
Eros Ramazzotti in Mannheim: Zwei Stunden Bella Italia
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Zunächst war nur sein Schatten zu sehen. Riesengroß zeichnete sich die Silhouette von Eros Ramazzotti hinter einem weißen Vorhang ab, moderne Beats setzten ein und Laser schnitten durch die noch verhüllte Bühne. Dann erklang „L’ombra del gigante“. Am 24. Oktober 2015 brachte der italienische Superstar seine „Perfetto World Tour“ in die SAP Arena und traf dort auf 7.000 Fans, die an diesem Samstagabend vor allem eines hören wollten: diese unverwechselbare raue Stimme und Songs aus inzwischen drei Jahrzehnten Karriere.
Die Inszenierung blieb trotz Arenaformat angenehm reduziert. Viel Schwarz, viel Weiß, großformatige Videosequenzen und eine zehnköpfige Band, die den Songs genügend Raum gab. Mal tauchte Ramazzotti auf der Leinwand unter Wasser, mal war er mit einem Fußball zu sehen. Vorne stand er selbst meist schlicht in schwarzer Hose und schwarzem Shirt. Kein Glitzeranzug, kein permanentes Feuerwerk. Die Musik sollte wirken. Und genau das passte zu „Perfetto“, einem Album, bei dem wieder stärker echte Musiker und organische Instrumente statt elektronischer Effekte im Mittelpunkt standen.
„Perfetto“ bestimmt den ersten Teil des Abends
Nach dem Auftakt rückte das damals aktuelle Album schnell nach vorne. „Il tempo non sente ragione“, der Titelsong „Perfetto“, „Alla fine del mondo“, „Rosa nata ieri“ und weitere neue Stücke zeigten einen Ramazzotti, der 2015 keineswegs nur auf seine Vergangenheit setzen wollte. Das Album war erst im Mai erschienen und bildete folgerichtig das Zentrum der ersten Konzerthälfte. Doch zwischen dem neuen Material schoben sich bereits vertraute Melodien wie „Stella gemella“ und „Se bastasse una canzone“.
Gerade live bekam das neue Material mehr Druck. Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboards und Percussion ließen die Songs voller wirken, ohne Ramazzottis Stimme zuzudecken. Diese Stimme war ohnehin das eigentliche Markenzeichen des Abends. Rau, manchmal fast brüchig, dann wieder erstaunlich weich. Dafür brauchte es keine perfekte Aussprache oder italienische Sprachkenntnisse im Publikum. Viele verstanden die Texte vielleicht nur teilweise, die Emotion kam trotzdem an.
Am Flügel wird es plötzlich ganz ruhig
Ramazzotti blieb nicht ausschließlich am Mikrofon. Bei „Tra vent’anni“ setzte er sich selbst an den Flügel und nahm der großen Arenashow für einige Minuten die Geschwindigkeit. Ein Mann, ein Instrument, eine Stimme, die plötzlich wesentlich verletzlicher klang als noch bei den rockigeren Nummern zuvor. Solche Momente taten dem Konzert gut, weil die knapp zweistündige Show nicht permanent versuchte, den nächsten großen Effekt zu produzieren.
Danach öffnete sich die Setlist immer stärker Richtung Vergangenheit. „Una storia importante“, „Adesso tu“ und „L’aurora“ flossen ineinander, gefolgt von „Dove c’è musica“ und „Un’altra te“. Jetzt war die Reaktion in der SAP Arena eine andere. Die neuen Songs wurden aufmerksam aufgenommen, bei den Klassikern kamen die Stimmen aus dem Publikum sofort zurück. Viele dieser Lieder begleiten Ramazzotti-Fans seit den Achtzigern und Neunzigern. Das hörte man.
„Cose della vita“ und „Musica è“ holen die großen Gefühle
Im letzten Drittel musste niemand mehr lange auf bekannte Refrains warten. „I Belong to You (Il ritmo della passione)“, „Un’emozione per sempre“ und besonders „Cose della vita“ gehörten zu jenen Songs, bei denen die Atmosphäre in der Arena noch einmal spürbar anzog. Danach wurde „Musica è“ zu einem großen, weit ausgespielten Moment kurz vor den Zugaben.
Ramazzotti präsentierte sich dabei wesentlich weniger als unnahbarer Weltstar, als es eine große Arenatour vermuten ließ. Immer wieder suchte er den Kontakt nach vorne, scherzte, ließ das Publikum übernehmen und griff selbst zu verschiedenen Instrumenten. Gerade diese Mischung aus professioneller Großproduktion und relativ ungekünsteltem Auftreten machte den Abend sympathisch.
Mit der Akustikgitarre Richtung Finale
Für die Zugaben nahm Ramazzotti die Show noch einmal zurück. „Un angelo disteso al sole“ spielte er mit der Akustikgitarre, bevor die Band wieder einstieg und das Konzert endgültig Richtung große italienische Schlussrunde schob. Die dokumentierte Mannheimer Setlist umfasste mehr als zwei Dutzend Titel und verband das aktuelle „Perfetto“-Material mit Songs aus praktisch allen wichtigen Phasen seiner Karriere.
Dann „Fuoco nel fuoco“. Für Mannheim bekam der Song eine deutlich rhythmischere Latin-Färbung, die noch einmal Bewegung in die Halle brachte. Und am Ende konnte eigentlich nur einer stehen: „Più bella cosa“. Die ersten Töne genügten. Jetzt sang die SAP Arena mit, Ramazzotti ließ den Refrain immer wieder ins Publikum laufen und aus 7.000 Zuschauern wurde für ein paar Minuten ein ziemlich großer italienischer Chor.
Zwei Stunden zuvor hatte nur ein Schatten hinter einem weißen Vorhang gestanden. Jetzt waren die Arme oben, die großen Hits gespielt und „Più bella cosa“ hing noch in der Halle.
Ein bisschen Bella Italia mitten in Mannheim.
Text & Foto © Boris Korpak | bokopictures













