolds bei „Radioactive“ auf die Trommeln einschlug, fühlten sich selbst 7.000 Menschen plötzlich nach deutlich mehr an.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













